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03.03.2016 · Barmherzigkeit · Fastenzeit & Ostern

Teil 3: „Zweifelnden recht raten“

3. Werk der Barmherzigkeit

"Der Zweifel gehört zum Leben. Zweifel macht den Menschen menschlich. Solange der Mensch zweifelt, macht er sich auf den Weg, sucht er weiter nach der Wahrheit und nach dem Leben", so Anselm Grün.

„Zweifelnden recht raten“  ist ein Werk der Barmherzigkeit. Mit den Zweifelnden, selbst mit Verzweifelten kann ich hoffen – mit ihnen und für sie. - Anselm Grün im "SONNTAG":

„Einen Rat zu geben heißt, den andern in Berührung zu bringen mit dem inneren Vorrat an Weisheit, den er in seiner Seele hat, ihn seine innere Quelle spüren zu lassen, aus der er schöpfen kann.“

 

 

 

Der Zweifel gehört zum Leben. Zweifel macht den Menschen menschlich. Solange der Mensch zweifelt, macht er sich auf den Weg, sucht er weiter nach der Wahrheit und nach dem Leben. Die Menschlichkeit des Zweifels kommt in dem Gedicht von Erich Fried schön zum Ausdruck:

Zweifle nicht
An dem
Der dir sagt
Er hat keine Angst.

Aber hab Angst
Vor dem
Der dir sagt
Er kennt keinen Zweifel.

Wer meint, er würde keinen Zweifel kennen, erhebt sich über sein Menschsein. Solange wir leben, zweifeln wir. Aber es kommt darauf an, durch den Zweifel hindurch immer wieder zum Glauben zu gelangen.


Der Zweifel gehört zum Leben.

Wir zweifeln oft, ob wir richtig liegen, ob wir den rechten Weg gehen. Wir zweifeln vor einer Entscheidung, was die richtige Entscheidung ist. Und Zweifel gehört wesentlich zum Glauben.

 

Manchmal klagen sich alte Leute im Beichtstuhl an, dass sie am Glauben gezweifelt haben. Doch der Glaubenszweifel zwingt uns, zu unterscheiden zwischen den Bildern, die wir uns von Gott gemacht haben, und dem wahren Gott, der letztlich immer der ganz andere und unbegreifliche Gott ist.

 

Der Glaubenszweifel bewahrt mich davor, mich in Sicherheit zu wiegen. Und er bewahrt mich davor, mich über andere zu stellen. Die Zweifel laden mich ein, solidarisch mit all den Ungläubigen zu werden. Denn meine Zweifel zeigen mir, dass auch in mir Unglauben ist. Wenn ich ihn umarme, verliert er seine destruktive Kraft.


Im Beten zweifeln.

Beim Beten und Meditieren kommen mir manchmal Zweifel hoch: „Ist das alles nur Einbildung? Machst du dir deine Theologie zurecht, damit du dich besser fühlst und besser mit deiner Angst vor dem Tod und mit deiner Einsamkeit zurechtkommst?“

 

Ich lasse dann diese Zweifel zu und sage mir: „Ja, es kann sein, dass alles Einbildung ist. Aber wenn alles nur Einbildung ist, dann können wir letztlich gar nichts erkennen. Dann ist alles absurd.“

 

Wenn ich die Zweifel zu Ende denke, dann steigt in mir eine tiefe innere Gewissheit auf: „Ich traue der Bibel, ich traue der hl. Teresa, dem hl. Augustinus, der hl. Edith Stein. Ich setze auf diese Karte.“ Dieser Zweifel gehört zu unserem Beten. Aber es gibt auch Menschen, die verzweifelt sind, die keine Hoffnung mehr haben, weil sie zu viele Schicksalsschläge erlebt haben.


Hoffen mit Verzweifelten.

Raten heißt nicht: einen Ratschlag geben. Schon im Wort Ratschlag steckt etwas Aggressives. Rat ist ursprünglich der Hausrat, das, was ich zum Leben brauche. Einen Rat zu geben heißt, letztlich den andern in Berührung zu bringen mit dem inneren Vorrat an Weisheit, den er in seiner Seele hat, ihn seine innere Quelle spüren zu lassen, aus der er schöpfen kann, wenn er in Zweifel gerät.


Wenn aber einer verzweifelt ist, können wir ihm keinen Rat geben. Ich kann nur seine Verzweiflung aushalten und trotzdem an der Hoffnung für ihn festhalten. Ich hoffe auf ihn und für ihn. Das kann ihm helfen, dass er mitten in seiner Verzweiflung einen Grund der Hoffnung findet, auf dem er wieder fest stehen kann.

erstellt von: Der SONNTAG / Anselm Grün
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GEBET

Barmherziger und
guter Gott,
Du kennst meine Zweifel am Glauben.

 

Schenke mir immer wieder die Gewissheit,
dass Du da bist, dass Du mich

in Deinen guten Händen hältst.


Schenke mir dieses Vertrauen gerade dann, wenn mich

eine Krankheit oder der Tod eines lieben Menschen

aus der Bahn wirft.

Sei du mir dann der Fels,

auf dem ich fest stehen kann,

trotz aller Zweifel und Unsicherheit.


Lass Deinen Segen immer um mich sein

wie ein schützender und wärmender Mantel,

damit die Zweifel nicht ins Herz
dringen können.

Amen.


Anregungen

  • Woran zweifelst du?
    Du glaubst an Gott und an Jesus Christus.
  • Aber kommen dir auch Zweifel hoch, ob es Gott überhaupt gibt, ob es das ewige Leben gibt?
    Halte deine Zweifel Gott hin und bitte ihn, dass er dir mitten in deinen Zweifeln Halt und Klarheit schenkt.
  • Kennst du auch Menschen, die an allem zweifeln, die sich nie für etwas entscheiden können?
  • Wie sprichst du mit ihnen?
  • Wie möchtest du ihnen Mut machen, sich für das Leben zu entscheiden?
  • Kennst du auch Menschen, die an sich und am Leben verzweifelt sind?
  • Traust du dich, auf sie zuzugehen und ihre Verzweiflung auszuhalten und ihnen gerade so die Ahnung von einem festen Halt zu geben?

 


Fastenzeit mit Anselm Grün:

Teil 1 - „Seid Sand im Getriebe der Welt“

Teil 2 - „Unwissende lehren“

 


Vorsätze in der Fastenzeit

Fastenzeit - die Vorbereitungszeit auf Ostern


Mit Pater Karl Wallner durch die Fastenzeit

Fastentipps von Pater Karl Wallner


Ostern - Jesus ist auferstanden!

Ostern - Jesus ist auferstanden!


Der Sonntag

Der SONNTAG
Die Zeitung der ED. Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

Weitere Informationen zu "Der SONNTAG" die Zeitung der Erzdiözese Wien

"Der SONNTAG" Testabo

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Familienverband lädt zur achtsamen Fastenzeit

Katholischer Familienverband Österreich motiviert mittels App "Gutes Leben" und "Boomerang" sowie Aktionen zu Auszeiten vom stressigen Alltag.

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

Das Heilige Jahr steht im Zeichen der Hoffnung. Die Texte des Kreuzwegs sind bewusst kurz gehalten. Eine längere Zeit der Stille zwischen den Stationen hilft, die Texte und Bilder nachklingen zu lassen.

The picture contains a platter of colorful fruits, kitchen utensils like blender, cutlery, bowls, knives, cutting board and pans.

Fastenzeit: Orden laden Interessierte zum "Innehalten und Aufbrechen"

Von Gemüse-Sushi-Fasten bis klösterliche Fastenwochen, stille Exerzitien und biblische Besinnungstage - wie Ordensgemeinschaften Menschen auf dem Weg zu innerer Einkehr und Erneuerung begleiten.

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Der Steyler Fastenkalender 2025 lädt ein, in der Fastenzeit Körper, Geist und Seele wachsen zu lassen. Mit dem Spendenerlös wird ein Baumpflanzprojekt in Togo unterstützt.

Grass blossom in the morning

Dominikaner laden zur Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr“ ein

In der Fastenzeit dieses Jahres, das die Kirche als Jubel- oder auch „heiliges“ Jahr begeht, laden die Dominikaner an fünf Abenden, zu der Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr - Ökologische Gerechtigkeit als biblisches Anliegen“ ein.

San Giorgio in Velabro: Eine Kirche zwischen Legenden und Geschichte

Der zweite Tag der Fastenzeit beginnt in Rom in San Giorgio in Velabro, einer mittelalterlichen Kirche am Fuße des Palatin. Sie erzählt eine Geschichte, die tief in die Mythen und Traditionen Roms eingebettet ist. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.

Die Stationsgottesdienste der Fastenzeit – Eine alte römische Tradition lebt weiter

 

Einzug in den Stephansdom

Feierliche Gottesdienste in der Karwoche und zu Ostern in der Wiener Innenstadt

Die Gottesdienste der drei österlichen Tage am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, auch „Triduum paschale“ genannt, bilden den Höhepunkt des Kirchenjahres.

Kreuzweg für queere Menschen und ihre Unterstützenden: „Wounds of Love“

Die Meditation des Kreuzweges Jesu zu seiner Hinrichtungsstätte auf dem Berg Golgotha gehört zu den klassischen kirchlichen Gebetsandachten in der vorösterlichen Fastenzeit. In der Pfarre Breitenfeld wird am Montag, 11. März, ein besonderer Kreuzweg angeboten, der die Erfahrungen queerer Menschen und deren Unterstützer:innen (Allies) thematisiert.

Geige

Wiener Hofmusikkapelle: Musik und Literatur in der Mittagspause

Auch Messen und Benefizkonzerte beim Festival "Übergänge" von 24. bis 31. März.

Kreuz und Dornenkrone

Fastenzeit: "Akademie am Dom" mit Schwerpunkt zu Gott und Leid

Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung lädt zu verschiedenen Vorträgen und Diskussionen rund um das Thema Leid. Noch bis Juni Ausstellung von Fotos des Innsbrucker Bischofs Glettler in Räumen der "Theologischen Kurse".

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