Kardinal Schönborn mit der deutschen Ausgabe des „YOUCAT for Kids“.
Kardinal Schönborn mit der deutschen Ausgabe des „YOUCAT for Kids“.
Auch Kardinal Christoph Schönborn nahm am Welt-Familien-Treffen im August in Dublin teil. Im SONNTAG-Gespräch erzählt er vom Besuch des Papstes im Wallfahrtsort Knock, von der Präsentation der englischsprachigen Ausgabe des „YOUCAT for Kids“ und vom Schreiben „Amoris laetitia“, das das Welt-Familientreffen prägte.
Auf seiner Irlandreise ist Papst Franziskus am 26. August auch nach Knock geflogen. Ich selber war wenige Tage zuvor auch dort“, sagt Kardinal Christoph Schönborn im SONNTAG-Gespräch.
„Knock ist der wichtigste Wallfahrtsort von Irland. Er geht zurück auf eine einzigartige Erscheinung, die sich am 21. August 1879 ereignet hat.
Die Leute haben damals ein Licht an der Außenwand der Kirche gesehen. Ein Gutteil des Dorfes – Kinder, Erwachsene, Alte – sah eine stumme Erscheinung der Muttergottes, des heiligen Joseph, des heiligen Johannes des Evangelisten und einen Altar, auf dem ein Lamm stand. Und rund um den Altar waren Engel zu sehen“, erzählt unser Erzbischof: „Diese Erscheinung hat zwei Stunden gedauert, ohne eine sprachliche Botschaft, nur die Botschaft dieser Erscheinung, die lebendig war, lebendige Personen.
Die Erscheinung wurde gründlich untersucht und sie wurde kirchlich anerkannt.“ 1979 erlangte Knock weltweite Bekanntheit, weil Papst Johannes Paul II. auf seiner ersten USA-Reise überraschend in Irland einen Zwischenstopp einlegte und Knock besucht hat, 100 Jahre nach der Erscheinung.
Schönborn: „Die Botschaft ist die Heilige Familie – Maria und Joseph und Christus in der Gestalt des Lammes, aber auch die Familie der Kirche, Maria und der Evangelist Johannes, dem Jesus seine Mutter Maria unter dem Kreuz anvertraut hat. Es ist auch das Geheimnis der Eucharistie – das Lamm, das auf dem Altar steht.“
Beim Welt-Familientreffen wurde auch der „YOUCAT for Kids“ präsentiert. „In bewährter Weise hat das YOUCAT-Team eine Kinderversion des YOUCAT geschaffen. Der YOUCAT ist inzwischen in 72 Sprachen übersetzt.
Die Übersetzung des Katechismus der Katholischen Kirche in eine jugendgerechte Sprache ist rund um den Globus ein großer Erfolg geworden“, sagt unser Kardinal: „Das ermutigte uns, einen Kinder-Katechismus zu schaffen, nicht für Kinder allein, sondern als ein Buch, das Eltern und Kinder gemeinsam anschauen und dann gemeinsam über die großen Fragen des Glaubens sprechen. Denn Kinder stellen oft sehr tiefe und treffende Fragen.“
Das Welt-Familientreffen hatte einen starken Akzent auf das große Päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ („Die Freude der Liebe“) über Ehe und Familie gelegt. „Papst Franziskus hat hier ein Zeichen der Ermutigung gegeben. Das Treffen war medial ganz überschattet von der Missbrauchs-Frage. Diese Frage betrifft auch sehr stark das Leben der Familien.
Wenn ein Kind davon betroffen ist, durch einen kirchlichen Missbrauch, dann ist das ein Drama, nicht nur für das Kind, sondern auch für die Familie“, betont Schönborn. „Wie dringend und notwendig Heilung hier ist, ist von Papst Franziskus sehr klar angesprochen worden.
Insofern war das Welt-Familientreffen in Dublin schon auch ein Hinweis darauf, dass die Familie einerseits sehr oft Ort von großen Verletzungen ist, die innerhalb der Familie geschehen oder in die Familie hineingetragen werden, und dass andererseits die Familie der beste Heilungsort ist“, betont der Kardinal: „Dublin hat sicher nicht ein abgehobenes, lebensfernes Bild von Familie gezeigt, sondern Familie mit ihren großen Chancen und großen Gefährdungen und Verletzungen. Und wie sehr der Glaube der Kitt der Familie ist, der die Familie zusammenhält und heilt.“
Angesprochen auf die selektive Wahrnehmung von „Amoris laetitia“ (es wurde oft auf eine Fußnote über die mögliche Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion reduziert), erklärt unser Kardinal: „Das ist die typische Versuchung unserer Zeit: Ein Schlagwort wird herausgegriffen und das ganze übrige Dokument wird nicht mehr gelesen.“
Mit Papst Franziskus betone auch er daher: „Bitte lest das ganze Dokument.“
Papst Franziskus im irischen Knock.
Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris laetitia des heiligen Vaters Franziskus an die Bischöfe, an die Priester und Diakone, an die Personen geweihten Lebens, an die christlichen Eheleute und an alle christgläubigen Laien, über die Liebe in der Familie.
Papstschreiben "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" als pdf zum download.
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