Jeder fünfte stationär aufgenommene Patient in der Bundeshauptstadt wurde 2015 in einem Ordensspital versorgt.
Jeder fünfte stationär aufgenommene Patient in der Bundeshauptstadt wurde 2015 in einem Ordensspital versorgt.
Finanzierungsvereinbarungen mit der Stadt Wien laufen Ende 2016 aus. Jeder fünfte stationäre Wiener Patient 2015 in einem Ordensspital betreut.
Für die acht Wiener Ordensspitäler wird 2016 zum "Schlüsseljahr": Mit 31. Dezember läuft die vierjährige Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Wien aus. Die Spitäler hoffen nun auf eine Weiterführung, "um auch künftig auf quantitativ und qualitativ auf hohem Niveau Patienten versorgen zu können", betonte der Sprecher der Plattform der Wiener Ordensspitäler, Manfred Greher, am Donnerstag, 28. Jänner2016, bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Leistungsbilanz für 2015 macht die Bedeutung der Ordenshäuser für die Wiener Spitalslandschaft sichtbar: Jeder fünfte stationär aufgenommene Patient in der Bundeshauptstadt wurde im Vorjahr in einem Ordensspital versorgt.
Mit dem öffentlichen Versorgungsauftrag stehen den Spitälern auch öffentliche Mittel der Stadt zu. 2012 wurden erstmals mittelfristige Finanzierungsvereinbarungen zwischen der Stadt und den Spitälern getroffen. Für die Ordenskrankenhäuser hat sich das seither bewährt und die Planung und Gestaltung der Leistungsangebote "wesentlich erleichtert", so Greher.
Anschaulich wird das an den massiven Bauprojekten der Spitäler: Das Hartmannspital baut aktuell seinen kompletten OP-Bereich um. Die Gesamtkosten liegen bei 19 Millionen Euro. Im Krankenhaus St. Elisabeth wird an der größten Palliativstation Österreichs mit 16 Betten gebaut. Im Krankenhaus Göttlicher Heiland ist ein fünfgeschossiger Zubau mit einem Kostenvolumen von etwa 50 Millionen Euro geplant. Andere Häuser sollen in Fachklinken umgewandelt werden. Das alles sei nur mit einer mittelfristig gesicherten Finanzierung möglich, betonte der Sprecher.
Berücksichtigung müssten aber auch Bereiche finden, die im Detail nicht vorausplanbar oder voraussehbar seien. Das habe sich nachdrücklich im Vorjahr gezeigt, mit den geänderten Arbeitszeiten für Spitalsärzte und deren finanziellen Konsequenzen.
Inhalt der bevorstehenden Verhandlungen zwischen Stadt und Spitälern werde auch die "eklatante Unterfinanzierung der Ambulanzen" sein. Ordensspitäler müssten oft mit einer "Mini-Pauschale" von 10.000 Euro pro Jahr auskommen - und das bei 30.000 Ambulanzbesuchen. Die bundesweit in Vorbereitung befindliche allgemeine Ambulanzfinanzierung soll hier zu einer ausgewogenen Kostendeckung führen. "Wir sind gerne bereit, ambulante Dienstleistungen weiterhin anzubieten und sogar auszubauen - eine faire Abgeltung vorausgesetzt", so Greher.
Grundsätzlich ist man bei den Ordensspitälern zuversichtlich. Eine Befragung der Spitzenkandidaten der Parteien vor den Wiener Wahlen habe gezeigt, "dass nicht nur die Oppositionsparteien für die Anliegen der Ordensspitäler Verständnis zeigen". Trotzdem gehe man davon aus, "dass die bevorstehenden Verhandlungen mit der Stadt Wien nicht einfach werden". Ein genauer Fahrplan liegt zur Zeit noch nicht vor.
Leistungsbilanz: über 125.000 Patienten stationär betreut
Die acht Häuser haben 2015 insgesamt 125.730 Patienten stationär betreut, diese verbrachten 537.520 Tage in den Spitälern. In Wien wurde somit jeder fünfte stationäre Patient in einem Ordensspital behandelt. Ambulant haben die Spitäler mehr als 280.000 Patienten versorgt, fast 31.000 wurden tagesklinisch behandelt.
In einer Reihe von Krankheitsgebieten entsprechen die Leistungsanteile der Ordensspitäler ihrem Anteil an Wiens Spitalsbetten, in einigen Bereichen liegen sie aber deutlich darüber, wie etwa bei den Nerven- und Gehirnerkrankungen. Besonders hoch sind sie zudem im Bereich der Behandlungen des Gastro-Intestinal-Traktes, des Stütz- und Bewegungsapparates und in der Palliativversorgung. Jedes zweite Palliativbett steht in einem Ordensspital.
Die Ordenskrankenhäuser schneiden auch bei der Verkürzung der Verweildauer in Spitälern sehr gut ab. Greher: "Auf Basis eines im Vergleich zu anderen Spitälern bereits sehr guten Levels im Jahr 2011 konnten wir die Verweildauer 2015 noch weiter verkürzen."
Die Ordensspitäler gehören zu den größten privaten Arbeitgebern in der Bundeshauptstadt. 2015 waren dort rund 4.310 Mitarbeiter beschäftigt - 880 Ärzte, 1.930 Pflegepersonen, 550 in der Verwaltung Tätige, 310 technische Mitarbeiter, sowie 640 sonstige Mitarbeiter, deren Bandbreite von Psychologen, Seelsorgern und Sozialarbeitern über Reinigungs- und Küchenkräfte bis hin zu Kindergärtnern, Famulanten und Lehrlingen reicht.
Gegenwärtig beschäftigen die Spitäler 128 Turnusärzte sowie 117 Fachärzte in Ausbildung. Alle Häuser leisten als Lehrkrankenhäuser Beiträge zur Ausbildung von Studierenden, 70 von ihnen absolvieren dort gerade das verpflichtende Klinisch-Praktische-Jahr. Die hauseigene Pflegeausbildung oder jene, die in Kooperation mit einer entsprechenden Ausbildungsinstitution (Krankenpflegeschule) angeboten wird, haben 2015 rund 475 Personen belegt oder abgeschlossen.
Getragen werden die Spitäler von Ordensgemeinschaften. Diese private Trägerschaft unterscheidet sie von den Spitälern der Gemeinde Wien und der Sozialversicherungen, der öffentliche Auftrag von den herkömmlichen Privat- und Belegspitälern. "Damit bieten wir Bürgern eine Alternative sowohl zu den Häusern des Wiener Krankenanstaltenverbundes oder der Krankenkassen, als auch zu den privaten Belegspitälern", hielt Sr. Brigitte Thalhammer, Provinzleiterin der Salvatorianerinnen, fest.
Ein wichtiges Element im Profil der Spitäler sei der christlich-humanistische Unternehmensauftrag. Thalhammer: "Das bedeutet, dass wir uns in unserem Handeln von hohen ethischen Grundsätzen leiten lassen, und das macht sich in der Atmosphäre unserer Häuser bemerkbar." So werden auch nicht-versicherte Patienten ambulant versorgt und in Akutsituationen auch stationär auf Kosten der Orden aufgenommen.