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25.04.2020 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Frühstück am anderen Ufer

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 26. April 2020 (Joh 21,1-14)

Am anderen Ufer wartet Jesus, am Ufer des anderen, ewigen Lebens, auf das hin wir alle unterwegs sind.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 26. April 2020 (Joh 21,1-14)

Unser Leben ist wie eine Überfahrt. Mit der Geburt, eigentlich schon mit der Empfängnis, beginnt die Lebensreise über die Wasser, mit gutem Wind, durch Stürme und Wellen, auf das Ziel hin, das andere Ufer des Lebens, das Land der Ewigkeit. Das Bild der Überfahrt ist vielen Religionen vertraut, den alten Ägyptern, dem Buddhismus. Alle bewegt die Frage, wie das Schiff des Lebens an Klippen vorbeikommt, den Schiffbruch vermeidet, durch Stürme und Gefahren hindurchsteuert, um schließlich den sicheren Hafen der Ewigkeit zu erreichen. 

 

Warum kommt mir dieses Bild in den Sinn, wenn ich über das heutige Evangelium nachdenke? Es ist die ganz eigene Atmosphäre dieser Morgenstimmung am See Genesareth. Ich habe viele Jahre die Woche nach Ostern am See Genesareth verbracht, gemeinsam mit Bischöfen aus der ganzen Welt. Immer neu war es ein tiefes Erleben, die Begegnungen mit Jesus nach seiner Auferstehung zu betrachten und sie selber im Herzen mitzuerleben. Heuer hindert uns alle Corona am Reisen. 

Blicken wir noch einmal auf die Ereignisse. Die Jünger haben Jesus sehen dürfen. Er ist ihnen erschienen. Er lebt. Die Freude ist groß. Aber das Leben muss weitergehen. Was tun? Zurück zum alten Beruf, den sie verlassen hatten, um mit Jesus zu gehen. Also wieder fischen! Und gleich die Erfahrung, dass sie eine Nacht lang vergeblich die Netze auswerfen. 

 

Da steht im Morgengrauen ein Mann am Ufer und fragt, ob sie Fische haben. Denken sie, er will ihnen von ihrem frischen Fang ein paar Fische abkaufen? Aber sie haben nichts gefangen. Der Fremde sagt, sie sollen es noch einmal probieren. Unfassbar: Das Netz ist randvoll! Da dämmert es ihnen. Das hatten sie doch schon einmal erlebt, damals, ganz am Anfang, als sie alles verließen, um Jesus zu folgen. Johannes erfasst es als Erster: „Es ist der Herr!“ Und Petrus, wie immer ganz spontan, wirft sich ins Wasser und schwimmt zu Jesus ans Ufer. Die anderen kommen nach mit dem Boot und dem Netz voller Fische. 

 

Am Ufer erwartet sie Jesus. Ein Feuer brennt, gebratener Fisch und Brot sind bereit. Jesus lädt sie ein, ganz schlicht: „Kommt her und esst!“ In dieser Morgenstunde frühstücken sie gemeinsam. 

 

Warum kommt mir dabei das andere Ufer in den Sinn, das Ufer des anderen, ewigen Lebens, auf das hin wir alle unterwegs sind? Weil Jesus selber bereits am anderen Ufer ist. Der Auferstandene ist weder zu Fuß noch per Boot an diesen Platz am Ufer gekommen. Er ist heimgekehrt zu Gott, seinem Vater. Die Jünger spüren, dass er „von drüben“ zu ihnen kommt. Sie wagen nicht, ihn zu fragen. Aber sie spüren, dass sie selber auch schon ein wenig „am anderen Ufer“ sind. 

 

Für mich ist Ostern die Ahnung, dass mitten in unserem täglichen Leben, Arbeit, Ruhe, Sorgen, der Auferstandene da ist. Er erwartet uns, lädt uns ein. Er ist „drüben“ und doch ganz nahe bei uns, wie bei diesem Frühstück am anderen Ufer.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Johannesevangelium 21,1-14 

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

 

Kardinal Schönborn

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