"Schon zu Beginn meines Priesterseins hatte ich den Wunsch, in der Jugendarbeit tätig zu sein", sagt Bischof Jaya Rao Polimera.
"Schon zu Beginn meines Priesterseins hatte ich den Wunsch, in der Jugendarbeit tätig zu sein", sagt Bischof Jaya Rao Polimera.
Er ist der jüngste Bischof Indiens: Jaya Rao Polimera. Neben der pastoralen Arbeit sieht er seine Schwerpunkte in der Sozial- und Jugendarbeit. Erfahrungen darin hat er in den USA und in seinem Heimatland gemacht.
DER SONNTAG: Wo sind die aufgewachsen, wann haben Sie den Ruf, Priester zu werden, gespürt?
Jaya Rao Polimera: Ich bin geboren und aufgewachsen im Distrikt und in der Diözese Warangal. Im Alter von 15 Jahren war ich wirklich interessiert, Priester zu werden. In der neunten Schulstufe wollte ich Rechtsanwalt werden. Als die Tage vergingen und ich die zehnte Schulstufe erreichte, änderten sich meine Gedanken dahin, dass ich eher Priester als Rechtsanwalt werden sollte. Mein Vater belehrte mich, dass das Priestertum ein Geschenk sei. Es verlange sehr viel Verantwortung und Disziplin im Leben. Er sagte zu mir: „Wenn du Priester sein möchtest, dann lebe wie ein Priester.“
Seit ich in das Priesterseminar eingetreten bin, denke ich an die Worte des Vaters, dass ich ein disziplinierter, guter Priester sein soll. 1992 wurde ich zum Priester für die Diözese Warangal im heutigen indischen Bundesstaat Telangana geweiht.
Sie waren dann auch in den USA seelsorglich tätig. Wie war das?
Polimera: 1998 bekam ich die Möglichkeit, in den Vereinigten Staaten zu arbeiten, in Michigan, in der Diözese Kalamazoo, in der Pfarre St. Philip. Für mich war es ein Kulturschock: die Sprache, das Essen. Es stellte sich für mich die Frage: Werde ich imstande sein, diese Mission zu erfüllen? Aber die Menschen liebten mich und ich liebte die Menschen. Was ich gleich bemerkte, war, dass es keine Beteiligung der Jugendlichen in der Pfarre gab. Mit der Erlaubnis des Pfarrers startete ich eine Jugendgruppe „Spy for the Christ“. Schon zu Beginn meines Priesterseins hatte ich den Wunsch, in der Jugendarbeit tätig zu sein. Und Gott half mir bei meinem Dienst für die Jugend.
Im Juni 2009 ging ich zurück in meine Heimatdiözese. Ich wurde Pfarrer an der Our Lady of Fatima Cathedral. Ich begann neuerlich mit einer Jugendgruppe und weiteren seelsorglichen Aktivitäten wie Eheberatung und Kinderkatechismus. Im Mai 2009 wurde ich zum Direktor der Jugendkommission in Warangal bestellt. Vier Jahre lang war ich in Jugendprogrammen involviert. Am 13. Juni 2013 wurde ich zum Bischof von Eluru ernannt.
Was fühlten Sie bei Ihrer Ernennung zum Bischof von Eluru?
Polimera: Ich habe mich einfach nur gewundert, dass ich in einem Alter von 48 Jahren zum Bischof ernannt wurde. Es ist wirklich eine herausfordernde Aufgabe. Ein Bischof hat viel mehr Pflichten und ich bin für alles verantwortlich. Bischof sein im 21. Jahrhundert ist nicht einfach, aber durch die Gnade Gottes verlief das erste Jahr im Amt sehr gut.
Wie sieht die wirtschaftliche und soziale Situation für die Menschen in Ihrer Diözese aus?
Polimera: In meinem Gebiet leben hauptsächlich unterprivilegierte Menschen, sie haben nicht die Möglichkeit aufzusteigen. Meine Verantwortung als Bischof, Priester und Bürger ist es, sie in die Höhe zu heben und aufzurichten. In den Gegenden, wo ich zur Zeit arbeite, ist es für die Menschen sehr schwierig, Arbeit zu finden oder manchmal Nahrung zu bekommen. Die meisten Jungen sind Schulabbrecher.
Als ich einmal eine der Pfarren besuchte, sagten mir Jugendliche, dass sie mit ihrer Ausbildung aufgehört haben. Auf meine Frage nach dem Warum antworteten sie: "Es gibt niemanden, der uns unterstützt." Manche machen Installationsarbeiten, andere sind im Hausbau tätig. Viele der Knaben sind Rikscha-Fahrer. Die Gefahr besteht, dass sie in eine Kultur des Alkohols, des Rauchens und anderer unerfreulicher Gewohnheiten, die ihren Geist beherrschen, abdriften. Das ist der Grund, warum ich mich nun voll auf dieses Problem konzentriere. Ich möchte dieser Jugend eine gute Entwicklung ermöglichen. Zunächst in der Weitergabe des Glaubens, die zweite Sache ist, sie vor bösen Vorhaben zu schützen, und drittens ihnen allgemeinbildende und berufsbildende Trainingsprogramme zu bieten.
In den Nachrichten hört man immer wieder von Vergewaltigungen bis hin zu Tötungen von jungen Mädchen und Frauen in Indien. Warum gibt es das in der indischen Gesellschaft?
Polimera: Das sind widerliche Ereignisse, die Frauen erleiden müssen. Wir müssen an der Gleichberechtigung der Geschlechter arbeiten. Bildung kann und muss eine Veränderung bringen: in Form von Programmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins, zur Entfaltung der Frauen sowie Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Dann besteht die Chance, dass diese Gräueltaten aufhören. Das ist ein Grund, warum ich immer sage: Der Mann und die Frau teilen sich gleichermaßen die Mission in der Familie, in der Gesellschaft, im Interesse der Kinder für die Zukunft.
Eine sehr persönliche Frage: Sie gehören selbst der Gruppe der Dalit an. Was heißt es, ganz unten in der Gesellschaft zu stehen?
Polimera: "Dalit" bedeutet Unterdrückter, eine Person, auf die man hinunterblickt. Es ist wirklich eine frustrierende Sache, diese Menschen wurden stets als Sklaven und Arbeiter behandelt. Die einzige Möglichkeit diesem zu entkommen, ist Bildung. Die Gesellschaft ist an gut Ausgebildeten interessiert. Mit Bildung ändert sich der gesellschaftliche Status und Arbeitsplatz der Betroffenen. Diese Klasseneinteilung, das Kastenwesen wird nicht verschwinden. Vielleicht, so hoffe ich, in hundert Jahren einmal.
Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar ist neue Projektpartnerin der indischen Diözese Eluru. Die Diözese im Bundesstaat Andhra Pradesh wurde 1977 gegründet und ging aus der Diözese Vijayawada hervor. Die Mission der Diözese ist, ihre Region im spirituellen, sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und Bildungsbereich zu fördern. Die Diözese umfasst aktuell 102 Pfarren und 300.000 Katholik/innen.
Das Projektgebiet des nun beginnenden Jugendprogramms erstreckt sich auf 50 Dörfer, die besonders entlegen gelegen und von regelmäßigen Dürreperioden heimgesucht sind. Analphabetismus und Arbeitsmigration sind weit verbreitet. Zielgruppe sind 500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren in 10 Pfarren der Diözese. Ein Ziel ist auch der Aufbau beziehungsweise die Stärkung der Jugendkommission und des Jugendprogramms der Diözese Eluru.
Der Ansatz der Diözese ist, eine ganzheitliche Bildung zu ermöglichen und die sozialen Bedürfnisse mit Spiritualität zu verbinden und die Jugendlichen durch Vermittlung einer entsprechenden Wertehaltung zu befähigen, die negativen Auswirkungen von Konsumverhalten zu erkennen, neue Wertigkeiten – basierend auf dem christlichen Glauben – zu entdecken und in ihrem Leben umzusetzen. Die Aktivitäten umfassen Aus- und Weiterbildung für diözesane Mitarbeiter/innen, Bildung und Stärkung von Jugendgruppen auf Pfarrebene, Bewusstseinsbildungscamps zu Gesundheitsrisiken, HIV/Aids, Schwangerschaft sowie Kinderarbeit und Zwangsprostitution/Menschenhandel.
Dreikönigsaktion
Hilfswerk der Katholischen Jungschar
Wilhelminenstraße 91/IIf
1160 Wien
Tel. 01/481 09 91
Fax: 01/481 09 91 - 30
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