Buchdruck-Werkstätte im 15. Jhdt. Die Grafik ist eingelegt in einen großen Anfangsbuchstaben, einem "Initial", ("G"). Aus: Wiens Buchdrucker-Geschichte von Anton Mayer, 1883; Diözesanarchiv Wien.
Buchdruck-Werkstätte im 15. Jhdt. Die Grafik ist eingelegt in einen großen Anfangsbuchstaben, einem "Initial", ("G"). Aus: Wiens Buchdrucker-Geschichte von Anton Mayer, 1883; Diözesanarchiv Wien.
Archiv zieht von Obergeschoß des Erzbischöflichen Palais in neu adaptiertes Gewölbe des Gebäudes
Elf Meter unter der Erde auf 1.100 Quadratmeter wird derzeit das Gewölbe des Erzbischöflichen Palais in ein Archiv umgebaut: Die Bestände des Wiener Diözesanarchivs im obersten Geschoß des Gebäudes platzen aus allen Nähten und brauchen neue Räumlichkeiten, berichtet die früher Leiterin des Archivs, Annemarie Fenzl, die die Entwicklung des Archives von der ersten Stunde an miterlebt hat,gegenüber "Kathpress". Nach der Ausgestaltung und Einrichtung des Gewölbes sollen die rund 4.000 Bücher und 3.000 Urkunden innerhalb eines Jahres übersiedelt und dort gelagert werden, berichtete das ORF-Fernsehen kürzlich.
Mit dem Diözesanarchiv übersiedle praktisch die gesamte Dokumentation des kirchlichen Lebens auf dem Gebiet der Erzdiözese in das Gewölbe des Palais, so Fenzl. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1139 - eines der wichtigsten sei sicher der zweite Stifterbrief Kaiser Rudolfs des Stifters, mit dem dieser das Kollegiatskapitel zu St. Stephan, den Vorgänger des heutigen Domkapitels, gegründet hatte. "Wir haben Akten und Urkunden, die dokumentieren praktisch das ganze Leben der Bischöfe, der Priester, der Klöster, der Pfarren hier auf dem Gebiet der Wiener Erzdiözese."
Die Pläne für das Archiv seien bereits ausgearbeitet, sagte Harald Gnilsen, Direktor des Bauamts der Erzdiözese, gegenüber dem ORF. Das bis ins Mittelalter zurückreichende Archiv hat das Architekten-Duo "Lindner-Neversal" vor eine besondere Herausforderung gestellt: "Einerseits sind die Räumlichkeiten denkmalgeschützt und es gilt diese historische Schicht, dieses Raumgefüge und die Feinheiten, die noch da sind, zu erhalten, auf der anderen Seite müssen wir auch die benötigte archivtaugliche Klimatisierung berücksichtigen", so Gerhard Lindner. Im Laufe der Geschichte habe das Gewölbe als Lagerraum gedient oder als Luftschutzkeller im 2. Weltkrieg, der
rund 4.500 Personen Platz bot.
Die Diözesanarchive kümmern sich als "historisches Gedächtnis der Kirche" vor allem um die Übernahme, Verzeichnung, Erschließung und Erhaltung der diözesanen Schriftgutverwaltung, beschreibt Fenzl die Aufgabe des Archivs. Für die Historikerin sind sie Nachschlagewerke für Studenten oder Forscher, die eine Arbeit schreiben wollen, ein Hort "schön anzusehender Urkunden und Bücher" aber auch die "Hüter der Wahrheit".
Die umfangreichste Sammlung gebe es zu Kardinal Franz König: 2.000 Archivschachteln habe der Kardinal in seinem fast 100-jährigen Leben hinterlassen. Um die Größenordnung besser zu verstehen, zieht Fenzl einen Vergleich zu den Beständen anderer Bischöfe: "Erster Bischof von Wien war Kollonitz. Da gibt es sieben oder acht Schachteln. Nächster Sprung: Kardinal Rauscher, 19. Jahrhundert, Kardinal des Ersten Vaticanums und des Konkordats. Von ihm haben wir 25 Schachteln, von Kardinal Innitzer 50 bis 60 Schachteln."
Von den 2.000 Archivschachteln des Kardinal König-Archivs seien 400 noch nicht präsentabel. "Ich hoffe, dass mich der liebe Gott noch zehn Jahre arbeiten lässt. Ich möchte ihm in der ewigen Seligkeit nicht gegenübertreten und dann nicht sagen müssen: 'Dein Nachlass ist noch nicht ganz in Ordnung'."
Annemarie Fenzl hat das Archiv 1975 übernommen und fast 30 Jahre lang geführt. 2013 hat sie die Leitung und somit auch die Ausführung des Ausbaus an ihren Nachfolger Johann Weißensteiner übergeben. Er sei maßgeschneidert dafür, "denn er ist mit Leib und Seele Archivar". Sie selber schaue wie "eine weibliche Version von Moses, der vom Berg Nebo ins Gelobte Land schauen durfte, in die tiefen
Keller des Palais".
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