Es soll weitergehen, dabei soll aber die Qualität im Vordergrund stehen und die Frage, wie es gelingen kann, pastorale Angebote mediengerecht online umzusetzen.
Es soll weitergehen, dabei soll aber die Qualität im Vordergrund stehen und die Frage, wie es gelingen kann, pastorale Angebote mediengerecht online umzusetzen.
Zwei Monate lang spielte sich das religiöse Leben vor allem online ab: Gottesdienste wurden gestreamt, Impulse "on demand" angeboten, online gebetet - Derzeit überlegen die Diözesen, was man davon auch in Zukunft weiterhin anbieten kann.
Ostern stellte für religiöse Menschen heuer eine besondere Herausforderung dar: Wie sollte man diese wichtigste Zeit im Kirchenjahr würdig feiern, wenn öffentliche Gottesdienste ausgesetzt waren? Würden die zahlreichen Online-Angebote tatsächlich spirituell "tragen" und die Osternacht vor dem Bildschirm oder am heimischen Küchentisch tatsächlich der Bedeutung des Ereignisses gerecht werden? - Offenbar tat es das tatsächlich. Das jedenfalls zeigt ein Rundruf in den österreichischen Diözesen: Alle meldeten nicht nur massive Zuwächse bei Online-Zugriffen auf die verschiedenen Webangebote und Blogs, sondern berichteten auch von zahlreichen positiven Rückmeldungen von "Usern", die froh waren, sich via Website, Youtube oder Facebook in einen Online-Stream ihrer jeweiligen Pfarre einklinken zu können.
Nun, nach dem langsamen "Wieder-Hochfahren" der Gottesdienste seit dem 15. Mai, stellen sich Diözesen wie Pfarren die Frage: Wie die Online-Erfahrungen der vergangenen Wochen transformieren in die neue gottesdienstliche Realität hinein? Was sollte man sein lassen, was eventuell als Online-Angebot bestehen lassen?
Ausführlich befasst sich etwa die Diözese Gurk-Klagenfurt mit diesen Fragen. "Anhand der vorliegenden Zahlen halten wir es für sinnvoll, die Live-Streamings beizubehalten, werden diese aber reduzieren und regelmäßig und dauerhaft als Zusatzangebot für bestimmte Zielgruppen etablieren", teilt etwa der dortige Leiter der Internetredaktion und zugleich Koordinator der diözesanen Webmaster Österreichs, Karl-Heinz Kronawetter, auf Anfrage mit.
Neben den kaum überschaubaren pfarrlichen Aktivitäten hat allein die Diözese Gurk rund 50 Live-Streamings von Gottesdiensten an den verschiedensten Orten durchgeführt. Allein via Facebook kam man in den letzten Wochen so auf über 220.000 geschaute Minuten. Ein Geheimnis des Erfolges sei dabei die wirkliche Ausschöpfung der Social Media-Möglichkeiten, so Kronawetter, das heißt: das "Community Management". So habe man großen Wert darauf gelegt, während des Streamings die Zuseher mit Zusatzinformationen zu versehen und in den Dialog zu treten. Künftig wolle man die Pfarren auf Basis dieser positiven Erfahrungen gezielt schulen, "damit auch sie Social Media als wichtiges, zeitgemäßes Kommunikationsmittel gut einsetzen können".
Ähnlich die Erfahrungen in der Diözese St. Pölten: Auch hier habe man gerade auf pfarrlicher Ebene sehr gute Erfahrungen mit Streamings gemacht, berichtete die Leiterin Referat für Kommunikation, Katharina Brandner. Im Blick auf die "Vermarktung" des eigenen Bischofs habe man sich jedoch gerade in dieser Frage des Streamings zurückgehalten: Es sollte die je eigene Pfarre, der je eigene Pfarrer und die je eigene Kirche im Mittelpunkt des Interesses der Menschen gerade zu Ostern stehen und weniger der Bischof.
Derzeit würden die Erfahrungen gesammelt und ausgewertet: "Es soll weitergehen, dabei soll aber die Qualität im Vordergrund stehen und die Frage, wie es gelingen kann, pastorale Angebote mediengerecht online umzusetzen." Diesbezüglich sei die Corona-Krise ein "erstes Lernfeld und eine Initialzündung" gewesen, nun brauche es die professionelle Nachbereitung.
Auch theologische Blogs im Aufwind
Neben den Streaming-Angeboten erfreuen sich in den letzten Wochen auch kirchliche bzw. theologischen Blogs einer steigenden Beliebtheit - etwa die beiden Blogs "feinschwarz.net" und "theocare.network". Während "feinschwarz.net" bereits seit 2015 online ist und sich als "theologisches Feuilleton" mit einer breiten Themenpalette versteht, ist "theocare.network" ein eigens während der Corona-Krise entstandenes Blog-Angebot, das Texte von Theologinnen und Theologen zum Thema Corona versammelt.
Für beide zeichnet der Wiener Pastoraltheologe und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Johann Pock, verantwortlich: Im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Kooperations-Projekts "feinschwarz.net" ist Pock einer der Redakteure, die Beiträge aus Österreich koordinieren; im Fall von "theocare.network" ist er gemeinsam mit der Wiener Pastoraltheologin Regina Polak Initiator. Gegenüber Kathpress bestätigte Pock, dass sich die Zahl der regelmäßigen Leserinnen und Leser von "feinschwarz" seit Start des Blogs 2015 verzehnfacht habe. Ziel sei es dabei stets, "theologische Analysen der 'Zeichen der Zeit'" zu bieten, so Pock - und dabei auch einen "publizistischen Gegenpol zu sehr konservativen Blogs zu schaffen". Weitere österreichische Autorinnen und Autoren sind u.a. Prof. Christian Bauer (Innsbruck), Prof. Rainer Bucher (Graz), sowie die Direktorin des Bibelwerkes, Elisabeth Birnbaum.
Am Sonntag, 24. Mai, feiert die Katholische Kirche den "Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel". Der Tag wurde 1967 von Papst Paul VI. eingeführt. Er findet sechs Wochen nach Ostersonntag bzw. drei Tage nach Christi Himmelfahrt statt.