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01.08.2019 · Aus der Diözese · Andersspr.Gem.

„Bei unseren Gottesdiensten geht einem das Herz auf“

Kirche Am Hof (Wien 1) Hier feiern die katholischen Kroaten in Wien seit 50 Jahren ihre Gottesdienste, hier wirken die Franziskaner aus Kroatien in der Seelsorge.

Seit 60 Jahren gibt es die Seelsorge für katholische Kroaten in Wien. Seit 50 Jahren feiern die Kroaten in der Kirche Am Hof ihre Gottesdienste. Anlässlich dieses Jubiläums sprach der SONNTAG mit Gläubigen der „Kroatischen Katholischen Mission“: über das Christsein heute und morgen, über Chancen und Herausforderungen.

 

 

Es ist ein heutzutage nicht alltägliches Bild, wenn sonntags gegen 8.45 Uhr plötzlich viele Menschen, alte wie junge, in Richtung Kirche strömen. Beim Gottesdienst um 9 Uhr ist die Kirche Am Hof (Wien 1) voll, viele Kroatinnen und Kroaten haben eigene Klappsesselchen mitgebracht, um sitzen zu können. Um 10.45 Uhr wiederholt sich das Bild, jetzt strömen noch mehr in die Kirche zum Hauptgottesdienst. Ähnlich ist es am Sonntagabend, wenn vor allem Jugendliche die Messe mitfeiern.

 

Seit 60 Jahren gibt es die von kroatischen Franziskanern geprägte und getragene Kroatische Katholische  Mission in Wien, seit 50 Jahren feiern die Kroaten in der Kirche Am Hof, wo zugleich das Seelsorgezentrum ist. Der SONNTAG hat nach einer Sonntagsmesse mit Mitgliedern dieser anderssprachigen Gemeinde, die auf Kroatisch ihre Gottesdienste feiert, gesprochen.


Ehevorbereitung an vier Abenden

Zdenko Hrgic, 46 Jahre alt, ist seit 1991 in der Kroatischen Mission Am Hof engagiert. Gemeinsam mit seiner Frau Marta Hrgic ist er seit zwei Jahren zuständig für die Ehevorbereitungskurse. Marta, 41 Jahre alt, ist seit 1993 in Wien. Sie haben vier Kinder, das fünfte Kind ist „unterwegs“, wie Marta sagt. „Es gibt immer fix fünf Ehevorbereitungskurse im Jahr bei uns, mit jeweils vier Abenden. Pro Kurs kommen so an die 15 bis 20 Paare.

 

Hier wird die Vorbereitung gemacht“, betont Zdenko Hrgic: „Ungefähr ein Drittel heiratet dann in der Kirche Am Hof, die anderen in Wien und niederösterreichischen Pfarren.“ „Bei diesen vier Abenden sprechen ein Priester, dann ein Arzt, eine Psychologin und wir als Ehepaar“, zählt Marta Hrgic auf. „Wir freuen uns, dass sich die jungen Menschen noch trauen, diesen großen Schritt in die Ehe zu wagen und zu machen“, sagt Zdenko Hrgic: „Besonders schön ist es, wenn sie dann als junge Familien mit den Kinderwägen in die Kirche kommen.“

 

Den beiden ist die Glaubensweitergabe in der Familie und in der Kirche wichtig. „Ich möchte, dass meine Kinder hier aufwachsen und mitleben in der kroatischen Gemeinschaft“, unterstreicht Marta Hrgic. Zdenko Hrgic ergänzt: „Obwohl in unserer Pfarrgemeinde überwiegend kroatischsprechende Katholiken zuhause sind, die ursprünglich aus über 150 verschiedenen Pfarren, mehrheitlich aus Bosnien und Herzegowina, aber auch aus Kroatien, Montenegro und aus der serbischen Provinz Vojvodina kommen, ist die Kroatische Mission hier in Wien unser gemeinsamer Nenner.

 

Ich hoffe auch, dass für uns und unsere Kinder Jesus Christus der Grund unseres Zusammenkommens Sonntag für Sonntag bleibt.“


Muttersprache als Teil des Lebens

Jelena Budiša unterrichtet als Religionslehrerin an mehreren Schulen in Wien. Sie ist seit 1990 in der Kroatischen Mission. „Die Verbindung zwischen der österreichischen Kirche und der Kroatischen Mission ist eine schöne Sache“, sagt sie. Oft vertritt sie auch die Priester und Ordensfrauen bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Sie ist „froh, dass sie Teil der Mission ist, denn das sind unsere Wurzeln“.

 

Für Jelena Budiša ist es „eine große Herausforderung, den Glauben hinauszutragen, und ihn unermüdlich zu bezeugen“. Wichtig sei es, „zu beten und auch etwas zu tun“. Der Sonntagsgottesdienst in der Kirche Am Hof ist ihr sehr wichtig. Jelena Budiša: „Die Messe in der kroatischen Sprache mitzufeiern ist etwas ganz Wertvolles. Diese Muttersprache ist Teil unseres Lebens, darauf werde und will ich nie verzichten.“

 

Der Sonntag als „Pflichttermin“

Bau-Ingenieur Ivica Budiša lebt seit 1991 in Wien. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er „mit der umfangreichen Sanierung der Kirche Am Hof“. Seitdem es einen Pfarrgemeinderat gibt in der Kroatischen Mission, ist er dort aktiv, zwei Perioden als stellvertretender Vorsitzender, einige Perioden als einfaches Mitglied.

 

Er bemüht sich um „eine Verbindung zwischen der Kirche und dem alltäglichen Leben der Menschen“. Ivica Budiša: „Wir müssen für die Zukunft darauf achten, dass auch die kroatische Sprache in der Liturgie und praktischen Arbeit der Katholischen Mission weiterlebt. Und natürlich auch im Rahmen des Kulturangebots. Vorträge, Lesungen, Konzerte. Unsere Jugend spricht ja schon mühelos Deutsch und Kroatisch.“

 

Auch für Ivica Budiša hat der Sonntag eine eigene Prägung. „Es ist fast ein Muss, den Gottesdienst in der kroatischen Muttersprache sonntags mitzufeiern und sich hernach auch zu treffen“, sagt er.


Vom Leben in zwei Welten

Andrea Peric ist bereits in Wien geboren, sie ist 22 Jahre alt. „Die Kroatische Mission ist meine Heimatpfarre“, betont sie. Sie macht die Ausbildung für das Lehramt für Volks- und Sonderschule. Andrea war jahrelang in der Franziskaner-Jugend tätig, seit zwei Jahren ist sie auch im Pfarrgemeinderat.

 

Sie liebt „diese zwei Welten, die Katholische Kroatische Mission und zugleich den Freundeskreis in Wien“. Auch sie betont die „kroatischen Wurzeln“: „Es gehört zu meinem Leben, jeden Sonntag in den Gottesdienst in der Kirche Am Hof zu kommen.“

 

Denn, so die Begründung von Andrea Peric: „Bei der Messe in der Katholischen Kroatischen Mission geht einem das Herz auf, nicht nur, weil man die Muttersprache hört. Gott sei Dank feiern sehr, sehr viele die Gottesdienste hier in der Kirche Am Hof mit. Es ist ein starkes Gefühl, mit 500 bis 1.000 Menschen Gottesdienst zu feiern.“


Die Kroaten und der Fußball

1972 kam Marko Iljic im Alter von neun Jahren nach Wien. Er war dann beim Papstbesuch 1983 in Wien aktiv dabei. 1986 gründete er als „leidenschaftlicher Fußballspieler“ bei der Sportgemeinschaft UKJ, der Union Katholischer Jugend, mit Freunden den Fußballklub „HSKD Croatia“, den es mittlerweile seit 33 Jahren als Pfarr-Mannschaft gibt.

 

Marko Iljic sieht „gegenwärtig eine neue Zuwanderungswelle an Kroaten hier in Wien, für die die Kroatische Mission am Hof die wohl erste und wichtigste Anlauf- und Ansprechstelle ist. Die kroatischen Vereine hier in Wien bilden ein zweites Netzwerk.“

 

Was Marko Iljic an der Katholischen Kroatischen Mission in Wien so liebt? „Ich schätze diese emotionale Dimension der Muttersprache, in der Jugend wie auch im Alter. Es ist einfach diese sprachliche Heimat, die für uns Kroaten so wichtig ist“, sagt er.


Neue Generationen in der Kirche

Pavo Lubar, er kam 1991 als Zwölfjähriger nach Wien, ist aktuell der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende. „Für uns war die Kroatische Mission immer der Dreh- und Angelpunkt“, sagt er: „Sie war und ist wie ein Ersatz für unser Zuhause in Kroatien, das wir verlassen mussten.“

 

Seit 15 Jahren ist er im Pfarrgemeinderat. Der ausgebildete Betriebswirt versteht sich als „Schnittstelle zur Erzdiözese als auch zu den anderen Pfarren“. Das Leben der Familie spielt sich „zum einen in der Kroatischen Mission, zum anderen in unserer Wohnpfarre Maria Enzersdorf ab“, erzählt er.

 

„Es gibt jetzt in der Kroatischen Katholischen Mission neue Herausforderungen im Unterschied zur Zeit vor, 20, 30 Jahren“, sagt Pavo Lubar: „Wir haben unterschiedliche Generationen in der Kirche, einerseits junge Familien, andererseits Menschen, die ins Pensionsalter gekommen sind. Auf die Unterschiedlichkeit der Lebenssituationen ansprechend zu reagieren, ist eine große Aufgabe.“

 

„Viele der 35.000 auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien lebenden Kroatinnen und Kroaten sind hier in Österreich mit den örtlichen Pfarren, wo sie leben, verbunden“, weiß Pavo Lubar: „Die Generation, die bereits hier aufgewachsen ist, war oft auch schon bei der Katholischen Jungschar in ihrer Wohnpfarre engagiert.“

 

„Einmal im Monat feiert meine Familie in unserer Wohnpfarre den Gottesdienst mit“, erzählt Pavo Lubar: „In der Kirche Am Hof schätze ich auch den Rosenkranz vor der Messe. Diese Gemeinschaft, diese Verbundenheit in den vielen vertrauten Gebeten, die trägt mich einfach.“

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
01.08.2019
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Weitere Informationen:

Altarraum der Kirche am Hof; Hochaltarbild:  "Maria, umgeben von den neun Chören der Engel"

 

Messen und Zahlen

Gottesdienste in den „Filialen“: Gottesdienste werden (von September bis Juni) in kroatischer Sprache abwechselnd auch in

Atzgersdorf (Wien 23),

Berndorf-St. Veit,

Korneuburg,

Möllersdorf,

Markt Piesting,

Raasdorf,

Schwechat,

Stockerau,

Strasshof an der Nordbahn,

Ternitz und in

Theresienfeld

gefeiert.   

 

Taufen bis Kommunionen:

Im Jahr 2017 gab es in der Kroatischen Katholischen Mission 171 Taufen,

24 Trauungen (viele heiraten allerdings meist in den örtlichen Gemeinden),

127 Erstkommunionkinder,

277 Firmlinge,

44 Begräbnisse.

Es wurden über 157.000 Kommunionen gespendet.


Die pastorale Arbeit der Kroatischen Katholischen Mission liegt in den Händen von vier Priestern der Franziskaner-Provinz Zagreb und vier  Schwestern der Franziskaner-Provinz Sarajevo.

 


 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

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Mein neues Leben -  Sr. Veronika Maria Petri

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Flüchtlingsfrage im Zentrum des "Sonntags der Völker"

Weihbischof Scharl erinnert an Papstbotschaft.

Joseph Kalathiparambil, Sebastian Kurz, Franz Scharl & al. / Fremdsprachige Gemeinden

"Sonntag der Völker" wirbt für gerechteren Umgang mit Migranten

Solidarität für Migranten: Mehrsprachige Gottesdienste in ganz Österreich am 28. September 2014.

Gotteshaus wird an syrisch-orthodoxe Kirche übergeben

Bisherige Wiener Pfarrkirche "Maria vom Berge Karmel" wird geistliche Heimat für syrisch-orthodoxe Christen.

Papst in Korea: Wiener Pfarrer hofft auf Signal der Versöhnung

Kirche in Korea "Bollwerk für Menschenrechte und Freiheit".

Gebet zur ukrainisch-polnischen Versöhnung

Feier gegen das Vergessen im Stephansdom zum 70. Jahrestag der Wolhynischen Tragödie

Sonntag der Völker: Migration - Pilgern im Glauben

In der Kirche gibt es keine Fremden.

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