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15.02.2018 · Glaube · Fastenzeit & Ostern

Nein! Es geht sicher nicht ums Hungern

„Beim Fasten geht es darum, nur das zu essen, was der Körper braucht.  Fasten ist eine bewusste Entscheidung und soll deshalb eine Freude sein. Es geht darum, den eigenen Lebensalltag zu überdenken und oft merkt man dabei, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Diese Woche sind wir in die Fastenzeit gestartet. Bis zu Ostern wird jetzt also gefastet. Doch: Warum machen wir das eigentlich? Und: Worum geht es in der Fastenzeit wirklich?

 

Das sind Fragen für Manuela Priester. Sie ist Fachreferentin im Liturgiereferat der Erzdiözese Wien und kennt somit die kirchlichen und theologischen Hintergründe des Fastens. Eines betont Manuela Priester dabei gleich zu Beginn: „Es geht in der Fastenzeit nicht darum, dass man sich oder anderen beweist, dass man es schafft, 40 Tage lang auf etwas zu verzichten.

 

Was wir umgangssprachlich als Fastenzeit bezeichnen, heißt in den kirchlichen Dokumenten eigentlich ‚Österliche Bußzeit‘. Das bringt viel besser zum Ausdruck, dass es hier definitiv nicht nur ums Fasten geht, sondern in erster Linie um eine Umkehr und um eine Neuausrichtung auf Gott.“


Klingt einleuchtend und spannend. Doch wie genau kann das gehen? Wie kann diese Neuausrichtung erfolgreich gelingen?

 

Manuela Priester: „In der Fastenzeit geht es darum, dass wir uns durch bewussten Verzicht auf weltliche Dinge, die uns im Alltag oft unnötig in Beschlag nehmen, neu auf Gott ausrichten.“

 

In der kirchlichen Tradition ist das in erster Linie ein religiös motivierter Nahrungsverzicht. Aber nicht so, dass man Hunger leiden muss. Fasten ist demnach nicht mit einer Diät zu verwechseln.

 

Wie geht es richtig?

„Beim Fasten geht es darum, nur das zu essen, was der Körper braucht. Aber das Ganze ohne Hunger zu leiden“, konkretisiert Manuela Priester. Traditionell sind das eine – im Normalfall warme – sättigende Mahlzeit am Tag; und zwei weitere kleine Zwischenmahlzeiten.


„Ja nicht krampfhaft hungern. Denn wenn man den ganzen Tag über Hunger hat und ständig ans Essen denkt, kann man nur schwer arbeiten, sich nicht konzentrieren und letztendlich auch nur schwer an seiner Gottesbeziehung arbeiten“, erklärt die Expertin weiter. Sie betont aber auch, dass das nicht als „Freibrief zum Völlern“ verstanden werden soll.

 

Kein Fasten an Sonntagen

Studien beweisen, dass es Menschen gibt, die 40 Tage durchgehend fasten – auch am Sonntag. Darf man das?

 

Manuela Priester: „Am Sonntag feiern wir die Auferstehung Christi. Das gesamte Jahr über, auch in der Fastenzeit. Deswegen sind die Sonntage keine Fasttage.“


Auch von zu extremen Formen des Fastens hält die Fachreferentin im Liturgiereferat wenig. In erster Linie aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aus der kirchlichen Fastentradition heraus, wie sie erklärt: „Von Extremen, wie zum Beispiel davon, 40 Tage überhaupt nichts zu essen, halte ich wenig.

 

Spätestens wenn man merkt, dass es einem schadet, den Körper angreift oder einen schwächt, hat das definitiv nichts mehr mit dem kirchlichen Sinn des Fastens zu tun.

 

Auch Selbstgeiselung ist zum Beispiel alles andere als kirchlich. Jesus selbst sagt uns in der Bibel, dass Fasten kein Zwang sein darf und dass man dabei ‚kein finsteres Gesicht wie die Heuchler‘ machen soll (Mt 6,16).  Sondern im Gegenteil: Fasten ist eine bewusste Entscheidung und soll deshalb eine Freude sein. Es geht darum, den eigenen Lebensalltag zu überdenken und oft merkt man dabei, worauf es im Leben wirklich ankommt.“

 

Geld sparen und den Armen geben

Ein zentrales Element neben Fasten, Beten und Bibellesen ist das Hinschauen auf die Armen.

 

In der Fastenzeit gilt es besonders hier den Fokus neu zu schärfen: „Ein Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Fastensuppen-Aktion“, erklärt Manuela Priester: „Hier schenken viele Pfarren Suppen aus und mit dem Reinerlös werden verschiedene karitative Projekte unterstützt.“

 

Darüber hinaus ist persönliches Engegement gefragt: „Fasten ermöglicht Teilen – mit denen, die es notwendig haben. So kann man das Geld, das man während der gesamten Fastenzeit durch Einschränkung spart, den Armen geben.“

 

Alles, was schwimmt, ist ein Fisch

Zum Abschluss erzählt Manuela Priester noch ein paar Anekdoten zum Thema Fasten. Offensichtlich waren Christen immer schon recht kreativ, wenn es um das Umgehen der Fastenregeln geht. „Da hieß es zum Beispiel Jahrhunderte lang: ‚Alles, was im Wasser schwimmt, ist ein Fisch‘. Also zum Beispiel auch Biber und Otter“, verrät die Expertin schmunzelnd. „Und auch als der Kakao zu uns kam, war die erste Frage an Papst Pius V., ob dieses neue Nahrungsmittel vom Fastengebot ausgenommen sei.

 

Der Papst hat daraufhin ein Kakaogetränk gekostet, das in seiner ursprünglichen Form sehr bitter war. Das hat ihm wohl so schlecht geschmeckt, dass er den Kakao vom Fastengebot ausgenommen hat. Wahrscheinlich in der Meinung, dass eine solche Brühe niemand freiwillig trinken wird“, erzählt Manuela Priester weiter.

 

Kurz darauf ist man in den Klöstern dann draufgekommen, dass man mit Zucker, Milch und Butter aus Kakao ein durchaus wohlschmeckendes Getränk und auch Schokolade herstellen kann. Trotzdem: Der Papst hat gesprochen und Schokolade blieb vom Fastengebot ausgenommen.      

erstellt von: Der SONNTAG / Michael Ausserer
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Weitere Informationen:

zur Person

Mag. Manuela Priester

ist Fachreferentin im Liturgiereferat der Erzdiözese Wien


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Mit Pater Karl Wallner durch die Fastenzeit

Fastentipps von Pater Karl Wallner


Fastenrezepte

Mit 40 Rezepten durch die Fastenzeit

 


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An zwei Sonntagen nach der Messe waren viele helfende Hände damit beschäftigt Wollfäden zu sortieren, zu vermessen, aufzuknüpfen, abzuwickeln und so das Fastentuch in Inzersdorf entstehen zu lassen.

Fastenzeit und Ostern

Familienverband lädt zur achtsamen Fastenzeit

Katholischer Familienverband Österreich motiviert mittels App "Gutes Leben" und "Boomerang" sowie Aktionen zu Auszeiten vom stressigen Alltag.

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

Das Heilige Jahr steht im Zeichen der Hoffnung. Die Texte des Kreuzwegs sind bewusst kurz gehalten. Eine längere Zeit der Stille zwischen den Stationen hilft, die Texte und Bilder nachklingen zu lassen.

The picture contains a platter of colorful fruits, kitchen utensils like blender, cutlery, bowls, knives, cutting board and pans.

Fastenzeit: Orden laden Interessierte zum "Innehalten und Aufbrechen"

Von Gemüse-Sushi-Fasten bis klösterliche Fastenwochen, stille Exerzitien und biblische Besinnungstage - wie Ordensgemeinschaften Menschen auf dem Weg zu innerer Einkehr und Erneuerung begleiten.

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Der Steyler Fastenkalender 2025 lädt ein, in der Fastenzeit Körper, Geist und Seele wachsen zu lassen. Mit dem Spendenerlös wird ein Baumpflanzprojekt in Togo unterstützt.

Grass blossom in the morning

Dominikaner laden zur Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr“ ein

In der Fastenzeit dieses Jahres, das die Kirche als Jubel- oder auch „heiliges“ Jahr begeht, laden die Dominikaner an fünf Abenden, zu der Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr - Ökologische Gerechtigkeit als biblisches Anliegen“ ein.

San Giorgio in Velabro: Eine Kirche zwischen Legenden und Geschichte

Der zweite Tag der Fastenzeit beginnt in Rom in San Giorgio in Velabro, einer mittelalterlichen Kirche am Fuße des Palatin. Sie erzählt eine Geschichte, die tief in die Mythen und Traditionen Roms eingebettet ist. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.

Die Stationsgottesdienste der Fastenzeit – Eine alte römische Tradition lebt weiter

 

Einzug in den Stephansdom

Feierliche Gottesdienste in der Karwoche und zu Ostern in der Wiener Innenstadt

Die Gottesdienste der drei österlichen Tage am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, auch „Triduum paschale“ genannt, bilden den Höhepunkt des Kirchenjahres.

Kreuzweg für queere Menschen und ihre Unterstützenden: „Wounds of Love“

Die Meditation des Kreuzweges Jesu zu seiner Hinrichtungsstätte auf dem Berg Golgotha gehört zu den klassischen kirchlichen Gebetsandachten in der vorösterlichen Fastenzeit. In der Pfarre Breitenfeld wird am Montag, 11. März, ein besonderer Kreuzweg angeboten, der die Erfahrungen queerer Menschen und deren Unterstützer:innen (Allies) thematisiert.

Geige

Wiener Hofmusikkapelle: Musik und Literatur in der Mittagspause

Auch Messen und Benefizkonzerte beim Festival "Übergänge" von 24. bis 31. März.

Kreuz und Dornenkrone

Fastenzeit: "Akademie am Dom" mit Schwerpunkt zu Gott und Leid

Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung lädt zu verschiedenen Vorträgen und Diskussionen rund um das Thema Leid. Noch bis Juni Ausstellung von Fotos des Innsbrucker Bischofs Glettler in Räumen der "Theologischen Kurse".

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