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28.09.2017 · Glaube · Firmung

Sollen wir in Zukunft nur mehr Erwachsene firmen?

Grundsätzlich müssen in der Erzdiözese Wien die Firmkandidaten im Jahr der Firmung das 14. Lebensjahr vollenden.

In Österreich, Deutschland und in der Schweiz wird gerade teilweise sehr kontrovers über das Sakrament der Firmung diskutiert. Sollen Schüler im Alter von 12 oder 14 Jahren gefirmt werden? Oder sollen wir in Zukunft nur mehr Erwachsene firmen? Erste Diözesen schlagen neue Wege ein.

Vor ein paar Tagen hat eine Nachricht richtig viel Aufmerksamkeit erzeugt und in Südtirol, Österreich, Schweiz und in Deutschland eine rege Diskussion um das Sakrament der Firmung ausgelöst: Ivo Muser, der Bischof der Südtiroler Diözese Bozen-Brixen hat angekündigt, dass es in den Jahren 2020 und 2021 - also zwei Jahre lang - keine Firmungen von Jugendlichen mehr geben wird.

 

 

Bischof Muser möchte bei der Firmung "keinen Automatismus von ganzen Schulklassen mehr", wie er sagt. Sondern die neue Regelung sieht vor, dass sich die Jugendlichen künftig inhaltlich stärker mit dem Sakrament beschäftigen und sich in den Pfarren mindestens ein Jahr lang auf die Firmung vorbereiten. Damit soll die Firmung wieder stärker eine aktive und bewusste Entscheidung von den Jugendlichen und somit eine "Bekräftigung des Glaubens" sein, wie der Südtiroler Generalvikar Eugen Runggaldier im Interview mit dem SONNTAG sagt.

 

"Bereits seit längerer Zeit gibt es in der Diözese Bozen-Brixen ein Unbehagen bezüglich der derzeitigen Firmpraxis. Daher hat sich auch die Diözesansynode in den Jahren 2013 bis 2015 eingehend mit dem Thema der Sakramentenpastoral allgemein und der Firmung im Speziellen beschäftigt. Es wird in Zukunft nicht mehr ausschlaggebend sein, welche Schulstufe jemand besucht, sondern ob sich jemand bewusst für die Firmvorbereitung meldet oder nicht. Die Vorbereitung selber wird mindestens ein Jahr dauern und wird inhaltlich und methodisch intensiviert. Dadurch erhöht sich von selbst das Firmalter, das derzeit bei durchschnittlich 12 Jahren liegt. Die Synode selber hatte den Beschluss gefasst, dass 18+ als Richtalter für die Firmung ideal wäre", konkretisiert Runggaldier.

 

Keine Jugendlichen mehr bei der Firmung?

Firmung für 12- oder 14-jährige Schüler dürfte somit in Südtirol bald der Vergangenheit angehören bzw. es könnten bald überhaupt nur noch Erwachsene gefirmt werden. Einen ähnlichen Weg schlägt seit längerem auch die Diözese Feldkirch ein. Auch sie beabsichtigt, das Firmalter von derzeit mindestens zwölf - auf 17 Jahre anzuheben. In 14 Vorarlberger Pfarren ist das entsprechende Konzept "Firmung 17+" bereits eingeführt worden, wie Pastoralamtsleiter Martin Fenkart betont. "Mit älteren Jugendlichen ist eine reifere Auseinandersetzung mit dem Glauben auf Augenhöhe und freie Meinungsbildung möglich, und wir können die jungen Menschen in einer wichtigen Lebensphase begleiten", erklärte der Pastoralamtsleiter. In spätestens zehn Jahren soll die Anhebung des Firmalters  in allen Pfarren der Diözese Feldkirch umgesetzt sein.

 

Weniger Firmlinge durch die Verschiebung des Firmalters?
Die Frage, die sich in Bezug auf die Verschiebung des Firmalters in das Erwachsenenalter hinein – oder zumindest an das Erwachsenenalter heran – stellt, ist, ob sich die Zahl der Firmlinge dadurch verringert?
Tatsächlich zeigen erste Erfahrungswerte aus Vorarlberg, dass sich durch die Verschiebung "nur mehr" 55 Prozent der 17-Jährigen bewusst für eine Firmung entscheiden. Knapp 45 Prozent der Jugendlichen hingegen scheinen auf die Einladungen der Pfarren nicht zu reagieren. Vom Experten Johann Pock, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien, kommt die Erklärung: "Die Festlegung des Firmalters bei etwa 14 Jahren hat nicht zuletzt den Grund darin, einen Jahrgang noch möglichst vollzählig erreichen zu können. Dies wird nach Beendigung der Schulpflicht schwieriger." Sein Vorgänger am Lehrstuhl für Pastoraltheologie, Paul M. Zulehner, sagt: "Die Kirche hat in unserem traditionell katholischen Land zwei Möglichkeiten: Sie hält den Anteil der nominellen Katholiken hoch und nimmt in Kauf, dass nicht wenige von diesen eine Art ‚Kulturchristen‘ bleiben. Oder sie wagt einen Schritt in Richtung mehr Entschiedenheit ihrer Mitglieder. Dann braucht es eine Begegnung mit den Heranwachsenden in einer Zeit, in der eine ansatzweise ernsthafte erwachsene Entscheidung möglich ist." Beide Pastoraltheologen erklären, dass es kein ideales Firmalter geben kann. Die Biographien der Jugendlichen sind viel zu verschieden. "Gerade die Jugendforschung zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen 'Jugendphasen' verlaufen können", sagt Johann Pock.


Wir wollen vom Generalvikar der Diözese Bozen-Brixen, Eugen Runggaldier, wissen, ob er sich bewusst ist, dass durch die Anhebung des Firmalters die Anzahl der Firmlinge sinken könnte.  Seine klare Antwort: "Unsere Aufgabe ist es nicht Zählsorger, sondern Seelsorger zu sein. Daher sind Zahlen relativ".  Weiters betont Runggaldier: "Es ist aber nicht unser Ziel ein Elitechristentum heranzubilden. Vielmehr setzen wird darauf, dass das Christsein eine bewusste Entscheidung miteinschließt, die nicht nur bei der Firmung, sondern auch im Alltag immer wieder getroffen wird und dazu beiträgt, sich immer mehr vom Evangelium prägen und verändern zu lassen."

 

Die Marschrichtung in Südtirol und Vorarlberg scheint also klar zu sein. Durch die Entscheidung der beiden Diözesen entflammt aber derzeit auch in anderen Diözesen eine Diskussion über den Ablauf der Firmung und vor allem über eine mögliche Anhebung des Firmalters. Wie steht unsere Erzdiözese dazu? Gibt es auch bei uns Überlegungen, eine Änderung herbeizuführen? Das fragen wir als Redaktion des SONNTAG die verantwortliche Pastoralamtsleiterin der Wiener Erzdiözese, Veronika Prüller-Jagenteufel.

 

Kommentar

Veronika Prüller-Jagenteufel

Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien

 

"Eine Erhöhung des Firmalters wird in der Erzdiözese Wien derzeit von niemanden ernsthaft betrieben. Grundsätzlich müssen in unserer Diözese die Firmkandidaten im Jahr der Firmung das 14. Lebensjahr vollenden. Persönlich fände ich eine Diskussion über ein höheres Firmalter aber reizvoll, weil das Thema für einige kirchliche Grundsatzfragen steht. Wir sind derzeit aber eher damit beschäftigt, Firmungen in den Entwicklungsräumen bzw. von mehreren Pfarren gemeinsam zu etablieren und vor allem bei allen Beteiligten das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Firmung eine missionarische Chance darstellt: also Vorbereitung und Feier selber so gestaltet sein sollen, dass sie auch für kirchlich ungeübte Jugendliche wie Eltern wie Paten und Verwandte einladend sind.

 

Das Firmalter zu diskutieren macht dann Sinn, wenn wir darüber reden, wie das heute geht und wie wir das (er)leben: Christ werden und bleiben; aus der Freude am Glauben die Gesellschaft und das eigene Leben gestalten; als christliche Gemeinschaft die Frohe Botschaft allen Menschen bringen.… Und kann ich die Frage beantworten: Wann und warum hast du den tiefen Wunsch gespürt, dass dich der Heilige Geist erfüllen möge? Und wann hast du begonnen, Jesus wirklich zu glauben, dass er dich mit seinem Geist erfüllen möchte?"

erstellt von: Der SONNTAG / Michael Ausserer
28.09.2017
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Weitere Informationen:
Schwerpunktthema Firmung
 

 

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Pastoraltheologe Pock in "Der Sonntag": Medien Hilfsmittel für Begegnung, aber kein direkter Ersatz. Jugendliche auch durch digitale Medien für Gott begeistern.

Digitale Kirche: Firm- und Erstkommunionvorbereitung teils online

"Junge Kirche" der Erzdiözese Wien: Persönlicher Kontakt nicht vollständig ersetzbar, aber wo nötig, punktuell oder zur Gänze Online-Kurse.

Pfarren in kreativem Großeinsatz

Der Herbst ist für die katholischen Pfarren der Erzdiözese Wien heuer ganz anders: Hunderte Erstkommunion- und Firmungsfeiern, die traditionellerweise im Frühling stattfinden, wegen des Lockdowns aber verschoben werden mussten, werden nun innerhalb weniger Wochen durchgeführt.

Wegen Corona: Firmungen erst ab Herbst

Sakrament wird traditionellerweise rund um Pfingsten gespendet, wegen der Corona-Maßnahmen auf Herbst und 2021 verschoben.

Theologe: Heiliger Geist Bindeglied zwischen Gott und Mensch

Wiener Moraltheologe und Mediziner, Matthias Beck: "Sich auf Heiligen Geist einzulassen, führt nicht zu einer weiteren Fremdbestimmung, sondern ermöglicht Selbstbestimmung und Selbstwerdung".

Pfingsten: Mehr als 40.000 Jugendliche empfangen Firmung

Sakrament wird traditionellerweise rund um Pfingsten gespendet, Nachfrage in Österreich weiter groß.

Glaube.Liebe.Rapid: Angebot und Gewinnspiel für Firmgruppen

"Mein Weg zur Firmung", unter diesem Motto lädt Rapidseelsorger Christoph Pelczar Firmgruppen ein, sich mit dem Buch "Glaube.Liebe.Rapid" und dem "Youcat" auseinander zu setzen.

Sakramente: Zu komplex für eine einheitliche Lösung

Die „neue Marschrichtung“ für die Praxis der Sakramente von Erstkommunion und Firmung.

Firmung, Beichte, Erstkommunion

Sakramente neu gedacht. Die ersten Ergebnisse aus einer großen Pfarrumfrage sind da.

Diözese Bozen hebt Firmmindestalter auf 16 an

Vorbereitung muss mehr als ein Jahr dauern.

Firmvorbereitung in Österreichs Pfarren auf der Zielgeraden

Über 45.000 Jugendliche empfangen an den Sonntagen um Pfingsten nach längerer Vorbereitung das Firmsakrament .

 

Sollen wir in Zukunft nur mehr Erwachsene firmen?

Diskussion über das Sakrament der Firmung

Expertenmeinungen zum idealen Alter der Firmkandidaten

Drei Pastoraltheologen geben Antwort.

Pastoraltheologe Zulehner über seine Erfahrungen in der Firmvorbereitung

Ein Gastkommentar des emeritierten Wiener Universitätsprofessors für Pastoraltheologie, Paul Michael Zulehner.

Firmlinge aus „Am Donaukanal“ drehten ein Video zum Glaubensbekenntnis.

Dieses Video müssen Sie unbedingt ansehen

Firmlinge aus „Am Donaukanal“ drehten ein Video zum Glaubensbekenntnis.

Diözese Feldkirch hebt Firmalter auf 17 Jahre

Neues Firmkonzept soll innerhalb von zehn Jahren angehoben werden.

Wie firm soll man als Gefirmter sein?

Die Aufnahme in die Kirche findet durch die Firmung ihren Abschluss.

Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes

Pfingsten heute

„Antworten“ von Kardinal Christoph Schönborn, in der Zeitung Heute, am Freitag, 2. Juni 2017.

Entdeckungsreise zu den Geistesgaben

Ohne die Gaben des Heiligen Geistes gäbe es gar keine Kirche.Interview mit Th. Söding

#Geistreich

45.000 Jugendliche empfangen österreichweit die Firmung

Sakrament wird traditionellerweise rund um Pfingsten gespendet, Nachfrage in Österreich weiter groß.

Schmetterling landet auf Hand.

12 Früchte des Heiligen Geistes: Die Frucht der Geduld

Als vierte der 12 Früchte des Heiligen Geistes wird die Geduld genannt.

Erwachsenenfirmung in Perchtoldsdorf

Vier junge Frauen gefirmt.

12 Früchte des Heiligen Geistes: Die Frucht des Friedens

12 Früchte des Heiligen Geistes: Die Frucht des Friedens

Als dritte der 12 Früchte des Heiligen Geistes wird der Friede genannt. Was ist damit gemeint?

Mädchen läuft mit Luftballons über eine Wiese.

12 Früchte des Heiligen Geistes: Die Frucht der Freude

Als zweite der 12 Früchte des Heiligen Geistes wird die Freude genannt. Warum haben wir Grund zur Freude?

Kinderhände halten Blumen

12 Früchte des Heiligen Geistes: Die Frucht der Liebe

Als erste der 12 Früchte des Heiligen Geistes wird die Liebe genannt. Was ist damit jedoch gemeint?

Liebe, Freude, Friedens, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmuts, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit.

Die 12 Früchte des Heiligen Geistes

Liebe, Freude, Friedens, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmuts, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit.

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Gottesfurcht

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Gottesfurcht

Bedeutet die Gabe der Gottesfurcht, dass wir Angst vor Gott haben müssen?

Gebet

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Frömmigkeit

Als sechste der sieben Gaben des Heiligen Geistes wird die Frömmigkeit genannt. Was ist damit jedoch gemeint?

Sräke bereitet den Boden für den Samen des Glaubens.

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Stärke

Als fünfte der sieben Gaben des Heiligen Geistes wird die Stärke genannt. Was ist damit jedoch gemeint?

Wenn die Kirche 'Geburtstag' feiert...

Wenn die Kirche "Geburtstag" feiert...

Das Pfingstfest ist eines der ältesten und wichtigsten Feste des Christentums.

Knapp 50.000 Firmungen österreichweit rund um Pfingsten

Enge Verbindung von Pfingsten und Firmung

Knapp 50.000 Firmungen österreichweit rund um Pfingsten.

Rat auf dem Weg des Lebens

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe des Rates

Als dritte der sieben Gaben des Heiligen Geistes wird der Rat genannt.

2. der 7 Gaben des Heiligen Geistes ist die Einsicht

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Einsicht

Die 2. der 7 Gaben des Heiligen Geists ist die Einsicht, der Heilige Geist steht uns auf unserem Lebensweg zur Seite.

Heiliger Geist

Was sind die 7 Gaben des Heiligen Geistes?

Die 7 Gaben des Heiligen Geistes gehören zum festen Bestandteil jeder Firmvorbereitung.

Die 7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Weisheit

7 Gaben des Heiligen Geistes: Die Gabe der Weisheit

Die Gabe der Weisheit ist die erste der 7 Gaben des Heiligen Geistes.

Gott Heiliger Geist als Taube, Glasfenster, orthodoxe Kathedrale

Theologe Beck: "Europa ist der Geist ausgegangen"

"Wir nehmen nicht ernst genug, dass der Heilige Geist wichtige Gaben hat", kritisiert Moraltheologe Beck.

Orden gegen Menschenhandel: Podiumsdiskussion zum Thema "Ware Mensch"

Diskussionsveranstaltung am 18. September um 19.00 Uhr in der Pfarre St. Michael.

Pfingsten

Zu Pfingsten erstrahlt der Stephansdom in „frischer Blüte”

Georges Kasbo ist Florist zu Ehren Gottes

Heiliger Geist

Was zu Pfingsten gefeiert wird und warum das Gebet zum Heiligen Geist wichtig ist

Gespräch mit P. Karl Wallner OCist über das „Feuer-Fangen" der jungen Kirche.

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