Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung
Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung
Verantwortung sei der Schlüsselbegriff bei Fragen des Umweltsschutzes, sind sich Vizekanzler Kogler und Weihbishof Turnovszky einig. Turnovskzy betont die besondere Verantwortung für die Schwächsten : die "noch nicht Geborenen".
Am 10. August 2023 trafen sich Weihbischof Stephan Turnovszky und Vizekanzler Werner Kogler mit Vertretern der Pfarre Stockerau zu einem informellen Gedankenaustausch über Schöpfungsverantwortung und Umweltschutz und deren konkrete Implikationen vor Ort. Mit dabei waren auch Andrea Völkl, die Bürgermeisterin von Stockerau und Markus Gerhartinger vom Umweltbüro der Erzdiözese Wien.
Weihbischof Stephan Turnovszky eröffnete das Treffen mit grundsätzlichen Gedanken zur Schöpfungsverantwortung aus biblischer, christlicher Perspektive. Wenn Christen den Ausdruck "Schöpfung" bevorzugen, dann aus der Überzeugung heraus, dass es einen Schöpfer gibt, der die Welt mit Absicht und Sinn gefüllt hat. Auch der Begriff "Verantwortung" weise in diese Richtung: „Unser Leben hat Antwortcharakter auf Initiative Gottes. Und wir leben nicht aus Willkür heraus, sondern wir sind zu Verantwortlichkeit gerufen“, so Turnovszky.
Besonders betonte der Wiener Weihbischof die Verantwortung des Menschen im Blick auf die zukünftigen Generationen. Er zitierte die Enzyklika "Laudato si‘" von Papst Franziskus: „Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen.“
Der Weihbischof betonte, dass Verantwortung der Gesellschaft und der Kirche, bedeute, ganz besonders schwächere Menschen zu schützen. Er präzisierte : “Die schwächsten Menschen sind die Menschen der künftigen Generationen, die heute noch nicht gezeugten Menschen. Das sind die Allerschwächsten, weil sie keine Lobby haben. Es sei mir gestattet, in diesem Zusammenhang auch zu erwähnen, dass die Kirche gerade auch deshalb die ungeborenen Menschen schützen möchte und auch deren Mütter, wenn sie besonderer Hilfe bedürfen. Das entspricht alles derselben Motivation, nämlich die Schwächsten zu schützen. Die Allerschwächsten sind die noch nicht gezeugten Menschen nächster Generationen. Es ist unverantwortlich, ihnen einen Müllberg zu hinterlassen und zu sagen: Schaut zu, wie ihr zurechtkommt!“ Umweltschutz, so Turnovszky sei daher ein Ausdruck der Nächstenliebe.
Vizekanzler Werner Kogler würdigte die Bemühungen der Kirche im Bereich des Umweltschutzes und betonte die Wichtigkeit einer breiten Perspektive, die über den reinen Klimaschutz hinausgeht. Er ermutigte zu einer gesellschaftlichen Debatte über den zukünftigen Lebensstil und den sinnvollen Einsatz erneuerbarer Energiequellen. Der Vizekanzlerforderte dabei, sorgsam mit den Freiheitsrechten umzugehen und ökologische Maßnahmen nicht auf Kosten von persönlichen Freiheiten durchzusetzen.
Er betonte die Herausforderungen, die mit Schöpfungsverantwortung, Umweltschutz und gesellschaftlicher Verantwortung einhergehen und wies auf die komplexe Beziehung zwischen Natur und Mensch hin, über die etwa Aristoteles nachgedacht habe. Dieser habe bereits das Verhältnis von Wert und Wertschöpfung in der Natur erkannt und in Begriffe gefasst.
Besonders griff Kogler den Begriff „Verantwortung“ auf, der auch mutige Entscheidungen miteinschließe, gerade "in einer Zeit der einfachen und deshalb falschen Antworten“. Er sprach von der Demarkationslinie zwischen Demokratie und Autokratie, von alten und neuen Denkmustern und der Notwendigkeit, einen neuen Verstand zu entwickeln, der Mensch und Umwelt gleichermaßen begreift. Beeindruckt zeigte er sich von der jüngsten Rede von Papst Franziskus auf dem Weltjugendtag 2023 in Lissabon, nicht Verwalter von Ängsten, sondern Unternehmer von Träumen, zu sein.
Kogler betonte, dass die Lösungen für die komplexen Probleme in der Verbindung von Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung liegen, und dass es entscheidend sei, diese Zusammenhänge in den konkreten Herausforderungen im Blick zu haben.