"Wenn Menschen aus irgendeinem Grund auswandern, entweder Arbeitslosigkeit oder Krieg, Konflikte, Naturkatastrophen, dann müssen wird aus Solidarität, aus menschlichem Gefühl, diesen Menschen helfen".
Mehr Hilfen in den Herkunftsländern der Migranten hat der Präfekt des Vatikan-Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Kardinal Peter Turkson, im "kathpress"-Gespräch am Donnerstag, 31. Mai 2018 in Wien gefordert: "Wir müssen zwei Sachen beachten: Wie wir Flüchtlinge empfangen, aber auch, wie wir in ihren Ländern etwas tun, damit es weniger Flüchtlinge gibt. Während wir Flüchtlinge aufnehmen, müssen wir schauen, dass es weniger Flüchtlinge gibt." Flüchtlingspolitik müsse mit der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort einhergehen: "Dann wird der Wunsch, auszuwandern, weniger stark sein. Es sind also zwei Initiativen miteinander zu verbinden."
Die Europäische Union habe schon sehr viel getan, "und dafür sind wir dankbar", hob der aus Ghana stammende Kurienkardinal hervor. Das Thema Flucht und Auswanderung lasse sich nie zum Verschwinden bringen: "Das hat es immer gegeben. In Italien etwa ist die Zahl der Flüchtlinge, die ankommen, geringer als die Zahl der Menschen, die zuletzt ausgewandert sind. Aber damit möchte ich nicht sagen, dass Migration eine ganz normale Sache ist. Eine ganz normale Sache wäre, wenn die Leute in ihren Ländern wohnen, in Frieden leben und Arbeit haben könnten."
Wenn aber Menschen aus irgendeinem Grund auswandern - "sei es wegen Arbeitslosigkeit, Krieg, Konflikten oder Naturkatastrophen" -, dann müsse man "aus Solidarität, aus menschlichem Gefühl" diesen Menschen helfen, sagte Turkson: "Das ist die Linie des Papstes. Er hat vier Sachen gesagt: Empfangen, Beschützen, bei der Integration in die neue Heimat helfen, aber auch Verstärkung einer neuen Entwicklungspolitik. Wir müssen unsere Entwicklungspolitik verändern, damit die Auswanderung immer niedriger wird."
Kardinal Turkson war am Mittwoch Hauptreferent einer Festveranstaltung in Wien, mit der das internationale Bildungsnetzwerk "Pilgrim" sein 15-jähriges Bestehen feierte. Im Zuge der Feierlichkeiten wurden außerdem zu den schon 230 angeschlossenen Schulen weitere 13 zertifiziert bzw. hinzugefügt. Unter den 13 neuen Bildungseinrichtungen ist auch die Theologische Fakultät Katowice an der Uniwersytet Slaski (Schlesische Universität), an der Turkson vor seinem Österreichbesuch gesprochen hatte. In seiner Festansprache in Wien erläuterte der Kardinal die zentralen Anliegen der vor genau drei Jahren - am 18. Juni 2015 - erschienenen Sozial- und Öko-Enzyklika "Laudato si".
Ziel von "Pilgrim" ist es, das Thema "Nachhaltigkeit" in seiner religiösen, ethischen sowie philosophischen Dimension anzusprechen. Dies geschieht in Bildungseinrichtungen aller Art - interdisziplinär, interreligiös, in Kontinuität, und profilbildend für die jeweilige mitwirkende Einrichtung. Beteiligt sind nicht nur Lehrer und Schüler aus den großen christlichen Kirchen, sondern auch Muslime, Juden, Buddhisten und Zeugen Jehovas.