Blick auf die Geburtskirche Jesu in Bethlehem.
Blick auf die Geburtskirche Jesu in Bethlehem.
Sorge über israelische Pläne zur Umsiedlung der Einwohner Jabal al-Babas zugunsten eines Siedlungsbaus.
Bethlehem erwartet für den Heiligen Abend rund 10.000 Besucher. Tourismusministerin Rula Ma'aya sagte am Donnerstag, 21. Dezember 2017 gegenüber der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA, für den 24. Dezember sei ein Ansturm in der 30.000-Einwohner-Stadt zu erwarten, und auch alle Hotels in der Geburtsstadt Jesu seien bereits ausgebucht. Vom Nachmittag des 24. Dezember bis zum frühen Christtag-Morgen sollen im Halbstundentakt Shuttle-Busse zwischen der Jerusalemer Altstadt und dem Checkpoint nach Bethlehem verkehren.
Trotz der schwierigen politischen Lage halte der Besucherstrom in Bethlehem an, so die Ministerin. Auch insgesamt sei Palästina ein Land mit stark wachsendem Tourismussektor. So haben laut Ma'aya 2017 mehr als 2,7 Millionen Menschen die Palästinensergebiete besucht. Damit sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 400.000 Besucher gestiegen. Rund 1,2 Millionen Besucher verbrachten den Angaben zufolge mindestens eine Nacht in Bethlehem.
Die Kirchenführer Palästinas - u.a. der orthodoxe Erzbischof Atalla Hanna und Vikar Jamal Khader vom Lateinischen Patriarchat - nahmen am Dienstagabend in Jabal al-Baba an einer Feier zur Christbaum-Illumination teil. In den Ansprachen wurde sowohl scharfe Kritik an den israelischen Siedlungsbau-Plänen als auch an US-Präsident Donald Trumps Jerusalem-Entscheidung geübt, wie die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA am Donnerstag berichtete.
Israelische Pläne sehen eine Umsiedlung der Einwohner Jabal al-Babas zugunsten eines Siedlungsbaus vor. In der östlich von Jerusalem gelegene Beduinengemeinde leben aktuell 320 Palästinenser.
Unterdessen will die UN-Vollversammlung am Donnerstag über eine Resolution abstimmen, die die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen, kritisiert. In der Vollversammlung hat jedes Mitglied der Vereinten Nationen eine Stimme, es gibt kein Vetorecht wie im Sicherheitsrat. Daher gilt eine Annahme der Resolution im Fall einer Abstimmung als wahrscheinlich. Sie wäre allerdings nicht völkerrechtlich bindend.
Am Mittwoch drohte US-Präsident Trump, dass Befürwortern Hilfsgelder gestrichenen würden. "Sollen sie gegen uns stimmen, dann sparen wir eine Menge", sagte Trump bei einer Pressekonferenz unter Verweis auf Hilfszahlungen der USA in Millionenhöhe. Der palästinensische Außenminister Riad Malki kritisierte Trumps Äußerungen laut Medienberichten als Einschüchterungsversuche. Die Drohungen der USA seien ein gravierender Fehler.
Bereits am Montag hatte sich der Sicherheitsrat mit einer vergleichbaren Resolution befasst. 14 der 15 Mitglieder stimmten für den von Ägypten eingereichten Entwurf, die USA legten jedoch ihr Veto ein. Am Dienstag stimmten in der UN-Vollversammlung 176 der 193 Mitgliedsstaaten für ein palästinensisches Recht auf Selbstbestimmung. In einer weiteren Abstimmung von Mittwoch sprachen sich 163 Mitgliedsstaaten für eine Resolution aus, die die Nutzung der natürlichen Ressourcen in den Palästinensergebieten und in Ostjerusalem durch Israel kritisiert.
Der Vatikan hat für Jerusalem erneut eine internationale Friedenslösung vorgeschlagen. Nötig sei ein weltweit anerkannter Sonderstatus als "offene Stadt", der allen Religionsfreiheit gewähre und Sicherheit und freien Zugang für Pilger zu heiligen Orten ermögliche, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag, 21. Dezember 2017. Der Heilige Stuhl halte an seinem Vorschlag fest, auch wenn es angesichts der aktuellen Lage "nun objektiv schwieriger geworden ist, diesen Weg zu gehen", so Parolin. Die Stadt sei für Juden, Muslime und Christen einzigartig und heilig.
Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, sei von einigen als Maßnahme interpretiert worden, um Bewegung in die stockenden Friedensbemühungen zu bringen. Er selbst habe jedoch Zweifel, ob Trumps Entscheidung in diese Richtung gehe: "Die einzige Lösung ist ein direkter Dialog zwischen beiden Seiten um gemeinsam basierend auf den bereits existierenden Vorschlägen eine Einigung zu finden", so Parolin. Einseitig getroffene Entscheidungen seien nicht hilfreich auf dem Weg zu Frieden.
Papst Franziskus und Parolin hatten am Dienstag mit Jordaniens König Abdullah II. über die Lage in Jerusalem gesprochen. Auf die Frage, ob der Vatikan eventuell vermitteln könne, sagte Parolin, ob es diese Möglichkeit gebe, hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab. Die Kirche sei jedoch immer gerufen, sich gemäß dem Evangelium für Frieden, Brüderlichkeit und Solidarität einzusetzen.