Von links nach rechts: Abt Johannes Jung OSB, Schottenstift; Dr. Wolfgang Fischer (Neffe von Dr. Günther Fischer); MMag. Markus Figl, Bezirksvorsteher Innere Stadt.
Von links nach rechts: Abt Johannes Jung OSB, Schottenstift; Dr. Wolfgang Fischer (Neffe von Dr. Günther Fischer); MMag. Markus Figl, Bezirksvorsteher Innere Stadt.
Absolvent der Schule jüdischer Abstammung war 1943 von den Nationalsozialisten ermordet worden. Erinnerung an Günter Fischer.
Eine Tafel am Gebäude des Wiener Schottengymnasiums erinnert seit Freitag, 9. November 2018 an die Schüler jüdischer Herkunft, die vor dem Jahr 1938 die Einrichtung besuchten. Stellvertretend ist sie einem Absolventen namentlich gewidmet: "In memoriam Dr. Günter Fischer, 1907 Wien - 1943 Auschwitz, Rechtsanwalt, Maturajahrgang des Schottengymnasiums 1925", steht auf der Tafel, die laut einer Aussendung vom Montag im Rahmen eines Festaktes und im Anschluss eines Requiems für das NS-Opfer enthüllt wurde.
Fischer, jüdischer Herkunft und getauft, wohnte nach seiner Matura am Schottenring in der Wiener Innenstadt und wurde nach einer dramatischen Flucht 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Das Andenken an ihn geht auf eine Anregung seines Neffen Wolfgang Fischer (geb. 1933) zurück, der ebenfalls vom Naziregime aus Wien fliehen musste und nach Kriegsende in London Kunstsammler wurde. Für seinen Onkel habe es zuvor weder eine Grab- noch Gedenkstätte gegeben, berichtete Wolfgang Fischer, der als Zeitzeuge den Schülern des Gymnasiums seine Lebensgeschichte erzählte.
Das vom Wiener Benediktinerkloster getragene Schottengymnasium war als konfessionelle Schule nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Herbst 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen und die Schüler in andere Gymnasien verwiesen worden. Die Räumlichkeiten wurden vom Gymnasium Wasagasse verwendet, bis das Schottengymnasium 1945 wiedereröffnet wurde. Wie es seitens des Schuldirektors Josef Harold hieß, sei man Fischer dankbar für seine Intervention; eine permanente Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sei "unabdingbar". Von einer "Verpflichtung" sprach Schotten-Abt Johannes Jung; viele Vertriebene seien schließlich mit der Schule bis an ihr Lebensende freundschaftlich verbunden geblieben.