Seine Freude ist es, Menschen auf Jesus, den Retter, hinweisen zu können.
Seine Freude ist es, Menschen auf Jesus, den Retter, hinweisen zu können.
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn
zum Evangelium am 3. Adventsonntag,
11. Dezember 2011 (Joh 1,6-8.19-28)
Es gibt Menschen, die von sich wegzeigen. Es sind Menschen, die an Johannes den Täufer erinnern. „Ich bin es nicht!“ – sagt er den Leuten, die ihn für den Messias, den Retter halten. Er zeigt von sich weg auf einen Anderen hin. Deshalb wird er gerne mit ausgestreckter Hand dargestellt, mit großem Zeigefinger, der auf Jesus hinweist. Seine Körperhaltung drückt seine Geisteshaltung aus: Er macht sich nicht selber zum Mittelpunkt. Seine Freude ist es, Menschen auf Jesus, den Retter, hinweisen zu können.
Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, Menschen auf sich hin zu sammeln. Denn sie kamen in hellen Scharen, um ihn zu hören und zu sehen. Die Begeisterung für ihn muss groß gewesen sein. Sein Ruf hatte sich im ganzen Land verbreitet. Seine Predigten zogen die Massen an. Er hatte sichtbar Erfolg. Die Menschen ließen sich von ihm taufen, versprachen, sich zu bekehren, ihr Leben zu ändern. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, eine Bewegung zu gründen und sich zu deren Haupt und Mittelpunkt zu machen.
Tatsächlich sammelten sich um ihn „Jünger“, Anhänger, die eine Art „Johannes-Gemeinschaft“ bildeten. Er war ihr Vorbild, ihr Lehrer, ihr Meister. Und doch wurde er nicht zum „Guru“, Zum Religionsstifter, zum Gründer einer Sekte, einer neuen Glaubensgemeinschaft.
„Ich bin es nicht!“ Nicht der Messias, nicht der erwartete Prophet. Was dann? Wie verstand er sich selber? Als Zeuge, als Stimme! Er hat nicht sich dazustellen, sondern einen Anderen vorzustellen. Er will Werkzeug sein, so wie die Stimme das Instrument ist, das Wort zu vermitteln. Am Deutlichsten hat Johannes der Täufer seine Haltung zum Ausdruck gebracht, als er einmal im Blick auf Jesus sagte: „Er muss wachsen, ich muss abnehmen“.
Der dritte Adventsonntag heißt nach dem ersten Wort der heutigen Liturgie „Gaudete“: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich. Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ Johannes der Täufer weist uns den Weg zu dieser Freude. Wer sich selber in den Mittelpunkt stellt, wird diese Freude nie erleben. Ist es nicht die Freude der Eltern, wenn ihre Kinder wachsen, gedeihen, wenn sie im Leben einen guten Weg gehen? Ist es nicht viel schöner, das Lob, das wir bekommen, mit anderen zu teilen? Niemand von uns schafft eine gute Leistung nur aus eigener Kraft. Immer gibt es andere, ohne die ich es nicht geschafft hätte! Ohne den Anderen, ohne Gott, der mir Leben, Kraft, Gesundheit und gute Menschen schenkt, könnte ich gar nichts zustande bringen.
Nun gibt es auch eine falsche Demut, die jegliches Lob von sich weist und die sich selber auf ungute Weise klein macht. Solche „Demut“ empfinden wir zu Recht als heuchlerisch. Es ist schon recht, ehrlich Lob auch anzunehmen. Darüber durften wir uns auch freuen und dafür einfach danke sagen. Aber gerade wenn wir Anerkennung dankbar annehmen sind wir uns bewusst, wie sehr wir selber all das, wofür wir gelobt werden, anderen verdanken.
„Ich bin es nicht!“ Von Johannes hat Jesus einmal gesagt, er sei „der Größte unter allen von der Frau geborenen.“ Die wahre Größe des Täufers war es, mit seinem ganzen Leben nicht auf sich selber bezogen zu sein, sondern auf Jesus zu verweisen. Seine Freude war es, wenn er Menschen helfen konnte, zum Glauben zu finden. Dieses Glück ist lernbar. Ich muss nur aufhören, der Mittelpunkt sein zu wollen.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias. Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?
Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.
Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?
Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.