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14.06.2017 · Glaube · Familie

Amoris laetitia: „Für Schwache“

In „Amoris laetitia“ Nr. 300 schreibt Papst Franziskus: Und da „der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist], „müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen.“

Im April 2016 vorgestellt, regt das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ („Die Freude der Liebe“) im guten Sinn weiterhin auf. Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller, Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät, beleuchtet zwei wichtige Aspekte dieses Papst-Schreibens.

 

 

Wie hat die katholische Moraltheologie auf „Amoris laetitia“ reagiert?

 

Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller: Die Katholische Moraltheologie hat mehrere Stimmen. In den Reaktionen zeigen sich ähnliche Unterschiede wie bereits während der Familiensynode: Die deutschsprachige Moraltheologie und eher säkularisierte mitteleuropäische Länder begrüßen Amoris Laetitia überwiegend, weil das Schreiben der vielfältigen Wirklichkeit der familiären Situationen Rechnung trägt und in Kontinuität mit der moraltheologischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum steht. Sie sehen den Geist des nachsynodalen Schreibens als Ausdruck der Fortsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

 

Andere Moraltheologen, vor allem aus mitteleuropäischen Ländern wie Polen, kritisieren die mangelnde Eindeutigkeit des Dokuments und interpretieren es daher im Sinne, dass alles bleibt, wie es war.
 
In der Fußnote 351 von „Amoris laetitia“ heißt es: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein“. Hat Papst Franziskus damit innerkirchlich eine Lawine losgetreten?


Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller: Papst Franziskus zeigt mit dieser Fußnote den Weg für die Seelsorger, die der Barmherzigkeit Raum geben möchten bei der Unterscheidung der verschiedenen Situationen von Gläubigen, die geschieden sind und standesamtlich wieder geheiratet haben.

 

Dort, wo es diese Praxis der Wiedereingliederung zur Teilnahme an der Kommunion de facto in den Gemeinden schon gab, ist diese Fußnote eine nachträgliche Bestätigung der pastoralen Entscheidung.

 

In vielen Bistümern fehlt aber noch die vom Bischof angeordnete Umsetzung, die einen offiziellen Weg bestimmt, wie Priester, wenn sie selbst vielleicht im Zweifel sind, ob es sich um eine solche Situation handelt, damit umgehen.

 

Zum Beispiel kann man offizielle, psychologisch gebildete und erfahrene Priester einsetzen, die in diesen Fällen zu Rate gezogen werden können. In dieser Hinsicht steht die Lawine noch aus! Dagegen gab es auf Seiten der Kritiker prominente Versuche, eine Gegenlawine zu starten.

 

Im Hintergrund steht letztlich die Frage, ob und welche Art von Moraltheologie angewendet werden soll: Sätze aus moraltheologischen Handbüchern des 16. bis 19. Jahrhunderts, wie der, dass es bei Sexualdelikten nur schwere und keine leichten Sünden gibt, stehen unerkannt im Hintergrund, wenn manche das Leben in einer zweiten Ehe aufgrund des darin vollzogenen Geschlechtsverkehrs als Ausschlussgrund von der Teilnahme an der Eucharistie ansehen.

 

Andere blicken gar nicht auf das menschlich-moralische Scheitern, sondern sehen die Würde des Sakraments in Gefahr, wenn eine Ehe zerbricht.

 

In „Amoris laetitia“ Nr. 300 schreibt Papst Franziskus: Und da „der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist], „müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen.“ Was heißt das konkret?

 

Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller: Papst Franziskus folgt hier seinen unmittelbaren Vorgängern, denen es wichtig war, dass unterschiedliche Fälle unterschiedlich bewertet werden. Dieselbe Norm, dass man zu seinem Treueversprechen in der Ehe halten soll, was eine Scheidung ausschließt, stellt sich in der Praxis anders dar, z. B. wenn die Ehe einseitig aufgekündigt wird und der „unschuldige“ Partner eine neue Ehe schließen möchte.

 

Es geht darum, dass man die Unterscheidungspalette, die es in anderen Bereichen gibt, auch auf diese Situationen anwendet.

 

Dies ist der Punkt, wo Franziskus aus dem Anliegen seiner Vorgänger Konsequenzen zieht, indem er sagt, es soll nicht nur in der theoretischen Bewertung der Situationen von geschiedenen und zivil wiederverheirateten Christen zu Differenzierungen kommen, sondern daraus sollen auch entsprechend unterschiedliche Schlussfolgerungen für den praktischen Umgang mit ihnen gezogen werden.

 

Deshalb ist es für ihn möglich, dass sie in bestimmten Fällen auch zur Eucharistie zugelassen werden.

 


Die beiden folgenreichen Fußnoten in „Amoris laetitia“: Nr. 336 und Nr. 351.

 

  • Und da „der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist]“, müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. 336.

Fußnote 336: „Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt. Dort kommt zur Anwendung, was in einem anderen Dokument gesagt ist: vgl. Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“, 44.47.


  • Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. 351

Fußnote 351: In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb „erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn“ (Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“, 44).

 

Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie „nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen“ ist (ebd., 47).

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
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Mehr zu „Amoris laetitia“

Papstschreiben "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" als pdf zum download.

 

Nachsynod. Apost. Schreiben "Amoris laetitia" auf der Seite des Vatikans.


Artikel zum Thema:

 

13 Tipps für eine gelungene Ehe von Papst Franziskus

 

Amoris Laetitia: Sechs zentralen Punkte

 

Franziskus will Freude an Ehe und Familie stärken

 

Alles über die:

Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Familie 


Buchtipp:

 

Franziskus (Papst)

Amoris Laetitia - Freude der Liebe

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Nachsynodales apostolisches Schreiben Amoris Laetitia über die Liebe in der Familie. Mit einer Hinführung von Christoph Kardinal Schönborn

2016, Verlag Herder
Auflage: 1. Auflage
Mit einem Prolog von Christoph Schönborn; Beiträge von Franz-Josef Bode; Heiner Koch; Reinhard Marx; Christoph Schönborn
Taschenbuch
288 Seiten
ISBN: 978-3-451-06919-2

 

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zur Person:

Dekanin Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller, Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Wien.

 


 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
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Heiliges Jahr: Katholischer Familienverband startet österreichweiten Malwettbewerb

„Pilger der Hoffnung“ ist das Motto des Heiligen Jahres, das 2025 stattfindet. Aus diesem Anlass startet der Katholische Familienverband den Malwettbewerb „Bilder der Hoffnung“ und ruft auf, sich kreativ mit dem Thema Hoffnung auseinanderzusetzen.

Katharina Dolezal (Leiterin des Refugiums Collegialität), Nicole Meissner (Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung), Thomas Böck (Vorsitzender Collegialität Privatstiftung), Daniel Resch (Bezirksvorsteher Döbling) und Josef Grünwidl (Administrat

„Refugium Collegialität“ eröffnet: Neue Unterstützungsangebote für Kinder und Familien

Ab Herbst werden im neu errichteten Haus in Wien-Döbling Lerngruppen, therapeutische und psychosoziale Begleitung sowie Gemeinschaftsaktivitäten angeboten.

Babysitter gesucht

Babysitter gesucht

Der Katholische Familienverband Wien startet den Babysitterdienst „Sicher & Geborgen“ als Ergänzung zum Omadienst. Bewerbungen von Babysitterinnen werden ab sofort angenommen.

Tanzpaar vor Kapelle

Sommernachtsball am Kahlenberg

Beliebter Ball im Schönstattzentrum findet heuer bereits zum elften Mal statt. Live-Musik, Weinviertler Weine, Cocktailbar, Tombola und mehr erwarten die Gäste.

Mamas Werkstatt

Mamas Werkstatt

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 9. Mai 2025.

Zwei kinder bemalen Ostereier

Ostern kindgerecht vermitteln: Jungschar bietet Materialien und Tipps

Ostergrußaktion und Vorbereitung auf Osterfest. Tipps zum Sprechen über Tod und Auferstehung.

Kinder-Orgel-Tag Meidling

Kinder-Orgel-Tag Meidling: Meet the queen of the instruments

Du möchtest die Orgel hautnah erleben und auch eine eigene Orgelpfeife bauen? - Dann bist du hier richtig. Bevor wir in ein Kinder-Orgelkonzert eintauchen, gibt es die Möglichkeit an einer kurzen interaktiven Orgelführung teilzunehmen.

Zwei Mädchen basteln und malen

Dom Museum Wien - Freundschaft und Kunst im Familienatelier

"Beste Freund*innen für immer", heißt es am Sonntag, 19. Jänner, für Kinder von 3 - 12 Jahren, beim Familienworkshop im Domatelier des Dom Museum Wiens.

Leihomas dringend gesucht!

Leihomas dringend gesucht!

Der Katholische Familienverband Wien sucht Leihomas in Wien und Wien-Umgebung.

Young woman with hands up the sun light finding happiness, peace and hope

Ladies Lounge - Female Empowerment für Alleinerziehende

Über 2025 gibt es drei Themenblöcke mit 18 Veranstaltungen zu je 100 Minuten zu den Themen Selbstfürsorge & Self-Awareness für Resilienzförderung, Stressmanagement & Selfmanagement, Burnout Prävention, Gewaltprävention & Konfliktmanagement sowie gelingende Beziehungsgestaltung.

Seit 1997 gibt es den beliebten besinnlichen Abendbesuch im Stephansdom. Das Kinderführungsteam – nunmehr bestehend aus Margareta Chwatal, Reinhard H. Gruber, Karl Grohmann, Georg Urban und Florian Bauchinger – bietet diese Art von Führungen für Kind

Kinderführung im Stephansdom: „Happy Birthday, Rudolf“

Am Freitag, 8. November 2024, um 19.30 Uhr, gibt es wieder eine abendliche Kinderführung im Stephansdom. Jetzt anmelden.

Sonntagsfrühstück für Alleinerziehende in Wien

Sonntagsfrühstück für Alleinerziehende in Wien

Einmal im Monat lädt die Kontaktstelle für Alleinerziehende der Erzdiözese Wien alle Mamas und Papas, die ihre Kinder alleine großziehen, zu einem gemeinsamen Frühstück ein.

Kind wird getröstet und in den Arm genommen.

Mit Kinder über Tod und Trauer sprechen - aber wie?

Jungschar-Vorsitzende Schippani-Stockinger: "Kinder haben ein Recht darauf, über den Tod und die damit verbundenen Gefühle wie Trauer, Angst und Verlust zu sprechen". Allerheiligen- und Allerseelen-Rituale kindgerecht anpassen.

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