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07.10.2014

Abtprimas Notker Wolf: "Es geht um den Menschen"

"Ich muss ewig weiterdenken und mich selber infrage stellen. Nicht einfach beim Erreichten stehen bleiben", sagt Abtprimas Notker Wolf.

Notker Wolf ist seit 14 Jahren Abtprimas der Benediktiner. Für ihn bedeutet die unter dem Motto "ora et labora" bekannte Mönchsregel des heiligen Benedikt auch eine Orientierungshilfe für Führungskräfte.

Kann die Regula Benedicti als Leitlinie bei Führungs- und Organisationsfragen dienen?


Notker Wolf: Als Orientierung, aber nicht als konkrete Anleitung. Wenn Benedikt sagt, in allem das Maß zu halten, dann ist das eine Orientierungslinie, die uns heute wieder gut täte. Auf der anderen Seite auch Demut. Ein Chef eines Unternehmens muss sich bewusst sein, dass er im Dienst des Unternehmens, aber gerade auch aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht. Da gibt es noch anderes, nämlich wie Benedikt mit seinen Mitbrüdern umgeht: Auch ich möchte nicht, dass mir jemand untergeben ist. Aber dass er ein Partner ist, der mich herausfordert.  So ist die Regel Benedikts sehr wohl eine Orientierung überhaupt, in der eigenen Grundausrichtung auf Gott hinzuhören. Dass ich mich als Mensch selber sehe, als Geschöpf Gottes in meiner Gottbezogenheit, wo ich immer wieder verankert bin und wo der Anker bleibt. Das gibt auch die Hoffnung für das Leben in schwierigen Situationen.

 

Was ist der Unterschied zwischen "führen" und "managen"?

Notker Wolf: Managen, das kann ich ohne Menschen zunächst am Schreibtisch, z. B. einen Arbeitslauf ausarbeiten, um die Struktur für ein bestimmtes Produkt zu erreichen. Die Art, es dann umzusetzen, andere dann zu bitten, diese Struktur anzunehmen, dass sie danach arbeiten, das ist eigentlich Führung. Führung bedeutet, die anderen Menschen als Menschen wahrzunehmen, nicht als Zinnsoldaten und nicht als Schachbrettfiguren. Sondern zu wissen, jeder ist ein Mensch, der mit mir und für die gemeinsame Sache arbeitet. Das andere wäre dann, dass jeder Manager sich bewusst ist: Ich bin nicht die Firma. Das meinen manche und ziehen sich zurück, machen ihren Reibach und hauen dann ab. Das ist nicht gemeint, sondern wir machen es nur miteinander. Wie Benedikt gesagt hat: „Wenn immer etwas Wichtiges ansteht, ruft der Abt sämtliche Brüder zusammen.“ Dann schreibt er noch weiter: „Gott gibt den Jüngeren oft ein, was das Bessere ist.“

Was bedeutet "führen" noch?

Notker Wolf: Das ganz Entscheidende ist einfach selber die Vision zu haben, die brauche ich als Führungsperson. Was wollen wir eigentlich, wo wollen wir hin? Ich muss auch der Motor sein, ich muss die anderen begeistern können. Ich muss mit ihnen Durchführungsmöglichkeiten suchen und mich selber zurücknehmen. Ich brauche vor allem Abstand zu mir selbst, zu meinem Machtbedürfnis.

Ist Führung erlernbar?

Notker Wolf: Wir brauchen Anlagen dafür. Die einen sind einfach die geborenen Führungskräfte. Das sieht man schon im Kindergarten und in der Schule. Oder auch später im Beruf. Es gibt andere, denen ist das alles zu viel. Erst in der Leistung erfahre ich selbst meine Fähigkeiten und damit auch meine Freude. Welcher junge Mensch hat heute noch Freude an seinem Können? Die ganzen Lehrpläne sind darauf aus, das Wissen zu vermehren. Menschenbildung ist aber das Entscheidende. Wer die hat, wird zu einer guten Führungsperson. So etwas brauchen wir dringend in unserer Gesellschaft. Aber der/die ist dann auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wobei ich bei dieser Gelegenheit sagen möchte, die Frauen haben eine andere Art zu führen. Sie sind viel empathischer, empfinden mit den Menschen anders, können viele Dinge stärker aushalten, sind durchhaltefähiger und überblicken Dinge auch.

Welche Erfahrungen haben Sie als Führungskraft in St. Ottilien als Erzabt und in Sant'Anselmo als Abtprimas gemacht?


Notker Wolf: Dass ich noch immer lerne. Ich muss ewig weiterdenken und mich selber infrage stellen. Nicht einfach beim Erreichten stehen bleiben, denn sonst werde ich müde, schlafe ein. Wir müssen immer wieder die Herausforderung sehen, und die kommt in der Wirtschaft durch den Wettbewerb. Nur im geistlichen Bereich scheint der Wettbewerb noch zu wenig gesehen worden zu sein.  Und dann wundern wir uns über so manche Dinge.

Stichwort: Finanz- und Wirtschaftskrise: Wie viel Ethik  benötigt unser Wirtschaftssystem?


Notker Wolf: Durch und durch, aber nicht im Sinne eines Lehrsystems. Jeder, der in der Wirtschaft ist, muss sich bewusst sein, es geht nicht ums Geld, sondern um den Menschen. Natürlich braucht jedes Unternehmen seinen Gewinn. Und auch einen Zugewinn. Das wird von manchen Sozialromantikern nicht akzeptiert. Aber ein Unternehmen muss sich weiterentwickeln und muss neu investieren können.

Wie sehen die Wege zu einer nachhaltigen Zukunft aus?

 

Notker Wolf: Wir müssen selber in der Familie oder in der Schule die Vorbilder sein. Aber auch mit den Kindern über diese Dinge reden, sie plausibel machen. Werte können nicht gelehrt werden, über die kann man reden. Sie müssen aber konkret erlebt werden. Deshalb sind die Vorbilder so notwendig. Wir brauchen Menschen, die solche Werte im wahrsten Sinne des Wortes verkörpern.


Musik hat Ihnen in mancher Situation schon weitergeholfen. Was bedeutet Musik für den Mönch Notker?


Notker Wolf: Zum einen ist es eine Art Ausgleich, sich bei der Rockmusik auch einmal die Wut aus dem Bauch zu stampfen. Aber Musik ist auch immer etwas mit anderen zusammen. Mit einer Band zusammenzuspielen, aufeinander zu hören, das ist etwas ganz anderes als nur als Solist auf der Bühne zu stehen. Und die Musik verbindet die Völker. In Nordkorea habe ich bei der Einweihung unseres Krankenhauses bei Tisch koreanische Volksweisen gespielt. Dann ist die Bedienung aufgestanden, hat gesungen und ich habe sie begleitet. Was das bedeutet, das kann man eigentlich nicht in Worte fassen. Da merken auf einmal auch die Nordkoreaner meine Liebe zu ihnen. Musik ist auch eine Geschichte der Liebe.               

Was spielen Sie auf der Querflöte? Bach oder Mozart?

Notker Wolf: Ich habe jetzt lange Bachs h-moll-Suite geübt. Allerdings werde ich ständig herausgefordert, irgendwo zu spielen. Da muss ich immer diese Stücke üben und habe kaum Zeit mehr, ein richtig längeres Stück einzustudieren. Ich spiele sehr gerne die "Syrinx" von Claude Debussy, wenn ich alleine etwas spielen darf. Aber ich habe sehr gerne Bach und Mozart. Mozart hat ein paar sehr schöne Sachen komponiert, aber er mochte die Flöte nicht so ganz, weil diese haben immer nicht gestimmt, wenn sie zu zweit miteinander spielen sollten. Damals gab es das Böhm-System auf der Querflöte nicht, heute ist das anders.

erstellt von: Der Sonntag / Markus Langer
07.10.2014
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Aus der Benediktsregel

Der Abt muss bedenken, was er ist, und bedenken, wie man ihn anredet. Er wisse: Wem mehr anvertraut ist, von dem wird mehr verlangt.
Er muss wissen, welch schwierige und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu führen und der Eigenart vieler zu dienen. Muss er doch dem einen mit gewinnenden, dem anderen mit tadelnden, dem dritten mit überzeugenden Worten begegnen.
Nach der Eigenart und Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle einstellen und auf sie eingehen. So wird er an der ihm anvertrauten Herde keinen Schaden erleiden, vielmehr kann er sich am Wachsen einer guten Herde freuen.
Vor allem darf er über das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegsehen oder es geringschätzen und sich größere Sorge machen um vergängliche, irdische und hinfällige Dinge.
Stets denke er daran: Er hat die Aufgabe übernommen, Menschen zu führen, für die er einmal Rechenschaft ablegen muss.
Wegen des vielleicht allzu geringen Klostervermögens soll er sich nicht beunruhigen; vielmehr bedenke er das Wort der Schrift: "Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben." Ein anderes Schriftwort sagt: "Wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel." (RB 2, 30-36)


Österreichische Benediktinerkongregation  

Benediktinerstift Altenburg
Abt Placidus Much Straße 1
3591 Altenburg
E-Mail: info@benediktiner.at

Web: www.benediktiner.at

 


 

Die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag":

Webseite: "Der Sonntag"

 

Michael Prüller  

Wöchtenliche Kolumne von Chefredakteur Michael Prüller im "Sonntag"

 


 

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Im Mai durch das ganze Nordvikariat

Bischofsvikar Stephan Turnovszky: Bitte um Mariens Schutz und Hilfe

Wer fragt, bekommt eine Antwort (Joh 14,1-12)

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 5. Sonntag der Osterzeit (10.5.2020)

Hilfe für Mütter in Not

Muttertag ist trotzdem

Öffnet die Türen (Joh 10,1-10)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Sonntag der Osterzeit (3.5.2020)

Begegnung am Tiefpunkt (Joh 21,1-14)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Sonntag der Osterzeit (26.4.2020)

Durch verschlossene Türen (Joh 20,19-31)

Sr. Franziska Madl OP schreibt ihre Gedanken zum Evangelium zum Sonntag der Barmherzigkeit (19.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist mächtig

Die eigentliche Macht der Kirche sind aber das Wort und die Tat.

Vorurteil oder nicht? Wasser predigen und Wein trinken

Was meint die Rede von der „glücklichen Schuld“ in der Osternacht?     

„Die Diagnose war der Anfang, nicht das Ende“

Diagnose Brustkrebs: Über ein Jahr lang  kämpft die zweifache Mutter mit der Erkrankung, erfolgreich.

Keine Sympathie für Pilatus (Mt 27,1-26)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum Palmsonntag (5.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist konservativ.

Ist die Kirche zu konservativ?

Durchkreuzt: Keine Antwort auf das Warum?

Ein Gott, bei dem uns alles klar wäre, ist nicht der Gott Jesu Christi.

Auferweckung ist nicht gleich Auferstehung (Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45 )

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 7. Fastensonntag (29.3.2020)

Vorurteil oder nicht? Ignoranz und Vertuschung

Der Skandal des Vertuschens

Weihbischof Turnovszky: Unser aller Leben hat sich schlagartig verändert

Corona und die Folgen, Weihbischof Turnovszky zur aktuellen Lage und wie sich auch sein Tagesablauf verändert hat.

Fürchtet euch nicht

Vom Umgang mit der Angst

Jetzt ist die Zeit der anderen Backe

Darauf müssen wir uns einfach einstellen. Lassen wir die Unduldsamkeit an der Liebe zerschellen!

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Freude einüben, Leben schöpfen (Joh 9,1)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Fastensonntag (22.3.2020)

Christus, Heil der Kranken...

Es ist nicht mangelndes Gottvertrauen wenn wir medizinisch vorsichtig sind

Lebendig (Joh 4,5-26. 39a. 40-42)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Fastensonntag ( 15. März 2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist: Verstaubt oder zeitgemäß?

Ist der Glaube und die Kirche überhaupt (noch) zeitgemäß.

Nach 66 Tagen.

Ein Kind, das lebensverkürzend erkrankt, verändert eine ganze Familie und die Hospizarbeit in Österreich.

Vorurteil oder nicht?: Nur Kinder, Küche und Kirche?

Welche Rolle spielen die Frauen in der Kirche? Sind Frauen generell spiritueller als Männer?

Hoffnung und Trost aus Stein und Glas?

Es macht nachdenklich, wenn Kirchen in Zeiten von Angst und Verunsicherung gesperrt werden.

Es ist gut, dass wir hier sind! (Mt 17, 1-9)

Sr. Franziska Madl OP: Evangeliumsauslegung zum 2. Fastensonntag (8.3.2020)

„Passionswege“ durch die Fastenzeit: Völlig allein gelassen

Die Geschichte eines Missbrauchs: Mit einem Mal ist die Zeit wieder präsent. Die Ereignisse liegen 40 Jahre zurück.

Genau hinschauen (Mt 4, 1-11)

Markus Muth und Michael Haller schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 1. Fastensonntag, (1. März 2020)

Vorurteil oder nicht?: Zwischen Glaube und Geld

Den gängigsten Vorurteilen gegen die katholische Kirche auf den Grund gegangen.

Österreichweite Kooperation und Digital-Abo

Neuer Online-Auftritt und wöchentliches Digital-Abo

Der SONNTAG in der Offensive

Selfie schicken und gewinnen

Hilfe für unbegleitete Flüchtlinge in Bosnien

„Pfarrnetzwerk Asyl“ hilft jugendlichen  Flüchtlingen konkret vor Ort in der Stadt Bihac.

Gesund durch den Winter mit Hildegard von Bingen. 7: Mit neuer Kraft ins Frühjahr

Expertin Brigitte Pregenzer gibt Tipps für eine wohltuende Reinigungskur, für Pollen-Allergiker und bei Frühjahrsmüdigkeit.

Gelassen pilgern durch das Weinviertel

Auf 153 Kilometern führt der „Jakobsweg Weinviertel“ von Drasenhofen nach Krems.

„Wir wollen nicht nationale Not gegen andere ausspielen“

Interview mit Andreas Knapp, Auslandshilfechef der österreichischen Caritas.

„In der Bibel ist immer Fasching“

Auch wenn der Fasching keine explizit kirchliche Erfindung ist, offensichtlich gibt es durchaus biblische Anleihen für ausgelassenes Feiern.

Genussvoll glauben: Immer der Nase nach

In dieser Ausgabe widme ich mich den Freuden, die wir uns durch Gerüche und Düfte bereiten können.

Nicht schon wieder! (Mt 5,38-48)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 7. Sonntag im Jahreskreis (23.2.2020)

Neue Lektüre für Klein und Groß

Warum auch Erwachsene das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch unbedingt zur Hand nehmen sollten, haben wir uns für Sie angeschaut.

Was tun bei Demenz?

Kurse und Lehrgänge vermitteln grundlegendes Wissen und einige hilfreiche Methoden und Ideen für einen stressarmen Alltag

Durchkreuzt: Einfach da sein dürfen vor Gott - ein Interview

Schicksalsschläge werfen oft aus der Bahn. Benediktinerpater Martin Werlen im Interview

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