Der Shabat, das Herzstück jüdischen Gottesdienstes
Der Shabat, das Herzstück jüdischen Gottesdienstes
Randvoll war der Stephanisaal im Wiener Curhaus vergangenen Samstag, 12. Oktober, als die Wiener Künstlerin Timna Brauer im Dialog mit Konstantin Reymaier, Leiter des Referats für Kirchenmusik, und Mirjam Schmidt, Direktorin des Konservatoriums für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien, die Bedeutung und Feier des zentralen jüdischen Festtags, des wöchentlichen Shabats, darstellte.
In den letzten Jahrzehnten wächst unter den Christen zunehmend das Bewusstsein und das Interesse für die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens. Das zweite Vatikanische Konzil mit seiner Erklärung „Nostra Aetate“ hat eine historische Wende im fast zwei Jahrtausende lang belasteten Verhältnis zwischen Juden und Christen in Gang gebracht.
Die Liturgiereform im Zuge des Konzils hat eine größere Vertrautheit mit den Texten des Alten Testaments hervorgebracht und die Psalmen sind, seit die Liturgie in der Muttersprache gefeiert wird, für immer mehr Christen Grundlage ihres täglichen Gebetes. So ist es auch naheliegend, sich mit Liturgie und Gebet des Judentums zu beschäftigen, die bei aller historischen Entwicklung in ihrem Grundbestand Gebet und Liturgie Jesu und der ersten Christen sind.
Die Wurzeln christlicher Liturgie
Ihr Herzstück ist die wöchentliche Feier des Shabat, der mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend beginnt und mit dem Sonnenuntergang am Samstagabend endet. Dieses biblische Verständnis von Zeit hat sich zumindest grundsätzlich in der christlichen Liturgie erhalten. Auch in ihr beginnt der liturgische Sonn- und Feiertag am Vorabend.
Mirjam Schmidt, Leiterin des Konservatoriums für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien bestätigte im Interview, dass auch sie in der Beschäftigung mit der Kirchenmusik, vor allem mit dem gregorianischen Choral, zunehmend auf deren Wurzeln in der musikalischen Tradition der Synagoge und der Tempelmusik gestoßen sei. Das Programm der Veranstaltung hat sie gemeinsam mit Timna Brauer und Konstantin Reymaier fast über ein Jahr lang vorbereitet.
Der Shabat- Christen erklärt
Timna Brauer und Konstantin Reymaier führten dann auch gemeinsam durch die wichtigen Momente des Shabat, seine Riten und Gebete, die sowohl in der Synagoge als auch innerhalb der Familie vollzogen werden.
Natürlich nahm das reiche musikalische Erbe zum Shabbat eine zentrale Rolle ein, darüber hinaus aber kamen auch die biblische und theologische Bedeutung nicht zu kurz. Konstantin Reymaier betonte, dass Veranstaltungen wie diese dazu dienen sollten, den „inneren Zugang zur Hl. Schrift von der jüdischen Tradition“ zu lernen. In ihr gehe es darum, „sich mit einer großen Liebe zum Detail unter das Bibelwort zu stellen, sich nicht von oben her dem biblischen Wort zu nähern und vor allem davon zu lernen.“
Religion verbindet
Elias Meiri, der Timna Brauer auf dem Klavier begleitete, zeigte sich sehr angetan von der guten Stimmung und meinte, es sei „höchste Zeit für diese Veranstaltung gewesen.“ Ein Ziel davon sei es zu vermitteln, „dass es Aufgabe der Religionen sei, das Verbindende aufzuzeigen.“
Nicht zuletzt die aus verschiedenen Traditionen vorgetragenen musikalischen Darbietungen von Brauer & Ensemble sorgten für eine ebenso schwungvolle wie inspirierende Tagung, die, um noch einmal Elias Meiri zu zitieren, „dazu beigetragen hat, dass Religionen vor allem Menschen zusammenführen und nicht trennen.“