Der neue Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa Abascal, hat die Mitglieder seines Ordens zu "Kühnheit" und furchtlosem Einsatz für Gottes Auftrag aufgerufen.
Der neue Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa Abascal, hat die Mitglieder seines Ordens zu "Kühnheit" und furchtlosem Einsatz für Gottes Auftrag aufgerufen.
Arturo Sosa in erster Predigt nach Wahl an die Ordensspitze: Jesuiten sollen nicht nur das Unwahrscheinliche, sondern auch das Unmögliche wagen.
Der neue Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa Abascal, hat die Mitglieder seines Ordens zu "Kühnheit" und furchtlosem Einsatz für Gottes Auftrag aufgerufen. In der ersten Predigt nach der Wahl forderte der erste Latienamerikaner an der Spitze der Gesellschaft Jesu am Samstag, 15. Oktober 2016 in der römischen Jesuitenkirche "Il Gesu" zum Einsatz für ein versöhntes Zusammenleben der Menschen in Gerechtigkeit, für den Frieden und für ein "gut gehütetes gemeinsames Haus" auf. Seine Ordensbrüder sollten dabei mit viel Gottvertrauen "sowohl die unwahrscheinlichen als auch die unmöglichen" Aufgaben angehen.
Der Venezolaner Sosa, der zuletzt den römischen Werken der Jesuiten vorstand, war erst am Freitag von der derzeit in Rom tagenden Generalkongregation des Ordens zum Nachfolger des freiwillig zurückgetreten P. Adolfo Nicolas - er ist Spanier - gewählt worden. Die Predigt Sosas war mit Spannung erwartet worden; sie gilt als programmatische Ansage des ersten nicht aus Europa stammenden Leiters des größten katholischen Männerordens, dem auch Papst Franziskus angehört.
Der Linie seines Vorgängers Nicolas folgend forderte Sosa von den Jesuiten, in ihrer Spiritualität und Arbeitsweise "in die Tiefe" zu gehen. Nötig sei in der Gegenwart eine "außergewöhnliche intellektuelle Tiefe", damit kreatives Denken und ein Verständnis für gegenwärtigen Herausforderungen möglich sei; erst so könne der Orden zur Suche nach "neuen Wegen, um die Armut, Ungleichheit und Unterdrückung zu überwinden" beitragen, die nötigen Anfragen an die Theologie stellen und dabei den Glauben vertiefen.
Schließlich sei auch die Zusammenarbeit mit anderen Teilen der Gesellschaft wichtig, schärfte Sosa seinen Ordensbrüdern ein. Die Kooperationen sollten über die Werke der Jesuiten wie auch über den kirchlichen Bereich hinausgehen.
P. Arturo Sosa, geboren am 12. November 1948, wird auf seinem Heimatkontinent Lateinamerika als "Mann der Wissenschaft, der Reflexion, Aktion und Engagement verbindet", charakterisiert. Der neue Jesuiten-General entstammt laut dem katholischen Portal "tierrasdeamerica.com" (Sonntag), das über Medienmeldungen aus Venezuela berichtet, einer einflussreichen Familie. Sein gleichnamiger Vater, ein überzeugter Christdemokrat, war nach Ende der Jimenez-Diktatur 1958 Mitglied der Übergangsjunta sowie 1982 bis 1984 Finanzminister.
Sosa selbst zählt nach Einschätzung venezolanischer Politologen zu den "wichtigsten Intellektuellen des Landes". Sein 20-bändiges Werk über die Entstehung der Demokratie in Venezuela sei bereits "Klassiker".
Wesensmerkmal des Jesuiten sei auch, dass er seine Autonomie und Freiheit nie aufgegeben habe und selbst mit Gruppen der extremen Linken den Dialog geführt habe, als er sich etwa den Wirtschaftsreformen des sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andres Perez widersetzte. Für seinen Einsatz für Menschenrechte sei Sosa vom venezolanischen Geheimdienst 1989 und 1992 lange verhört worden.
Als wechselhaft gilt Sosas Beziehung zu Hugo Chavez, der selbst einst Sosas Student war: Zwar habe der Jesuit 1999 die von Chavez geforderte Verfassungsgebende Versammlung unterstützt und sei von Chavez beim gescheiterten Militärputsch von 2002 angerufen und um seinen Segen gebeten worden, doch habe er sich vom politischen Weg des Staatspräsidenten zunehmend distanziert und sei sein Kritiker geworden. Die Chavez-Regierung sei ein "Herrschaftssystem", das "nicht legitim" sei, erklärte er 2014.
Doch auch für Nicolas Maduro galt Sosa bislang als prominente Gegenstimme. Der nunmehr oberste Jesuit sei gegenüber der aktuellen Regierung genauso wie zuvor gegenüber Chavez "sehr kritisch", erklärte der Provinzsekretär der Jesuiten Venezuelas, Francisco Javier Dupla, am Samstag gegenüber dem US-Sender "Univision". Kritikpunkt sei dabei vor allem, dass der Ölpolitik Vorrang gegeben werde gegenüber der Entwicklung von Arbeitsplätzen. Sowohl die Chavisten als auch ihre Gegner würden jedoch Sosa als jemanden anerkennen, "der nicht von der Polarisierungs-Falle einfangen lässt, an der Venezuela leidet", so P. Dupla.
Generalkongregation der Jesuiten:
www.gc36.org