"Für die Kirche ist das eine große Schande. Das zeigt nicht nur unsere Zerbrechlichkeit, sondern auch, sagen wir es frei heraus, unser Level der Scheinheiligkeit", so der Papst.
"Für die Kirche ist das eine große Schande. Das zeigt nicht nur unsere Zerbrechlichkeit, sondern auch, sagen wir es frei heraus, unser Level der Scheinheiligkeit", so der Papst.
Franziskus: Missbrauchsfälle "größte Verwüstung" der Kirche. Begegnungen erfolgen laut Vatikansprecher Burke "im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid" stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Papst Franziskus trifft sich laut eigener Aussage regelmäßig an Freitagen mit Missbrauchsopfern. Es sei wichtig zu hören, was sie empfinden, sagte er bei einem Gespräch mit Ordensleuten während seiner jüngsten Südamerikareise. Missbrauchsopfer machten einen "sehr schweren Prozess" durch, sie seien zutiefst gedemütigt worden. "Für die Kirche ist das eine große Schande. Das zeigt nicht nur unsere Zerbrechlichkeit, sondern auch, sagen wir es frei heraus, unser Level der Scheinheiligkeit", so der Papst.
Wie bei seinen Reisen üblich, hatte Franziskus auch in Chile und Peru im Jänner Mitbrüder aus dem Jesuitenorden getroffen. Vom Jesuitenpater und Chefredakteur der Zeitschrift "Civilta Cattolica", Antonio Spadaro, aufgeschriebene Auszüge der privaten Gespräche wurden am Donnerstag, 15. Februar 2018, in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" veröffentlicht.
Franziskus verurteilte darin sexuellen Missbrauch in der Kirche erneut scharf. Der Verweis auf Statistiken, laut denen die Missbrauchsrate in anderen Bereichen, etwa in der Familie oder im Sport, weitaus höher seien, schmälere die Schuld der Kirche keinesfalls: "Es ist furchtbar, auch wenn es nur um einen einzigen unserer Brüder ginge."
Vatikansprecher Greg Burke bestätigte am Donnerstag, dass Papst Franziskus "mehrmals im Monat" Opfer sexuellen Missbrauchs treffe. Er empfange sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, höre ihnen zu und versuche dabei zu helfen, "die schweren Wunden zu heilen". Die Begegnungen erfolgen laut Burke "im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid" stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Priester seien von Gott gesalbt, um die Menschen, junge wie alte, zu heiligen, nicht um sie zu zerstören, betonte Franziskus. Die Missbrauchsfälle bezeichnete er als "größte Verwüstung" und "Krebsgeschwüre" der Kirche, angesichts derer man sich "tiefstgründig schämen" müsse. Seltsamerweise, so der Papst, betreffe das Phänomen des Missbrauchs auch einige neue und wohlhabende Ordensgemeinschaften. "Dort ist Missbrauch stets die Frucht einer machtversessenen Mentalität, die in ihren üblen bösen Wurzeln geheilt werden muss", sagte Franziskus.
Bei der Papstreise nach Chile und Peru Mitte Jänner waren auch Missbrauchsfälle Thema. Kritik gab es für Franziskus' Aussage, es gebe keine "Beweise" dafür, dass der 2015 von ihm zum Bischof von Osorno ernannte Juan Barros Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht habe.
Wenig später entschuldigte sich der Papst für seine Wortwahl, die die Opfer sexuellen Missbrauchs verletzt habe. Viele Opfer könnten keine Beweise für das Erlittene beibringen oder schämten sich, diese offenzulegen. Statt von "Beweisen" müsse man richtiger von sicheren Indizien sprechen, so Franziskus.
Für Aufsehen sorgten zuletzt Berichte über den Brief eines chilenischen Missbrauchsopfers zu dem Fall, den der Vatikan ignoriert habe. Der Papst beauftragte Ende Jänner den Sonderermittler Erzbischof Charles Scicluna mit der Klärung des Falls.