Mag. Martin Wiesauer, Weihbischof Dr. Franz Scharl.
Mag. Martin Wiesauer, Weihbischof Dr. Franz Scharl.
Ob für Erstkommunion, Jugendzeit, Hochzeit, Familie oder Senior sein: Seit zehn Jahren bietet die "Kategoriale Seelsorge der Erzdiözese Wien" pastorale Begleitung in allen Lebenslagen.
"Wir wollen den Menschen das Evangelium heute anbieten und tun dies an Orten und zu Zeiten, wo Menschen dies besonders suchen", unterstreicht Martin Wiesauer, seit zehn Jahren Geschäftsführer der Kategorialen Seelsorge (KtS) der Erzdiözese Wien. "Dazu gehört Seelsorge im Krankenhaus genauso wie jene im Gefängnis", nennt Wiesauer Beispiele. Über 25 thematische Fachbereiche bildet diese Seelsorge ab, die im Zusammenspiel von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern erfolgt.
Die KtS kümmert sich auch um die pastorale und alltägliche Betreuung von Personengruppen mit spezifischen Bedürfnissen, wie alleinerziehende Elternteile, Wiederverheiratete oder Menschen mit Behinderungen, leistet Seelsorge und Dienstleistung bei Polizei, Feuerwehr, Bahn oder im Tourismus.
Mit dem Strukturprozess "Kirche für Zukunft" als auch den Erfahrungen der Stadtmission 2003 in Wien wurde die "Kategoriale Seelsorge" vor zehn Jahren zu einer eigenen Dienststelle in der Erzdiözese Wien. Seit April 2006 ist Weihbischof Franz Scharl Bischofsvikar für die KtS: "Ich kümmere mich besonders um die Seelsorge im Krankenhaus- und Pflegebereich, da mache ich Besuche und stehe den Gottesdiensten mit den Patienten und den Mitarbeitern vor."
Im seelsorglichen Krankendienst zeigen sich für Weihbischof Scharl besondere Zugänge: "Ökumenisches und interreligiöses Zusammenarbeiten scheint in solchen Situationen leichter zu sein, weil es dann wirklich um den Menschen geht." Das unterstreicht auch Geschäftsführer Wiesauer, der für 200 hauptamtliche Mitarbeiter in den Fachbereichen der "Kategorialen Seelsorge" wie auch rund 300 Männer und Frauen, die ehrenamtlich unterstützen, verantwortlich zeichnet: „Wenn man das selbst einmal erlebt hat, im Krankenhaus zu liegen, sich über seinen Lebensweg Gedanken zu machen, dann hat man ein Gespür dafür, dass es Sinn macht, dort auch als Ehrenamtlicher Besuchsdienste zu machen und bei den Kranken zu sein und sie in ihren Fragen zu begleiten.“ Dabei sei es wichtig, dass "es Menschen sind, die ein gelebtes Christentum auch anderen als Zeugen erzählen können, dass sie auskunftsfähig sind in ihrem Glauben", unterstreicht der Geschäftsführer der KtS.
Als wichtigsten Bereich in der Palette der "Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien" erkennt Bischofsvikar Weihbischof Franz Scharl den Bereich der Familie: "Dazu gehören die Kinder, junge Leute, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, damit decke ich alle Lebensbereiche ab, die Familie ist zentral."
Die "Kategoriale Seelsorge" unterstützt dabei durch Ehe-, Familien- und Lebensberatung. In 18 Beratungsstellen im Bereich der Erzdiözese Wien bieten über 100 Berater 11.500 Klientinnen und Klienten Unterstützung. Gefördert wird diese Einrichtung durch Mittel des Familienministeriums. Geschäftsführer Wiesauer freut sich über die Kooperation: "Es geht nicht darum, Lösungen vorzusetzen, sondern den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebenssituation zu reflektieren. Das ist auch ein wichtiges Angebot, wo Kirche mit dem Staat unterstützt, damit Menschen auch heute das Leben in Fülle erleben können." Auch Hilfe für alleinerziehende Elternteile wird in der „Kategorialen Seelsorge“ angeboten.
Durch die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Familien besuchen und begleiten, gelingt auch hier wichtige Seelsorgearbeit. "Da kommen auch wieder Glaubensgespräche auf, das sehen wir bei den Senioren, die eine wichtige Aufgabe darin haben, Enkelkindern etwas von ihrem Glauben zu erzählen", weiß KtS-Geschäftsführer Wiesauer. Daher gibt es im Bereich der Seniorenpastoral einen neuen Bereich der Vermittlung von älteren Menschen zu Kindern, die in Zukunft mehr Platz erhält.
Unlängst erfolgte eine Klausur der Verantwortlichen der "Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien2 mit den hauptamtlichen Mitarbeitern, dabei wurde ein roter Faden entwickelt, an dem sich die Seelsorgearbeit orientiert. Im Mittelpunkt steht, so Geschäfstführer Wiesauer: "Initiative ergreifen, um Menschen zu begleiten, die Frucht bringen kann."
In den Grundsätzen der Kategorialen Seelsorgearbeit, die 2004 definiert wurden, findet sich, dass diese "an Orten und zu Zeiten, wo Menschen dies besonders suchen, oder gar nicht damit rechnen, erfolgen kann", erinnert Geschäftsführer Wiesauer. "Wir haben am neuen Wiener Hauptbahnhof im ShopBereich einen Kapellenraum von der ÖBB gepachtet, der als katholische Kapelle ein Raum der Stille sein soll", so Wiesauer. Dort, wo täglich zehntausende Menschen durch den Bahnhof eilen werden, möchte man einen Gegenpol setzen. "Diesen verstehen wir als Ort, wo Gott wie im brennenden Dornbusch – so unser theologisches biblisches Motto dafür – die Zusage gibt: 'Ich bin da'", unterstreicht Wiesauer. Meditation, Gebetsimpulse wie auch eine wöchentliche Heilige Messe werden ab Mitte Oktober 2014 am neuen Wiener Hauptbahnhof angeboten werden. Für diese Initiative benötigt man noch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter (kat.seelsorge@edw.or.at).