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13.06.2017 · Weltkirche · Papst Franziskus

"Welttag der Armen": Papst prangert "unverschämten Reichtum" an

Die Einrichtung eines neuen "Welttags der Armen", den die katholische Kirche ab 2017 jeweils am vorletzten Sonntag ihres Kirchenjahres begeht, hatte Franziskus zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit (Dezember 2015 bis November 2016) bekanntgegeben.

Neuer Welttag soll Arme in die Mitte des Gemeindelebens holen.

Der Papst hat am Dienstag, 13. Juni 2017 den "unverschämten Reichtum einer Minderheit Privilegierter" kritisiert und betont, dass dadurch die Armut weltweit verschärft wird. Der Satz findet sich in der vom Vatikan veröffentlichten Botschaft zum neu eingeführten "Welttag der Armen", der in diesem Jahr erstmals stattfinden wird - und zwar am Sonntag, 19. November.

Der Reichtum gehe nicht selten "mit Illegalität und der beleidigenden Ausbeutung der menschlichen Würde einher", und daneben stehe "die Ausbreitung der Armut in großen Teilen der weltweiten Gesellschaft", stellt der Papst fest. "Angesichts dieser Entwicklung ist es unmöglich, untätig zu bleiben oder gar aufzugeben", so Franziskus in dem am Festtag des Franziskaners Antonius von Padua veröffentlichten Text.

Die Einrichtung eines neuen "Welttags der Armen", den die katholische Kirche ab 2017 jeweils am vorletzten Sonntag ihres Kirchenjahres begeht, hatte Franziskus zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit (Dezember 2015 bis November 2016) bekanntgegeben. Der Aktionstag soll Christen, aber auch Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit dazu anspornen, dass sie "der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen", so der Papst.

Der erste "Welttag der Armen" steht unter dem Motto "Liebt nicht mit Worten, sondern mit Taten". In seinem Schreiben ruft der Papst die Katholiken auf, konkret auf Arme in ihrer Nachbarschaft zuzugehen und in der Woche vor dem Aktionstag in den Pfarren Begegnungen zu veranstalten. Am "Welttag der Armen" selbst sollten die Gemeinden Arme als "Ehrengäste" in ihre Gottesdienste einladen.

Seine Einladung zum neuen Welttag richte er nicht nur an die Kirche, sondern auch an "alle Menschen guten Willens", betont der Papst. Entscheidend sei der "Blick auf die, die mit ausgestreckter Hand um Hilfe bitten und auf unsere Solidarität hoffen. Es sind unsere Brüder und Schwestern, geschaffen und geliebt vom einzigen Vater im Himmel." Der Mensch neige dazu, durch Errichtung von Grenzen, Mauern und Absperrungen Gott zu verraten, der den Himmels und die Erde für alle ohne Ausschluss geschaffen habe. Im Gegenzug seien "konkrete Zeichen der Brüderlichkeit" nötig - durch Teilen und verschiedenste Formen von Solidarität.

 

Tausend Gesichter der Armut

Die Armut fordere täglich mit "tausenden Gesichtern" heraus, die von Ausgrenzung, Missbrauch, Gewalt, Folter, fehlenden Bildungschancen, Arbeitslosigkeit, Sklaverei oder erzwungener Migration gekennzeichnet seien, so Franziskus. "Die Armut hat das Gesicht von Frauen, Männern und Kindern, die aus niederträchtigen Interessen ausgebeutet werden, niedergetrampelt von der perversen Logik der Macht und des Geldes", heißt es in der Botschaft. Der Papst nennt darin die Armut "die Frucht sozialer Ungerechtigkeit sowie moralischen Elends, der Habgier weniger und der allgemein verbreiteten Gleichgültigkeit".

Armut habe schon für Jugendliche verheerende Folgen, bemerkt Franziskus: Sie lösche ihren Unternehmergeist aus und verhindere, dass sie Arbeit fänden. Weiters schläfere sie den Sinn für Verantwortung ein und verleite dazu, Verantwortung abzuwälzen und nur noch Begünstigungen zu suchen. Schließlich gebe es auch eine Armut, die "die gemeinschaftlichen Brunnen vergiftet und die Räume der Arbeitswelt eingrenzt und damit das Verdienst derjenigen schmälert, die arbeiten und produzieren". Es sei nötig, darauf "mit einer neuen Sicht des Lebens und der Gesellschaft" zu antworten, so der Papst.

 

Neuer Lebensstil

Die Armen sollten nicht nur als "Empfänger eines wohltätigen, einmal in der Woche zu verrichtenden Freiwilligendienstes oder von improvisierten Gesten des guten Willens, um unser Gewissen zu beruhigen" gesehen werden, schärft der Papst ein. Zwar seien auch diese Taten wertvoll, eine Hilfe für konkrete Bedürfnisse und eine Rücksichtnahme auf das Unrecht, das der Armut oft zugrunde liegt. Letztendlich sei jedoch eine "neue Haltung des Teilens und der wirklichen Begegnung mit den Armen" nötig, die zum Lebensstil werden müsse, mahnt Franziskus. Demut und Wissen um eigene Fehler seien dabei wichtig, um nicht in Allmachtsphantasien zu verfallen.

Als Vorbild verweist der Papst auf seinen Namenspatron Franz von Assisi (1181/82-1226), der sich entschloss, mit den Armen zu leben. "Wenn wir also einen Beitrag leisten wollen, um die Geschichte wirksam zu verändern und wirkliche Entwicklung zu ermöglichen, dann müssen wir auf den Schrei der Armen hören und uns einsetzen, um sie aus der Ausgrenzung herauszuholen", betont Franziskus.

 

Arme als "Ressource" erkennen

Arme Menschen seien "kein Problem, sondern vielmehr eine Ressource, aus der wir schöpfen können, um das Wesen des Evangeliums in uns aufzunehmen und zu leben", so der Papst. Sie könnten auch zu Lehrmeistern für ein konsequenteres Leben des Glaubens werden: "Mit ihrem Vertrauen und der Bereitschaft Hilfe anzunehmen, zeigen sie uns auf nüchterne, aber oft frohe Weise, wie wichtig es ist, aus dem Wesentlichen zu leben und sich ganz der Vorsehung Gottes zu überlassen." Zugleich lade Armut ein, "aus unserer Sicherheit und Bequemlichkeit auszubrechen". Sie werde so zur "Herzenshaltung, die verhindert, dass wir Geld, Karriere und Luxus als Lebensziel und Grundvoraussetzungen des Glücks betrachten".

"Wenn wir wirklich Christus begegnen wollen, dann müssen wir seinen Leib auch im gemarterten Leib der Armen berühren", schreibt der Papst. Der Leib Christi in der Eucharistie lasse sich im Angesicht der schwächsten Brüder und Schwestern wiederfinden. Christen seien "gerufen, den Armen die Hand zu reichen, ihnen zu begegnen, in ihre Augen zu schauen, sie zu umarmen, sie die Wärme der Liebe spüren zu lassen, die den Teufelskreis der Einsamkeit zerbricht".

Auf die Armen verweise schließlich sogar das Vaterunser, das mit der Bitte um Brot "den Schrei derer aufnimmt, die unter ihrer mangelnden Existenzsicherung leiden und denen es am Lebensnotwendigen fehlt".

 

Caritas-Präsident "dankbar für klare Worte"

Der Sozialstaat österreichischer und europäischer Prägung muss immer wieder weiterentwickelt werden, um ihn "armutsfest und zukunftstauglich zu machen". Diese Folgerung hat Caritas-Präsident Michael Landau am Dienstag aus der am selben Tag veröffentlichten Papstbotschaft zum "Welttag der Armen" gezogen. Er sei "dankbar für die klaren Worte" von Franziskus, der darin u.a. den "unverschämten Reichtum einer Minderheit Privilegierter" kritisiert hatte, sagte er im Interview mit "Kathpress".

Die Kirche könne nicht schweigen, wenn Menschen durch Menschen Unrecht geschieht, würdigte Landau den kirchlicherseits neu eingeführten "Welttag der Armen", der heuer am 19. November 2017 erstmals begangen wird. Für die Caritas ergebe sich daraus zunächst ein praktischer Auftrag - nämlich Not zu sehen und "Hilfe von Angesicht zu Angesicht" zu leisten, sagte Landau.

Der Caritas-Präsident brach erneut eine Lanze für einen leistungsfähigen Sozialstaat als "wertvolle Errungenschaft"; das soziale Netz biete ein Stück Sicherheit und "institutionalisierte Solidarität".

erstellt von: red/kap
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Die Stationsgottesdienste der Fastenzeit – Eine alte römische Tradition lebt weiter

 

Der Petersplatz zu Weihnachten

Papst beginnt Weihnachtsfeiern mit Aufstoßen der Heiligen Pforte

Die Christmette am 24. Dezember ab 19 Uhr findet mit der Eröffnung des Heiligen Jahres und dem Aufstoßen der Heiligen Pforte durch den Papst statt. Traditioneller Segen "Urbi et orbi" am 25. Dezember um 12 Uhr.

Schlussgottesdienst Synode

Papst zum Abschluss der Weltsynode: Kirche muss aufstehen

Franziskus feiert Abschlussgottesdienst der Bischofssynode im Petersdom und beschwört missionarischen Aufbruch einer dienenden Kirche.

Long Exposition Shot of Via della Conciliazione in front of Piazza San pietro in the Centre of Rome at Sunset on Blurred Background

Katholische Kirche macht Weg für Reformen frei

Die größte Beratungsrunde der katholischen Kirche seit Jahrzehnten hat weitreichende Beschlüsse gefasst. Sie votierte für Öffnungen, für Dezentralisierung und für mehr Mitbestimmung der Basis, mit Zustimmung des Papstes.

Papst stellt sich hinter Synodenbeschlüsse

Papst Franziskus gibt die beschlossenen Vorschläge der Bischofssynode direkt frei und verzichtet auf ein nachsynodales Lehrschreiben.

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