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05.05.2014

Theologe Halik: Hoffnung nicht mit Optimismus verwechseln

Tomas Halik zählt zu den bekanntesten katholischen Intellektuellen in Mittel- und Osteuropa.  Er ist Träger zahlreiche Auszeichnungen, unter anderen wurde er mit dem Kardinal-König-Preis 2003 gewürdigt. Am 14. Mai erhält Halik in London den diesjährigen Templeton-Preis.

Tschechischer Religionsphilosoph sprach beim Jubiläumssymposion "25 Jahre Pastorales Forum" in Wien. Kardinal Schönborn würdigt Arbeit des "Pastoralen Forums".

Für ein offenes Christentum hat der tschechische Religionsphilosoph, Soziologe und Priester Tomas Halik plädiert. Zugleich bedauerte er bei einem Vortrag am Samstag, 31. Mai 2014, in Wien, dass zu viele Menschen in der heutigen Zeit das göttliche Prinzip der Hoffnung verloren und durch einen undifferenzierten Optimismus ersetzt hätten. Optimismus wie auch Pessimismus dürften nicht an die Stelle der Hoffnung treten, da sie den Menschen lediglich "innerweltliche" Wertekonzepte aufzeigten. Hoffen bedeute aber nicht Undifferenziertheit, unterstrich Halik; stattdessen brauche der Glaube, damit er lebendig bleibt, den Zweifel als ständiges Korrektiv.

 

Tomas Halik sprach im Rahmen des Festsymposiums zum 25-Jahr-Jubiläum des Wiener "Pastoralen Forums" im Kardinal-König-Haus. Titel seiner Rede war: "Hoffnung im postoptimistischen Zeitalter". Dabei verglich er Gott mit der Zukunft, denn über beide wisse man so gut wie nichts, hege aber trotzdem eine große Hoffnung danach. "Gott gibt es bereits auf die Weise wie es unsere Zukunft schon gibt. Wir sehen sie nicht, wir kennen sie nicht - trotzdem sind wir existenziell auf sie angewiesen. Ohne Zukunft zu sein, bedeutet eigentlich nicht mehr zu sein, tot zu sein", sagte Halik. Die "Biosphäre Gottes" übersteige alle Dimensionen der Zeit und sei für die Menschen "vor allem als Zukunft, als Möglichkeit, als Zusage, als Hoffnung gegenwärtig", so Halik: "Gott und seine Ewigkeit sind hier noch nicht in jener Fülle und Deutlichkeit offenbar, die jeden dazu zwingen würde Gott anzuerkennen und zu respektieren."

 

Reiner Optimismus ist naiv

Glaube und Hoffnung gingen daher immer Hand in Hand, betonte der Religionsphilosoph. Die Hoffnung sei der "Schlüssel zur Tür des Geheimnisses des Glaubens"; viel zu viele Menschen hätten diesen Schlüssel im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch zu benutzen verlernt.

Nicht verwechseln dürfe man hingegen den Begriff der Hoffnung mit dem des Optimismus. Optimisten seien diejenigen, die es nicht besser wüssten, und naiv davon ausgingen, dass "alles schon gutgehen würde". Das Prinzip der Hoffnung hingegen gehe von einer viel komplexeren Weltordnung aus, betonte Halik. Die Hoffnung verspreche im Gegensatz zum Optimismus keinen unbedingten Erfolg, lasse aber dafür den Hoffenden niemals allein.

 

Halik zählt zu den bekanntesten katholischen Intellektuellen in Mittel- und Osteuropa. Er lehrt an der Prager Karls-Universität Soziologie und genießt in der vom Atheismus geprägten tschechischen Gesellschaft hohes Ansehen. Er ist Träger zahlreiche Auszeichnungen, unter anderen wurde er mit dem Kardinal-König-Preis 2003 gewürdigt. Am 14. Mai erhält Halik in London den diesjährigen Templeton-Preis.

 

Kardinal Schönborn würdigt "Pastorales Forum"

Als "Wegbereiter eines zusammenwachsenden Europas" hat Kardinal Christoph Schönborn das seit 25 Jahren bestehende Wiener "Pastorale Forum" gewürdigt. Man dürfe niemals vergessen, dass das geeinte Europa von heute keine Selbstverständlichkeit sei, sagte Schönborn am Freitagabend zum Auftakt des Jubiläumssymposions. Der Kardinal verwies dabei auf das große Engagement des Vereins, der unter der Ägide des Pastoraltheologen Paul Zulehner seit 1989 mehr als 100 Nachwuchstheologen aus dem ehemaligen Ostblock mit Stipendien und wissenschaftlichen Kontakten unterstützt hat.

 

Entstanden ist das Forum auf Anregung von Kardinal Franz König (1905-2004). Dieser riet 1984 dem neu an die Universität Wien berufenen Zulehner, sich in seiner Forschung besonders mit den Ländern Ost- und Mitteleuropas auseinanderzusetzen. Was noch zur Zeit des "Eisernen Vorhangs" mit Studienreisen und dem Aufbau von Kontakten begann, setzte sich nach 1989 mit der Gründung des Vereins "Pastorales Forum" fort.

 

Zulehner: "Wir fördern nicht Steine, sondern Beine"

Das Forum sei von Anfang an "mittendrin" gewesen in den osteuropäischen Revolutionen, betonte Zulehner beim Jubiläumsfestakt. Auf Basis dieser "Erfahrung aus erster Hand" habe man sich auch direkt in den kirchenpolitischen Diskurs einbringen können. Nach der Wende sei dann der Beschluss gefasst worden, Stipendien an junge Theologen zu vergeben. "Andere Hilfswerke restaurieren Bibliotheken oder renovieren Kirchen", schilderte der mittlerweile emeritierte Pastoraltheologe: "Wir haben gesagt: Wir fördern nicht Steine, sondern Beine."

 

Schwerpunkt des Vereins ist ein Postgraduiertenprogramm mit dem Studierende bei ihrer Dissertation oder Habilitation unterstützt werden. Die Stipendiaten kommen dazu zum Studium nach Wien, verpflichten sich aber, anschließend wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren, um dort am Aufbau und an der Weiterentwicklung ihrer Kirche mitzuwirken. Profitiert haben davon in den vergangenen 25 Jahren Laien und Geistliche aus vielen verschiedenen Ländern und Konfessionen.

 

Außerdem ist das "Pastorale Forum" auch Basis eines Netzwerks von Pastoraltheologen aus den verschiedenen Ländern, die gemeinsam die pastoralen Erfahrungen der Kirche in den osteuropäischen Ländern im Kommunismus und danach wissenschaftlich aufarbeiten. Die Ergebnisse wurden bisher 1997 und 2007 unter dem Titel "Aufbruch" veröffentlicht. Die Erinnerung an das Unrecht "was die Christen dort erlebt haben, was die Menschen dort erlebt und gelitten haben", sei ein großer Verdienst des "Pastoralen Forums", betonte Kardinal Schönborn mit Blick auf dieses große Projekt.

 

Erhard Busek: Zusammenwachsen Europas

Auch der frühere österreichische Vizekanzler Erhard Busek unterstrich bei der Jubiläumsfeier die wichtige Rolle des "Pastoralen Forum" im Zusammenwachsen Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und bei der "Wiedergewinnung der Möglichkeit Europa zu gestalten". Es seien nicht nur die Politiker gewesen, die für das Ende der Teilung Europas verantwortlich waren, sondern vielmehr auch "das Wirken verschiedenster Kräfte der zivilen Gesellschaft, zu der die Kirchen der verschiedensten Konfessionen unendlich dazu gehört haben", sagte Busek, der heute Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa ist.

 

Zu dem zweitägigen Jubiläumssymposion sind zahlreiche ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten des Forums nach Wien gekommen. Für Samstagvormittag war ein Vortrag des tschechischen Religionsphilosophen Tomas Halik und ein Gottesdienst mit dem früheren Prager Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk vorgesehen.

erstellt von: KAP (5.5.2014)
05.05.2014
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Website Pastorales Forum

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