Tägliches Morgenlob im Innenhof des Bildungshauses Großrußbach, einmal beim neuen Labyrinth.
Tägliches Morgenlob im Innenhof des Bildungshauses Großrußbach, einmal beim neuen Labyrinth.
5 Eucharistiefeiern an unterschiedlichsten Orten, vier Pilgerwanderungen und drei Vorträge prägten den diesjährigen Weinviertler „Bibelweg“ zum Thema „Aufbrüche mit Mose“. „Der Sonntag“ war vom 4. bis 8. August dabei.
Als „Einübung ins Kirche-Sein“, als „Exerzitium“ („Übungszeit“) bezeichnte Bischofsvikar und Weihbischof Stephan Turnovszky am 4. August in der Wallfahrtskirche Karnabrunn den 3. Weinviertler „Bibelweg“. Die mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pilgerten abends vom Bildungshaus Großrußbach zur traditionsreichen Dreifaltigkeits-Wallfahrtskirche. „Kirche ist dazu da, dass sie den Menschen hilft, ein Leben in Verbundenheit mit Gott zu führen, um in den Himmel zu gelangen und ein Leben in Fülle vor dem Tod zu führen“, sagte Turnovszky. Berufene wie Petrus oder Mose hätten ihre Berufung „nicht für sich selbst, sondern für andere“. Zwei Fragen gab er den Pilgerinnen und Pilgern mit: „Wie geht es Menschen, die erwählt sind von Gott für andere?“ und: „Wie geht es uns im Umgang mit den Erwählten?“
Mit einem fulminanten Vortrag zum Thema „Verheißen – Wer ist Mose?“ führte der Leitzersdorfer Pfarrer und Professor an der KPH Wien-Strebersdorf, Franz Ochenbauer, am 5. August in die Mose-Geschichte ein. Die Bibel sei „ein Glaubensbuch für Glaubende und doch ist auch Geschichte im Hintergrund“, unterstrich Ochenbauer. Er nannte die Perle, die sich bei der Entstehung um ein Staubkorn bildet, als Beispiel. Das Staubkorn sei „die Geschichte“, die Perle dann „die Theologie“. Ochenbauer bettete die Mose-Geschichte in die ersten fünf Bücher der Bibel, in den Pentateuch, ein. In Zeiten der Unterdrückung, die das Volk Israel seit dem Untergang des Nordreiches (722 v. Chr.) und später des Südreiches (586 v. Chr.) bis zur Staatsgründung 1948 erlebt hatte, sei „der Blick in die Geschichte hilfreich, damals und heute“.
Vom 5. bis 7. August konnten sich die Teilnehmenden bei drei Workshops engagieren: Christine Macher stellte beim Workshop „Biblische Figuren“ mit den mitmachenden Frauen die bekannten „Egli-Figuren“ her, Eva Kroner lud zum Malen eines „Biblischen Bildes“ und Dechant P. Karl Seethaler OT leitete das „Bibel-Teilen“, begleitet von „Bibel-Liedern“, angeleitet von Josef Schwaiger. Abends feierte Bischofsvikar Turnovszky in der restaurierten Kapelle in Hipples einen Gottesdienst, nachdem die Teilnehmer bei hochsommerlichen Temperaturen dorthin gepilgert waren.
Unter dem Motto „Verlockt“ beleuchtete Rita Perintfalvi vom Katholischen Bibelwerk am 6. August die Wüstenwanderung des Volkes Israel anhand von vier markanten Stellen der Mose-Geschichte: Wolke und Feuer (Exodus 13,17-22), Brot/Mann, Wachteln und Murren (Exodus 16,1-21), das goldene Kalb (Exodus 32,1-35) und die Auflehnung/Rettung trotz Strafe, die Schlange aus Kupfer (Numeri 21,4-9). Neben einer Bild-Meditation stellte sie Fragen zu den Bibeltexten, die auch für Daheimgebliebene betrachtenswert sind: „Wie kann ich die Gegenwart Gottes in der Wüste des Lebens spüren? Wie kann ich im Hier und Jetzt leben? Wie kann ich die Gelassenheit des Glaubens leben? Was ist mein goldenes Kalb? Ist Gott barmherzig oder eher gerecht für Sie?“
Wolfgang Schwarz, Leiter des Katholischen Bibelwerkes (das Bibelwerk hatte den „Bibelweg“ inhaltlich mitgestaltet) zeigte in einem fast zweistündigen „Vortrag“ im Rahmen eines Workshops ausgehend von der Verwandlung („Verklärung“) Jesu (Markus 9,1-10) die innere Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Ohne ein Wissen um die Bedeutung der beiden biblischen Gestalten Elija und Mose, die bei der „Verwandlung“ anwesend waren, sei diese biblische Geschichte nicht verstehbar. Für Schwarz sind die Geschichten des Evangelisten Markus „Stories gegen die Angst“. „Klezmer trifft Bibel“ – unter diesem Stichwort traf abends in der Pfarrkirche Großrußbach Musik auf Wort: Prälat Matthias Roch kommentierte vorgetragene Texte aus dem Buch-Exodus, die Gruppe „Kapelush“ bot ihre „Hochzeitslieder“ musikalisch dar.
Einen Blick auf die alttestamentliche Mose-Geschichte aus der Perspektive des Neuen Testaments bot am 7. August der Marchegger Pfarrer P. Antal Jankovich csj von der Johannes-Gemeinschaft in Marchegg in seinem Vortrag zum Thema „Verbunden – Unterwegs als Kirche“. Mose sei „Figur und Vorbild für Christus, Fürsprecher und Retter und Gesetzgeber“, sagte P. Antal: „Christus, der neue Mose, bringt das neue und endgültige Gesetz.“ Am Abend des 7. August wurde zum „Ochys“-Kletterpark am Rande von Großrußbach gepilgert. In dieser „Kathedrale im Grünen“ feierte Bischofsvikar Turnovszky einen beeindruckenden Gottesdienst unter freiem Himmel, umgeben vom Grün des Waldes.
Mit der Erstbegehung und Segnung des neu geschaffenen „Bibelweges“ in Gaubitsch erreichte der diesjährige „Weinviertler Bibelweg“ seinen Höhepunkt. Dechant und Pfarrer Christian Wiesinger führte am 8. August durch Kirche und Pfarrhof. Bei 35 Grad gingen mehr als 120 Pilgerinnen und Pilger diesen ausgezeichnet ausgeschilderten „Gaubitscher Bibelweg“ (der Start ist bei der Kirche), ein Rundweg mit ca. 7,5 Kilometer Streckenlänge, der mit 7 Stationen rund um durch die Ortschaft führt. Bischofsvikar Turnovszky erinnerte an das „Unterwegs-Sein mit der Bibel“. Auf dem Weg durch die Zeiten seien die Christen jene, „auf die man sich verlassen kann“. Beim abendlichen Festgottesdienst lud Turnovszky die Mitfeierden angesichts der Situation der Flüchtlinge ein, „neu die Ärmel aufzukrempeln und handfeste Hilfe auch mit Hilfe der Pfarr-Caritas zu leisten“.
Wie die Teilnehmenden den Weg erlebt haben? „Ich war dabei, als wir trotz abendlicher Stunde von Großrußbach nach Karnabrunn pilgerten! Es war heiß! Dabei auch beim fulminanten Vortrag von Prof. Ochenbauer über ,Verheißen – Wer ist Mose?’ Das war cool!“, sagt Margarete Höld, Pfarre Groß-
ebersdorf: „Der Pilgerweg und die Messe in der von der Ortsbevölkerung wunderschön renovierten Filialkirche von Hipples! Es war extrem heiß! Ich war glücklich und froh dabei zu sein in der Pfarrkirche Großrußbach bei ,Musik und Wort – Klezmer trifft Bibel’ mit der Gruppe Kapelush. Das war megacool.“
Für Fachinspektorin Christine Edlinger gab es beim „Bibelweg“ „interessante Vorträge, Zeit für Gemeinschaft, Zeit für sich, Zeit zur Anbetung und für Kreativität und Zeit, um die Seele baumeln zu lassen, Fragen zu stellen und Antworten zu finden“. Sie blickt „dankbar auf diese Tage zurück, sie waren Kraftquellen für Körper, Geist und Seele“.
„Der Bibelweg gab mir die Gelegenheit, meinen Glauben zu stärken und neue Menschen kennenzulernen“, sagt Rosi Klepp, Pfarre Eggendorf am Walde: „Beim gemeinsamen Singen, Beten und bei den Vorträgen erfuhr ich mehr über Moses und seine Rolle in der Bibel. Bei den Pilgerwanderungen ergaben sich oft interessante Gespräche“.
„Durch die Auseinandersetzung mit den Mose-Texten, den spirituellen Angeboten, den Workshops und den bereichernden Gesprächen und Begegnungen mit Gleichgesinnten ist mir vertieft bewusst geworden, immer als pilgernde Kirche unterwegs zu sein“, erzählt Anita Hummer, Pfarre Ollersdorf: „So konnte ich aus dieser Woche wieder Kraft schöpfen für meine Familie, für meinen Beruf und für die Aufgaben in der Pfarre.“
„Die Lebensgeschichte des Mose zählt für mich zu den außergewöhnlichsten des Alten Testaments. Als Vorbild und Orientierungsfigur war er in meinem Glaubensleben immer präsent“, sagt die stv. Vorsitzende des Vikariatsrates Unter dem Manhartsberg, Helga Zawrel: „Gott will seine Geschichte mit uns Menschen schreiben, heute und damals.“ „Ich bin bei dir und mit dir“ – diese Zusage will Zawrel „in Zukunft bei meinen Aufgaben, Entscheidungen, Glaubensgesprächen bewusster in mir tragen, besonders dann, wenn ich an einer schweren Wegkreuzung stehe“. Auch „Achtsamkeit“ und „Aufmerksamkeit“ werden laut Zawrel „gefragt“ sein: „Es gibt um mich Wegbegleiter, Erlebnisse, Feiern, die es mich immer wieder spüren lassen. Ich muss nur all meine Sinne wieder öffnen und pflegen.“
Biblische Figuren: Unter der fachkundigen Anleitung von Christine Macher, die auch den "Moses" für den "Bibelweg" geschaffen hat, fertigten die Teilnehmerinnen ihre biblischen Figuren. - Pfarrer und Professor Franz Ochenbauer hielt den Eröffnungsvortrag.
Der neu eröffnete Gaubitscher Bibelweg
Bildungshaus Schloss Großrußbach
Weitere Informationen zu "Der Sonntag" die Zeitung der Erzdiözese Wien