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24.10.2023 · Kardinal · Weltkirche

Schönborn: Mehr Synodalität nicht nur für Kirche wünschenswert

Durch Synodalität - mit gegenseitigem Zuhören, Nachdenken in Stille und Austausch - werde diese Gemeinschaft praktiziert. Sehr positive Erfahrungen habe er mit der Methodik auch bereits bei den Diözesanversammlungen in der Erzdiözese Wien gemacht, so Kardinal Schönborn.

Kardinal bei lobt bei Pressekonferenz im Vatikan die Arbeitsmethode der Synode. Einander-Zuhören im UN-Sicherheitsrat würde zu mehr Frieden beitragen. "Brief an Volk Gottes" für Mittwoch angekündigt, Schlussdokument für Samstag, 28. Oktober 2023.

Kardinal Christoph Schönborn hat die Arbeitsweise der Weltsynode im Vatikan gelobt. Die Methode der Synodalität sei "eindeutig richtig und notwendig", sagte der Erzbischof am Montag, 23. Oktober 2023, bei einer Pressekonferenz im Vatikan. Bei der Versammlung stehe das Zuhören an erster Stelle, zudem gehe es um ein gemeinsames Unterscheiden. Dieses Vorgehen verändere die Situation tiefgreifend.

 

Er habe vor Kurzem mit dem US-amerikanischen Ökonomen und Politikberater Jeffrey Sachs über die Synode gesprochen, erzählte Schönborn weiter. Dieser habe gesagt, auch der UN-Sicherheitsrat sollte nach Art und Weise der Synodalität arbeiten. Dann gäbe es auf der Welt vielleicht etwas mehr Frieden. Im Sicherheitsrat würde niemand wirklich zuhören, kritisierte Schönborn. Die dortigen Vertreter würden die Vorgaben ihrer Regierungen vortragen, ohne wirklich in Austausch miteinander zu treten.

 

Der 78-jährige Schönborn hat bereits an acht Bischofssynoden teilgenommen, das erste Mal 1985. Bei der aktuellen Weltsynode im Vatikan ist er stimmberechtigtes Mitglied im Synodenrat - eine Art Ältestenrat. Die Arbeitsmethode dieser Versammlung sei "die beste, die ich je erlebt habe", sagte der Kardinal. Synodalität sei für ihn der Weg, um Gemeinschaft zu leben. "Kirche ist schließlich Gemeinschaft - eine Glaubensgemeinschaft, Gemeinschaft mit Gott und unter den Gläubigen", so Schönborn.

 

Durch Synodalität - mit gegenseitigem Zuhören, Nachdenken in Stille und Austausch - werde diese Gemeinschaft praktiziert. Sehr positive Erfahrungen habe er mit der Methodik auch bereits bei den Diözesanversammlungen in der Erzdiözese Wien gemacht.

 

Schönborn erinnerte in diesem Zusammenhang an das Zweite Vatikanische Konzil (1962 -1965) und die Konstitution "Lumen gentium" über ein neues Selbstverständnis der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Am Ende des II. Vatikanums sei er ein 20-jähriger Theologiestudent gewesen, erzählte Schönborn weiter. Der Theologe Karl Rahner habe damals gesagt, das ganze Konzil sei vergebens, wenn daraus nicht ein Mehr an Glaube, Hoffnung und Barmherzigkeit hervorgehe. "Ich würde das gleiche für diese Synode sagen", so Schönborn.

 

Kirche in Europa braucht mehr Synodalität

Umgekehrt mache sich das Fehlen von Synodalität bemerkbar, wie etwa in der mangelnden Zusammenarbeit der katholischen Bischöfe auf europäischer Ebene. Der Rat der europäischen Bischofskonferenzen CCEE habe es nicht geschafft, dasselbe Potenzial zu entwickeln wie die kontinentalen Bischofsräte in Asien oder Lateinamerika, bedauerte Schönborn. "Wir sind ein bisschen hinten dran geblieben in der gelebten Synodalität zwischen den lokalen Kirchen in Europa. Ich denke, wir brauchen eine Anregung, um noch weiter zu gehen."

 

So hätten es die Bischofskonferenzen in Europa beispielsweise bis heute nicht geschafft, ein gemeinsames Wort über das Drama von Migration und Flucht zu formulieren, kritisierte Schönborn. Das sei traurig, zumal auch die Politik zu einer gemeinsamen Stellungnahme nicht fähig sei.

 

Laien-Einbindung "sehr gute Erfahrung"

Die Befürchtung, dass die Einbeziehung stimmberechtigter Laien die Synode als Institution schwäche, wies Schönborn zurück. Er sehe das Problem nicht, handle es sich doch um eine "Bischofssynode mit echter Teilhabe, aber auch von Nicht-Bischöfen". Die Synode sei ein beratendes Organ für die Ausübung des päpstlichen Amtes. Es habe seine Natur "nicht verändert, sondern wurde erweitert", was eine "sehr gute Erfahrung" sei. Bei früheren Bischofssynoden hätten einige Laien Interventionen gehalten, die für die Beratungen von hoher Bedeutung waren. Nun gebe es eine "nähere Verbindung".

 

Nur Papst entscheidet über Lehre

Auf Anfrage eines Journalisten erklärte Schönborn, dass eine etwaige Änderung der offiziellen Kirchenlehre über gelebte Homosexualität allein Sache des Papstes wäre. Bisher habe es erst eine Änderung am gültigen Katechismus von 1992 gegeben. Papst Franziskus habe 2018 die Ächtung der Todesstrafe in das Lehrbuch der katholischen Kirche eingefügt. Ob es weitere Änderungen geben werde, hänge allein am Papst, der den Katechismus verkünde und in Kraft setze, so der Kardinal, der vor mehr als 30 Jahren an der Formulierung des geltenden Katechismus beteiligt war.

 

Zum Thema Homosexualität und Sünde wies Schönborn darauf hin, dass Franziskus oft von der Frage der Schuldfähigkeit des einzelnen Menschen spreche. Es gebe eine Kluft zwischen der vorgegebenen objektiven Ordnung und der subjektiven Ebene des einzelnen Menschen, der immer sündig sei. Die Kirche müsse jeden Menschen mit seiner Begrenztheit und seiner Geschichte respektieren und begleiten.

 

Bei der im Vatikan tagenden Weltsynode war wiederholt darüber gesprochen worden, wie die katholische Kirche künftig mit Menschen umgehen soll, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben. Mehrere Synodale hatten in diesem Punkt eine Änderung gefordert.

 

Auf die Frage, welche Rolle die Theologie und das Denken der Gläubigen bei der Entwicklung der kirchlichen Lehre spiele, betonte Schönborn, die Lehre der Kirche sei unveränderlich. Aber es gebe eine Entwicklung und Vertiefung im Verständnis und in der Darstellung des Glaubens.

 

Mexikanischer Kardinal: Beratungen auch in Diözesen

Neben Schönborn beantwortete u.a. auch der mexikanische Kardinal Carlos Aguiar Retes die Fragen der Medienvertreter. Wie er betonte, müsse die Kirche ihre Basis stärker beteiligen - oder sie drohe in kleine Gruppen zu zerfallen. Die Kirche müsse es zustande bringen, die Getauften jenseits der Kleriker und Ordensleute in die Verkündigung einzubinden.

 

Auch müsse es auf Diözesanebene mehr synodale Prozesse des Zuhörens und der Beratung geben. "Wenn wir das machen, werden wir es schaffen, wenn nicht, werden wir in kleine Gruppen zerfallen, so wie dies schon an einigen Orten geschieht, die ich jetzt nicht namentlich nennen will", so der Erzbischof. Retes war von 2011 bis 2015 Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Seit 2018 leitet er die Erzdiözese Mexiko-Stadt, die mit über 4,2 Millionen Katholiken zu den größten Diözesen weltweit zählt.

 

"Brief an das Volk Gottes" am Mittwoch

Der Brief an das Volk Gottes, den die Synodalen erarbeitet haben, wird am Mittwoch approbiert und veröffentlicht, sagte der vatikanische Medienpräfekt Paolo Ruffini. Das Dokument sei am Montagmorgen verlesen und mit Applaus aufgenommen worden. Bis Montagabend war es den Synodalen möglich, noch Änderungswünsche einbringen.

 

Am Samstagabend will der Vatikan das Schlussdokument der diesjährigen Synodensitzung vorstellen, das einen Zwischenstand abbildet. Der Erzbischof von Marseille, Jean-Marc Aveline, sprach von einer "entscheidenden Woche" bis dahin. Unter anderen müsse man sich über die Punkte verständigen, die offen bleiben und vor der Sitzung von 2024 noch mehr Vertiefung brauchen.

 

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erstellt von: red/kathpress
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