In St. Gabriel werden nicht nur Missionarinnen und Missionare für die Weltkirche ausgebildet. Das Haus ist auch temporäres Heim für Flüchtlinge.
In St. Gabriel werden nicht nur Missionarinnen und Missionare für die Weltkirche ausgebildet. Das Haus ist auch temporäres Heim für Flüchtlinge.
Abtpräses Haidinger betont in Festgottesdienst die Notwendigkeit eines Reagierens auf die großen Veränderungen in der Kirche Europas.
Das größte katholische "Missionszentrum" Österreichs, das vom Orden der Steyler Missionare (SVD) geleitete Missionshaus St. Gabriel in Maria Enzersdorf, ist 125 Jahre alt. Bei einem Festgottesdienst am Samstag, 25. Oktober 2014, würdigte Abtpräses und Superiorenkonferenz-Vorsitzender Christian Haidinger die Leistungen der von St. Gabriel entsandten 2.500 Weltkirche-Missionare, er hob aber auch die von der SVD- Ordensleitung getroffenen neuen Weichenstellung hervor. "Wenn uns Orden vorgeworfen wird, dass wir angeblich zu wenig Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, dann seid ihr eine leuchtendes Beispiel für das, was tatsächlich in diesem Bereich geschieht", so Haidinger. St. Gabriel sei aktuell temporäre Heimat für 140 Flüchtlinge, davon 40 unbegleitete Jugendliche, die persönlich betreut würden.
Der Abtpräses betonte die Notwendigkeit eines Reagierens auf die großen Veränderungen in der Kirche Europas. St. Gabriel habe seine Priesterausbildungsstätte schließen müssen, weil zu wenig Nachwuchs da sei. "Die Zeiten sind anders geworden. Wir spüren das. Nicht nur die Berufungen zum Priester- und Ordensleben sind zurückgegangen, sondern es gibt auch einen Gläubigenmangel. Auch wir Orden müssen deshalb schauen, wie wir das Charisma unserer Gründer für die Zeit heute verwirklichen."
Dabei sei die Entscheidung der Leitung von St. Gabriel, eine "Neugründung" im Sinne einer Neuaufstellung zu vollziehen, ein guter Schritt. Leitmotiv müsse dabei, so Haidinger, das Motto von SVD-Gründer Arnold Janssen bleiben: "Die Verkündigung des Evangeliums ist das erste und höchste Werk der Nächstenliebe".
Das vor 125 Jahren vom Hl. Arnold Janssen (1837-1909) errichtete österreichische Ordenshaus der Steyler Missionare (SVD) in Maria Enzersdorf (NÖ) gilt als Zentrum der österreichischen Missionstätigkeit. Das Jubiläum erinnerte an die Grundsteinlegung im Jahr 1889 durch den aus dem Rheinland gebürtigen Janssen. Er hatte St. Gabriel als zweite Niederlassung seines Missionsordens "Societas Verbi Divini" 14 Jahre nach dem Mutterhaus in Steyl (Niederlande) gegründet. Das Missionshaus diente über mehrere Jahrzehnte als zentrale Ausbildungsstätte der Priesterseminaristen des Ordens. In der Zwischenkriegszeit wohnten bis zu 650 Steyler Missionare in St. Gabriel.
Inzwischen ist die Gemeinschaft der Steyler Missionare, was die Herkunft ihrer Mitglieder betrifft, multinational geworden. Weltweit umfasst der Orden, dessen Schwerpunkte heute die Philippinen, Indonesien und Mexiko sind, 6.000 Mitglieder.
SVD-Provinzial P. Josef Denkmayr stellte beim Festakt das neue Konzept von St. Gabriel vor. Das Haus und das Klosterareal würden außer der Ordens-Wohneinheit für die Menschen der Nachbarschaft geöffnet. Verschiedene "Lebenswelten" - Kindergarten, Schule, Jugend-Aktivitäten, innovative Betriebe, Kunst, Dialog und Pflegestation - sollten in St. Gabriel ihre Heimat haben. Eingeweiht wurde am Samstag auch der Umbau des Wohnbereichs für Ordensleute. 20 behindertengerechte Wohneinheiten wurden errichtet.
St. Gabriel steht laut Denkmayr für eine weltoffene, solidarische Kirche, die sich evangeliumsgemäß für die Menschen in Österreich und in den Armutsregionen der Welt einsetzt. Ein neuer Schwerpunkt des Ordens in Österreich sei mittlerweile die Migrantenseelsorge geworden.
Missionshaus St. Gabriel
Gabrielerstr. 171
2340 Maria Enzersdorf
Österreich
Telefon: +43 (0) 2236 803 213
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