kfb-Diözesanvorsitzende Melitta Toth und Pastoraltheologin Regina Polak (v. re) und im Gespräch.
kfb-Diözesanvorsitzende Melitta Toth und Pastoraltheologin Regina Polak (v. re) und im Gespräch.
Mehr als 70 Frauen kamen am 13. September zum „Impuls-Tag“ der Katholischen Frauenbewegung der Erzdiözese Wien ( Thema: „Achtsam & offen zum neuen Wir“) in Wien zusammen.
„Das Zusammenleben in Vielfalt und Verschiedenheit ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts“, betonte die Pastoraltheologin Regina Polak in ihrem Vortrag beim „Impuls-Tag“ der Katholischen Frauenbewegung (kfb) am 13. September in Wien. Das Zusammenleben in „Migropa“ in Gerechtigkeit und Frieden sei „hochaktuell“. Ist doch „der Umgang mit Minoritäten und Immigranten der Gradmesser für eine humane Qualität einer Gesellschaft“, unterstrich Polak. Die soziale Ungleichheit sei „Ursache, dass ethnische Unterschiede zu Konflikten werden, und nicht umgekehrt“.
Migration ist „nicht die Ursache für politische, soziale und kulturelle Probleme“, sondern beschleunige diese. Und mache sie deutlicher sichtbar. Migration sei „ein Segen für die Menschheit“ und eröffne „neue Lernmöglichkeiten“ für Eingeborene. „Menschen können miteinander in Vielfalt und Verschiedenheit leben“, ist Polak überzeugt.
Die biblische Rede vom „Reich Gottes“ sei entscheidend: Der Exodus als ein Befreiungsgeschehen, die neutestamentliche Hoffnung auf Versöhnung zwischen Heiden und Juden in Christus. Den „Turmbau zu Babel“ interpretierte Polak als „Anerkennung von Pluralität“. Denn Gott verhindere „das angestrebte Einheits-Projekt, indem er Vielfalt wieder herstellt.“ Die Christen könnten von Israel „lernen“: „Religiöses Heil gibt es nicht ohne irdisches Heil und nicht ohne Gerechtigkeit.“ Von Jesu Reich Gottes-Lehre könne man lernen, „indem man seiner Praxis nachfolgt“. Der Maßstab der Gerechtigkeit sei „der Umgang mit Witwen, Waisen, Fremden und Armen“, betonte Polak.
Die Kirche sei eine „Lerngemeinschaft“, Jesus selbst habe „gelernt“ (die Tora, den Gehorsam und beim Gespräch mit der syro-phönizischen Frau). Der kirchliche Missionsauftrag sei „ein Lernauftrag“, die matthäischen „Mathetes“ seien „Lernende, Schüler“. Themen des Lernens seien „Katholizität, Weite, Leben in Vielfalt und Verschiedenheit, Einheit und Gerechtigkeit“.
Die Pastoraltheologin plädierte für „Convivenz“ („Zusammenleben“). Diese sei „kein Ersatz für Integration und Multikulturalismus“. Integration ermögliche Teilhabe, führe aber faktisch zu Assimilation. Der Multikulturalismus wiederum führe zu einem praktischen Nebeneinander. „Convivenz“ betreffe das Leben auf einer mittleren Ebene, etwa Gruppe oder Gemeinde. Dabei gehe es um das „Leben teilen, einander im Alltag begleiten“, um ein „wechselseitig voneinander Lernen“ und um das „miteinander Feiern als Verdichtung und Überstieg des Alltags".
„Ich will mich für Frauen engagieren, die nicht ihre Stimme erheben können“, sagt Maria Roth aus der Dom-Pfarre Wiener Neustadt. Sie ist seit mehr als 30 Jahren bei der kfb dabei. Sie setzt sich ein „für Gerechtigkeit, für Bildung, einfach dafür, dass Frauen ein gutes Leben haben“. Und für „Gleichstellung in Gesellschaft und Kirche".
Aloisia Gass ist seit 13 Jahren bei der Katholischen Frauenbewegung in der Pfarre Mistelbach. Die Frauen können hier „mitgestalten“, die Verantwortlichen haben immer „ein offenes Ohr“ für die Anliegen der Frauen. Ein Teil der kfb-Arbeit: Die Kräutersträußchen zu Maria Himmelfahrt. „Heuer waren es 440“, erzählt Gass.
„Es ist mir wichtig, dass Frauen zusammenkommen und Probleme wie auch Schönes besprechen“, sagt Gerda Tiefenbrunner aus der Pfarre Gumpendorf (Dekanat Wien 6/7). Sie ist seit mehr als 30 Jahren bei der kfb dabei, weil sich die kfb „für Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung einsetzt und für soziale Gerechtigkeit“. Tiefenbrunner: „Wenn es uns nicht gibt, würde innerkirchlich nichts weitergehen.“
Katholische Frauenbewegung der Erzdiözese Wien
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