Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche erhielt in der vergangenen Woche vom Papst den Kardinalspurpur.
Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche erhielt in der vergangenen Woche vom Papst den Kardinalspurpur.
Mit Österreich ist der Patriarch von Babylon eng verbunden.
Kardinal Louis Raphael I. Sako, Patriarch von Babylon mit Sitz in Bagdad und eine der Zentralgestalten der orientalischen Christenheit, wird am Mittwoch, 4. Juli 2018, 70 Jahre alt. Als Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche leitet er eine der größten christlichen Glaubensgemeinschaften des Nahen Ostens. Allerdings sind große Teile der Gläubigen vor Krieg und Terror aus dem Irak geflohen, viele in den Westen.
Sako ist ein unermüdlicher Warner vor dem Untergang des Christentums in dessen Geburtsregion. Die christlichen Politiker im Land ermahnt der chaldäische Patriarch zu mehr Einheit, um die kleine christliche Quote im Parlament und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Papst Franziskus schätzt den vielsprachigen Patriarchen unter anderem als Experten für den interreligiösen Dialog mit dem Islam. In der vergangenen Woche machte er machte er ihn zum Kardinal.
Das Patriarchat von Babylon der Chaldäer hat seinen Sitz im irakischen Bagdad. Angaben über die Zahl der Kirchenmitglieder weltweit schwanken zwischen mehr als 400.000 und einer Million. Durch Abwanderung gibt es große chaldäische Gemeinschaften vor allem in Nordamerika, Australien und Westeuropa.
Nach Einschätzung der Wiener Stiftung "Pro Oriente" hat Patriarch Sako einen großen Anteil daran, dass die irakische Christenheit unter dem Terror der Islamisten nicht zusammengebrochen ist. Sako verfolgt ein klares politisches Ziel: Den Aufbau eines demokratischen Staatswesens, in dem alle Bürger gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben.
Sako wurde nach dem Rücktritt des chaldäischen Patriarchen und Kardinals Emmanuel III. Delly Anfang 2013 in Rom von der chaldäischen Bischofssynode zum Patriarchen von Babylon bestimmt; er wählte den Namen Louis Raphael I. Am 4. Juli 1948 im nordirakischen Zakho an der Grenze zur Türkei geboren, studierte Sako in Mossul am Theologischen Seminar des Dominikanerordens und wurde 1974 zum Priester geweiht. 1979 begann er weitere Studien am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom, wo er in orientalischer Patristik promoviert wurde. Anschließend erwarb er einen Doktorgrad in Geschichte an der Pariser Sorbonne.
Von 1986 an wirkte Sako in Mossul als Gemeindepfarrer. Zwischen 1997 und 2002 war er Rektor am Priesterseminar in Bagdad; anschließend kehrte er in seine frühere Pfarrstelle zurück. 2002 wurde Sako zum Erzbischof von Kirkuk gewählt und im Folgejahr geweiht. Außer Arabisch und Chaldäisch spricht er Französisch, Englisch und Italienisch; zudem hat er unter anderem deutsche Sprachkenntnisse.
Kardinal-Patriarch Sako hat seit vielen Jahren enge Beziehungen zu Österreich, insbesondere zu Kardinal Christoph Schönborn, zum Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer, zum Salzburger Ostkirchenfachmann Prof. Dietmar Winkler, zu "Pro Oriente", "Christian Solidarity"-Österreich, zur "Initiative Christlicher Orient" (ICO), zur "Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände" (AKV) usw. 2016 brachte die Wiener Journalistin Pia de Simony ein Interviewbuch mit Sako heraus.
Der Patriarch ist auch Träger des "Kardinal-König-Ehrenpreises". Er wurde Sako von der Kardinal-König-Stiftung "in Würdigung seines Einsatzes für die Bürgerrechte der Christen im Nahen Osten und für Versöhnung und Dialog" zuerkannt.