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18.09.2014

Die Sehnsucht nach dem großen Krieg

Missbrauch der Religion im Umfeld des Ersten Weltkriegs: Denn Krieg im Namen Gottes gibt es nicht.

Warum der Schriftsteller Karl Kraus den Ersten Weltkrieg als eine Apokalpyse deutete: Jakob Deibl OSB (am 17.Oktober bei den „Theologischen Kursen“) im Gespräch.

„Seit dem 19. Jahrhundert ist die Literatur, wie sie in dem von Wien beeinflussten Raum entstand, von Doppelbödigkeit, Ambivalenz und ironischer Gebrochenheit durchdrungen. Das Entscheidende wird niemals direkt ausgesprochen, sondern findet sich zwischen den Zeilen“, sagt P. Jakob Deibl OSB (Universität Wien, Institut für Fundamentaltheologie).

 

Ironie & Nihilismus

Dafür sieht er zwei Gründe. „Zum einen handelt es sich um eine Antwort auf die Untertanenmentalität, welche aus der Zeit der Monarchie weit über 1918 hinaus in unsere Gesellschaft hineinreicht. Im Gestus der Ironisierung vermochte die Literatur eigene Weisen kreativen Umgangs damit auszubilden“, betonte Deibl: „Zum anderen entsteht in Wien um 1914 ein abgründiger Nihilismus, welcher den Glauben an sämtliche Werte, selbst an die unmittelbare Geltung der Sprache und ihre Fähigkeit, etwas auszusagen, verloren hat. Nichts lässt sich mehr direkt ausdrücken, Bedeutung entsteht in den Zwischenräumen.“

 

Tanz auf dem Vulkan?

Es war weniger ein „Tanz auf dem Vulkan“ als die Sehnsucht nach dem großen Krieg, ist er überzeugt. „Äußerungen vieler Wissenschaftler, Schriftsteller, Philosophen und Theologen aus der Zeit des Sommers 1914 zeigen eine unfassbare Begeisterung für den kommenden Krieg“, sagt Deibl: „Dem dekadenten alten Europa traute man nichts mehr zu; aus dem Krieg, dessen Dauer man auf einige Monate schätzte, werde ein neues Europa hervorgehen.“ Doch bald schon setzte „die Ernüchterung ein, nicht wenige der anfänglichen Befürworter wurden zu Kriegsgegnern".

 

Das Bild des „Tanzes auf dem Vulkan“ scheint ihm „eher geeignet, um unsere Zeit zu charakterisieren“: „Wir alle wissen um das weltweite Ausmaß ökologischer Zerstörung, handeln aber, als ob uns das nichts mehr anginge, als seien wir ohnehin die letzten Menschen.“

 

Karl Kraus lesen

Karl Kraus greife, wie viele andere auch, „um 1914 auf apokalyptische Bilder zurück, um eine Sprache zu finden für das, was sich ereignet“. Deibl: „Eine klassische theologische Kategorie, die Apokalypse, gewinnt Relevanz, um Zeit und Gesellschaft zu deuten“. „Apokalypse“ müsse dabei aber – ganz im Sinne der Bibel – „als eine vielschichtige Kategorie“ verstanden werden. Sie drücke „das Ende sämtlicher alter Ordnungen aus, blickt aber nicht starr auf die Katastrophe, sondern versucht, diese in Worte zu fassen“. Deibl: „Dabei stellt sie die Frage, ob es zu einer Erneuerung kommen kann und es eine Zeit nach der Katastrophe gibt. All diese Aspekte finden sich auch in den Schriften von Kraus. Er darf nicht darauf reduziert werden, bloß Chronist des Untergangs der Menschheit zu sein."

 

Welches Werk  von Kraus müsse man dazu unbedingt lesen? Deibl verweist auf zwei Werke: „Die letzten Tage der Menschheit“  und den Gedichtband „Worte in Versen".

erstellt von: Der Sonntag / Stefan Kronthaler
18.09.2014
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Weitere Informationen

Theologische Kurse: „Letzte" Fragen

 

Die „Theologischen Kurse“ richten ihren Blick im Wintersemester auf „Apokalypse“ und „letzte Fragen“: In Vorträgen, Workshops und Diskussionen werden Fragen rund um den Tod und den Weltuntergang aufgegriffen.

 

Zugleich wird der Jahre 1914 und 1939 gedacht, als Kriege  unvorstellbaren Ausmaßes begannen.

 

17. 10., 15.30 bis 21h: „Untergänge des Abendlandes.

I. Wien vor 1914“ mit Dr. Peter Pawlowsky, Dr. Jakob Deibl OSB, Dr. Otto Friedrich

 

18. 10., 9 bis 13h: „Untergänge des Abendlandes. II. Europa nach 1914.“

mit Univ.-Prof. DDr. Rupert Klieber („Eine Allianz zerbricht? Kirche & Staat in Österreich 1914-1938“),

Univ.-Prof. Dr. Michaela Sohn-Kronthaler („Der Krieg lehrt beten“ – Religiöse Kriegsdeutungen von 1914-1945“),

Univ.-Prof. DDr. Johann Schelkshorn („Der langsame Abschied vom Imperialismus und die Zukunft der Demokratie. Zur Geschichte Europas im 20. Jahrhundert: 1914-1945-1989“).

 

22. 10., 18-30-21h: Univ.-Prof. Dr. Johannes Fried: „Karl der Große und sein Erbe. Klischees einer 1200-jährigen Wirkungsgeschichte.“

 

23. 10., 9 bis 11.30h: Univ.-Prof. Dr. Johannes Fried: „Aufstieg aus dem Untergang. Der Geist der Apokalypse und die Geburt der Wissenschaft.“

 

29.10., 15.30 bis 18h: Mag. Oliver Achilles: „Wer hat das letzte Wort? Worum es (in) der biblischen Apokalyptik geht.“

 

29. 10., 18.30 bis 21h: Mag. Günter Egger/Generalvikar Dr. Nikolaus Krasa: „Das Buch mit den sieben Siegeln. Eine musikalisch-biblische Reise ins himmlische Jerusalem.“

 

 

Info über alle Angebote der „Theologischen Kurse“:

Tel.: 01/51552-3703

oder www. theologischekurse.at

 

 

Buchtipps

 

Karl Kraus

Die letzten Tage der Menschheit

Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog


2014, Jung U. Jung
Auflage: 1
ISBN: 978-3-99027-006-6

   
 

Worte in Versen. ( Werke, Bd.7.)

 

Gebundene Ausgabe: 541 Seiten
Verlag: Kösel-Verlag (Dezember 1984)
ISBN-10: 3466101077
ISBN-13:978-3466101078

 

   
Nachrichten

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Ein Kind, das lebensverkürzend erkrankt, verändert eine ganze Familie und die Hospizarbeit in Österreich.

Vorurteil oder nicht?: Nur Kinder, Küche und Kirche?

Welche Rolle spielen die Frauen in der Kirche? Sind Frauen generell spiritueller als Männer?

Hoffnung und Trost aus Stein und Glas?

Es macht nachdenklich, wenn Kirchen in Zeiten von Angst und Verunsicherung gesperrt werden.

Es ist gut, dass wir hier sind! (Mt 17, 1-9)

Sr. Franziska Madl OP: Evangeliumsauslegung zum 2. Fastensonntag (8.3.2020)

„Passionswege“ durch die Fastenzeit: Völlig allein gelassen

Die Geschichte eines Missbrauchs: Mit einem Mal ist die Zeit wieder präsent. Die Ereignisse liegen 40 Jahre zurück.

Genau hinschauen (Mt 4, 1-11)

Markus Muth und Michael Haller schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 1. Fastensonntag, (1. März 2020)

Vorurteil oder nicht?: Zwischen Glaube und Geld

Den gängigsten Vorurteilen gegen die katholische Kirche auf den Grund gegangen.

Österreichweite Kooperation und Digital-Abo

Neuer Online-Auftritt und wöchentliches Digital-Abo

Der SONNTAG in der Offensive

Selfie schicken und gewinnen

Hilfe für unbegleitete Flüchtlinge in Bosnien

„Pfarrnetzwerk Asyl“ hilft jugendlichen  Flüchtlingen konkret vor Ort in der Stadt Bihac.

Gesund durch den Winter mit Hildegard von Bingen. 7: Mit neuer Kraft ins Frühjahr

Expertin Brigitte Pregenzer gibt Tipps für eine wohltuende Reinigungskur, für Pollen-Allergiker und bei Frühjahrsmüdigkeit.

Gelassen pilgern durch das Weinviertel

Auf 153 Kilometern führt der „Jakobsweg Weinviertel“ von Drasenhofen nach Krems.

„Wir wollen nicht nationale Not gegen andere ausspielen“

Interview mit Andreas Knapp, Auslandshilfechef der österreichischen Caritas.

„In der Bibel ist immer Fasching“

Auch wenn der Fasching keine explizit kirchliche Erfindung ist, offensichtlich gibt es durchaus biblische Anleihen für ausgelassenes Feiern.

Genussvoll glauben: Immer der Nase nach

In dieser Ausgabe widme ich mich den Freuden, die wir uns durch Gerüche und Düfte bereiten können.

Nicht schon wieder! (Mt 5,38-48)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 7. Sonntag im Jahreskreis (23.2.2020)

Neue Lektüre für Klein und Groß

Warum auch Erwachsene das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch unbedingt zur Hand nehmen sollten, haben wir uns für Sie angeschaut.

Was tun bei Demenz?

Kurse und Lehrgänge vermitteln grundlegendes Wissen und einige hilfreiche Methoden und Ideen für einen stressarmen Alltag

Durchkreuzt: Einfach da sein dürfen vor Gott - ein Interview

Schicksalsschläge werfen oft aus der Bahn. Benediktinerpater Martin Werlen im Interview

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