Papst Franziskus: Für Christen gelte es, "wachsam und aufmerksam für den Schrei der Armen zu sein."
Papst Franziskus: Für Christen gelte es, "wachsam und aufmerksam für den Schrei der Armen zu sein."
Bei dem Besuch des Mutter-Teresa-Gedenkhauses in Skopje segnete Franziskus den Grundstein für eine Gedächtniskirche der albanisch-mazedonischen Heiligen. In einem Gebet bat der Papst um "die Gnade, dass auch wir Zeichen der Liebe und der Hoffnung in unserer Zeit seien, die so viele Notleidende, Verlassene, Ausgegrenzte und Ausgewanderte kennt".
Für Christen gelte es, "wachsam und aufmerksam für den Schrei der Armen zu sein, derer, die ihrer Rechte beraubt sind, der Kranken, der Ausgegrenzten, der Geringsten". Den Armen das Evangelium und den Gefangenen Befreiung zu verkünden, sei für die Kirche eine Pflicht, so Franziskus. Neben Mutter-Teresa-Schwestern und rund 100 von ihnen betreuten Armen waren bei dem Besuch auch Verwandte der Heiligen und Vertreter verschiedener Religionen zugegen.
Der nordmazedonische Staatspräsident Gjorge Ivanov hatte zuvor seine Begrüßungsansprache für den Papst mit einem eindringlichen Appell an seine Landsleute zur nationalen Erneuerung, Vergebung, Versöhnung und Einheit "bevor es zu spät ist" verbunden. Am 12. Mai endet Ivanovs zweite und letzte Amtszeit. Sein am Sonntag in einer Stichwahl nominierter Nachfolger als Staatsoberhaupt, Stevo Pendarovski, nahm ebenfalls an dem Empfang teil. Er steht für eine prowestliche Politik.
Ivanov sagte, der Papstbesuch falle in eine Zeit tiefer gesellschaftlicher Spaltung. Das Land sei "schwer verwundet von nicht gehaltenen Versprechen, unerfüllten Erwartungen und schwachem Vertrauen in die internationale Gemeinschaft". Die Hürden auf dem Weg zur EU, bei der sich Nordmazedonien seit 2005 als offizieller Beitrittskandidat um Aufnahme bewirbt, habe zu einer politischen und moralischen Krise und zu einer "Erosion der Werte" geführt. Kreuz und Halbmond würden als Symbole für "Grenzen und Festungen" missbraucht, warnte der Präsident.
Papst Franziskus hob das friedliche Zusammenleben von Ethnien und Religionen in der Region als bedeutend für die Integration in Europa hervor. Er hoffe, dass sich die Integration positiv für die ganze Region des westlichen Balkans entwickle. Zugleich müsse dieser Prozess im Respekt vor Diversität und den Menschenrechten geschehen.
Weiter würdigte der Papst den "großzügigen Einsatz" Nordmazedoniens in der Flüchtlingskrise. Der Bevölkerung, die selber Entbehrungen kenne, gereiche es zur Ehre, dass sie in der Solidarität und im Teilen den Weg jeder wirklichen Entwicklung sehe, sagte Franziskus. Diese Haltung solle sich im ehrenamtlichen Engagement gegen die "vielen Formen der Not" fortsetzen.
Während der Flüchtlingskrise 2015/2016 war Nordmazedonien mit seiner Lage auf der sogenannten Westbalkanroute Durchgangsregion für rund zwei Millionen Flüchtlinge und Migranten. Im Land selbst herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Schätzungen zufolge sind 50 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne feste Beschäftigung. Viele leben vom informellen Sektor.