Wiener Schottenbasilika
Wiener Schottenbasilika
In einer Zeit, in der viel von Migration die Rede ist und sich die Geister daran scheiden, führe der Psalm vor Augen, wie Gott ein Verzeichnis der Völker führt.
Vor dem Ökumenischen Empfang nahmen Kardinal Schönborn und die ökumenischen Gäste am Vespergottesdienst der Mönche in der Wiener Schottenbasilika teil.
Abt P. Johannes Jung arbeitete in seiner Predigt die aktuelle Bedeutung des Psalms 87 heraus. In einer Zeit, in der viel von Migration die Rede ist und sich die Geister daran scheiden, führe der Psalm vor Augen, wie Gott ein Verzeichnis der Völker führt, in dem sich "die Namen vieler finden, auch solcher, die man nicht erwarten würde" wie etwa die der Ägypter und Babylonier, der größten Feinde des alten Israel.
Damit es zu einer solchen "wunderbaren Eingliederung" in das Volk auf dem heiligen Berg kommen kann, brauche es "neben dem Federstrich Gottes" zweier Haltungen: "Dass die Völker sich auf den Weg machen, weil ihnen ein Ziel vor Augen steht: die Gründung Gottes auf dem heiligen Berg, die den Bewohnern ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden sichert", aber auch, dass "all jene, die jetzt schon durch Gottes Wahl dort beheimatet sind, sich diesem Zustrom öffnen und es ertragen, mehr noch feiern, wenn den Ferngeborenen gesagt wird, auch du bist hier gebürtig".
Freilich hätten Wien, Österreich, Europa noch nicht die Gestalt Zions auf dem heiligen Berg angenommen, "noch sind wir selbst auf dem Weg", stellte der Abt fest: "Doch dass sich andere diesem Zug anschließen mit der vagen Hoffnung, hier die Stadt Gottes zu finden, sollte uns Freude daran machen, dieser Welt die Gestalt von Gottes Gründung zu geben, besser noch, sie umgestalten zu lassen von ihm".
Die Spitzenvertreter der evangelischen Kirchen in Österreich nahmen am Rand des Empfangs im "Kathpress"-Interview die positive Bewertung Kardinal Schönborns zum Reformationsjubiläum auf.
Vor allem innerhalb der katholisch-evangelischen Beziehungen sei im Jubiläumsjahr sehr viel an Vertrauen und Verständnis gewachsen, so etwa der methodistische Superintendente Stefan Schröckenfuchs. Er ortete u.a. mehr Bewusstsein bei der katholischen Kirche, wie wichtig die Reformation auch für diese sei.
Aber auch innerhalb der drei Kirchen reformatorischer Tradition in Österreich - Lutheraner, Reformierte und Methodisten - sei das Vertrauen und die Zusammenarbeit noch gewachsen, so Schröckenfuchs. Ein Befund, der vom lutherischen Bischof Michael Bünker und dem refomierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld geteilt wurde.
Als gemeinsame Aufgabe aller Kirchen im Land betonte Schröckenfuchs die Anwaltschaft für die Ärmsten in der Gesellschaft, seien es sozial Schwache oder auch Flüchtlinge. Hier gelte es genau hinzusehen und die Stimme für jene zu erheben, die selbst keine Stimme haben.