Michael Prüller im Vorfeld der „Geste der Verantwortung“ im Parlament.
Michael Prüller im Vorfeld der „Geste der Verantwortung“ im Parlament.
Blog von Michael Prüller in der Zeitung der Erzdiözese Wien „Der SONNTAG“.
Am kommenden Donnerstag werden im Parlament in einer „Geste der Verantwortung“ Vertreter von Staat und Kirche, darunter Kardinal Schönborn, des Missbrauchs und der Gewaltanwendung in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen gedenken. Ein Schlussstrich unter das Thema Missbrauch, wie manche vermuten? Sicher nicht. Die Aufarbeitung der Vergangenheit und die Sorge um eine bessere Zukunft gehen weiter.
Im Umfeld der Gedenkveranstaltung wird auch wieder Kritik an der sogenannten Klasnic-Kommission laut, die von der Kirche im Jahr 2010 eingesetzt wurde, um zu entscheiden, wer von ihr als Opfer Geld und medizinische Hilfe zugesprochen bekommen soll. Dazu grundsätzlich: Die Klasnic-Kommission verlangt nicht nach Beweisen und vernimmt auch keine Beschuldigten. Sie beauftragt nur einen Gutachter festzustellen, ob die Angaben eines Hilfesuchenden prinzipiell glaubwürdig sind. Wenn ja – und das war bisher in über 90 Prozent der Fälle so –, dann hilft die Kirche. Es ist allen klar, dass dabei wohl auch der eine oder andere Unberechtigte Geld bekommt. Aber über die staatlichen Gerichte würden viele Opfer gar nichts mehr bekommen, weil die Täter schon verstorben oder die Taten längst verjährt sind. So hat die Kirche entschieden: Lieber zahlen wir einmal einem Unberechtigten, als dass ein Berechtigter leer ausgeht.
Wirkliche Gerechtigkeit kann daher auch eine solche Kommission nicht herstellen. Daher ist es wohl unvermeidlich, dass es auch jene gibt, die mit ihr unzufrieden sind und sich und ihr Leid nicht ausreichend anerkannt sehen, auch wenn die Klasnic-Kommission ihre Hilfeleistungen an den gerichtlichen Schadenersatzhöhen orientiert. Diesen Stachel können wir nicht loswerden: Auch wenn die Kirche versucht, sich den Missbrauchstaten so gut wie möglich zu stellen, wird es immer ungenügend sein. Zu tief gehen viele Wunden.