Raab war von 1953 bis 1961 Bundeskanzler. Er starb vor 50 Jahren, am 8. Jänner 1964. Besonders in Erinnerung ist Raab als Chef der Bundesregierung, die 1955 den Staatsvertrag und damit den Abzug der Besatzungstruppen erreichte.
Raab war von 1953 bis 1961 Bundeskanzler. Er starb vor 50 Jahren, am 8. Jänner 1964. Besonders in Erinnerung ist Raab als Chef der Bundesregierung, die 1955 den Staatsvertrag und damit den Abzug der Besatzungstruppen erreichte.
Wiener Erzbischof: Der Staatsvertrags-Kanzler war auch "Baumeister der Zweiten Republik" und hat "Aufstieg Österreichs mitgetragen und ermöglicht"
Kardinal Christoph Schönborn hat anlässlich des 50. Todestages des einstigen Bundeskanzlers Julius Raab (1891-1964) dessen Leistungen für den Wiederaufbau Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg gewürdigt. Als einer der "Baumeister der Zweiten Republik" habe Raab vor allem mit seinem Einsatz für die Sozialpartnerschaft "den Aufstieg Österreichs mitgetragen und ermöglicht", sagte der Wiener Erzbischof am Dienstag, 7. Jänner 2014, bei einer vom Oberösterreichischen Wirtschaftsbund initiierten Gedenkmesse in der Linzer Minoritenkirche.
Die Grundlinien der damaligen Sozialpartnerschaft seien auch heute noch tragfähig, um die notwendigen Reformen, die unser Land braucht, partnerschaftlich anzupacken", so Schönborn weiter. Richtungsweisend könne dafür Raabs Erbe sein, das der Kardinal als "ausgeprägtes Gespür für das Miteinander, für das Gemeinwohl" bezeichnete, "ohne das ein Staat auf Dauer nicht erfolgreich sein kann".
Die Gedanken der Sozialpartnerschaft seien in der christlichen Soziallehre verwurzelt, müssten aber dennoch im Rahmen bleiben und dürften niemandem "zu viel zumuten", sagte der Wiener Erzbischof und nahm in seiner Predigt auch den unternehmerischen Aspekt des Evangeliums in den Blick. "Wir bedenken zum Verständnis des Evangeliums viel zu wenig, wie sehr Jesus den Unternehmer in seine Gemeinschaft, in die Kirche hinein genommen hat." Jesus sei als Zimmermann selbst Unternehmer gewesen und sein "planendes, zielgerichtetes verantwortungsvolles Handeln" solle als Vorbild für die Unternehmer von heute dienen.
An dem Gottesdienst nahmen neben dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und Altbischof Maximilian Aichern auch Landeshauptmann Josef Pühringer sowie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl teil. "Julius Raabs Vision war ein freies Österreich in einem einigen Europa und in einer friedlichen Welt", sagte Leitl im Rahmen der Gedenkmesse.
Der St. Pöltner Diözesanbischof, Klaus Küng, hob Raab in einem Gedenkgottesdienst am Mittwoch im St. Pöltner Dom als einen "bodenständigen Politiker, grundsatztreu, verlässlich mit Handschlagqualität" hervor, für den die "große Liebe zum Vaterland und die Sorge für das Wohl der Menschen" kennzeichnend waren. Raab habe als "große Führungspersönlichkeit unseres Landes in einer schweren Zeit" zur Überwindung der Not nach dem II. Weltkrieg und zum Wiederaufbau "zweifellos Großes" geleistet, so Küng im Rahmen des Gottesdienstes, den er mit den Äbten der niederösterreichischen Stifte konzelebrierte.
Küng würdigte in seiner Predigt auch Raabs Einstellung zum Glauben und zu den christlichen Werten. Diese sei eindeutig gewesen, betone der Bischof und wies unter anderem auf Raabs Worte nach erfolgreichem Abschluss der Staatsvertragsverhandlung in Moskau bei der Ankunft auf dem russischen Militärflughafen von Bad Vöslau im April 1955 hin: "Vor allem möchte ich meinen Dank sagen dem Herrgott, dass wir diese Stunde für Österreich erleben durften."
Raab war von 1953 bis 1961 Bundeskanzler und zeichnete für den "Raab-Kamitz-Kurs" verantwortlich, mit dem die Erfolgsgeschichte Österreichs begann. Er starb vor 50 Jahren, am 8. Jänner 1964. Besonders in Erinnerung ist Raab auch als Chef der Bundesregierung, die 1955 den Staatsvertrag und damit den Abzug der Besatzungstruppen erreichte. Raab war Leiter der Regierungsdelegation, die im April 1955 auf Einladung der Sowjetunion in Moskau die abschließenden Verhandlungen führte.
In Wien-Döbling wird Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen am Mittwochabend eine Gedenktafel zur Erinnerung an Julius Raab am früheren Wohnhaus des Politikers in der Sauerburggasse 8 segnen. Enthüllt wird die Gedenktafel von Vizekanzler Michael Spindelegger.