Bei allem Rückgang der Zahlen sehen Ordensobere optimistisch in die Zukunft der österreichischen Ordensgemeinschaften.
Bei allem Rückgang der Zahlen sehen Ordensobere optimistisch in die Zukunft der österreichischen Ordensgemeinschaften.
Österreichische Ordenskonferenz veröffentlicht aktuelle Zahlen. 4.691 Ordensfrauen und -männer in Österreich: Rückgang gegenüber 2018 um fünf Prozent. Ordenskonferenz-Vorsitzender Erzabt Birnbacher: "Als Ordensleute gehören wir zur kirchlichen Gattung der Propheten, der Mut-Macher und der Hoffnungs-Träger, die schon immer rar waren"
Die Zahl der Ordensangehörigen in Österreich ist weiter leicht rückläufig. Das geht aus einer aktuellen Statistik hervor, die die Österreichische Ordenskonferenz am Montag veröffentlichte. Mit Stichtag 31. Dezember 2019 gab es demnach in Österreich 4.691 Ordensleute.
Das bedeutet einen Rückgang von rund fünf Prozent im Vergleich zum Jahr davor (4.924). In Österreich gibt es 106 Frauenorden mit insgesamt 3.047 Schwestern sowie 86 Männerorden mit 1.234 Ordenspriestern und 374 Ordensbrüdern (gesamt 1.617).
Die Zahl der Ordensmänner ging damit im Vergleich zum Jahr davor um ca. drei Prozent zurück, bei den Frauen sind es sechs Prozent.
Die Hauptursache für den Rückgang liegt in der Altersstruktur der Ordensangehörigen, vor allem bei den Frauenorden: 62 Prozent der Ordensschwestern sind mindestens 75 Jahre alt.
Zum Vergleich: Bei den Männerorden liegt der Anteil in dieser Altersgruppe bei 29 Prozent.
Erzabt Birnbacher trotz allem optimistisch
Der Salzburger Erzabt Korbinian Birnbacher hat in einer Video-Pressekonferenz am Montagnachmittag in der Erzabtei St. Peter die aktuellen Zahlen präsentiert. Zum einen gebe es nichts zu beschönigen, zum anderen solle man die Zahlen aber auch nicht überbewerten. "Ich blicke bei allem erkennbaren Wandel und zahlenmäßigem Rückgang optimistisch in die Zukunft der Ordensgemeinschaften", so der Erzabt wörtlich. Es komme nicht auf die Größe an, "wenn wir der Kraft des Evangeliums vertrauen", so Birnbacher. Wohl sei es aber nötig, aus den vorliegenden Zahlen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Birnbacher ist der Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz.
Der Erzabt von St. Peter äußerte sich zum Rückgang von 233 Ordensleuten: "Es handelt sich dabei nicht um nackte Zahlen, sondern um 233 konkrete Menschen, Schwestern und Brüder in Ordensgemeinschaften, die ihre Berufung gelebt und ihr bis zum Tod treu geblieben sind." Hoffnungsvoll stimmten ihn die Zunahmen an ewigen Gelübden und steigenden Priesterweihen, so Birnbacher: "Als Ordensleute gehören wir zur kirchlichen Gattung der Propheten, der Mut-Macher und der Hoffnungs-Träger, die schon immer rar waren."
Sr. Franziska Bruckner, zweite Vorsitzende der Ordenskonferenz, sprach die Statistik in einer Aussendung ebenfalls betont nüchtern an. Die Zahlen würden eine Entwicklung widerspiegeln, die in West- und Mitteleuropaweit ähnlich verlauft. Die Zahl der Ordensleute gehe zurück, das Durchschnittsalter der Orden werde höher, die Werke der Ordensgemeinschaften würden aber zugleich in unterschiedlichen Formen für die Zukunft fit gemacht.
Bildung, Gesundheit, Seelsorge
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Orden u.a. im Bildungsbereich: 52.118 Schülerinnen und Schüler besuchten 2019 eine Ordensschule.
Eine Entwicklung im Bereich der Ordensschulen schrieb sich dabei auch 2019 fort. Die Anzahl der in direkter Trägerschaft der Orden stehenden Schulen nahm leicht ab: von 43 auf 39. Die Anzahl der Schulen in Trägerschaft von Schulvereinen hat sich nicht wesentlich verändert, während die Vereinigung der Ordensschulen Österreich (VOSÖ) deutlich von 26 auf 35 Ordensschulen wuchs.
In den Kernbereichen Bildung, Seelsorge und Gesundheit ist die Zahl der Ordensleute, die dort ihren Dienst versehen, stabil geblieben. So wirkten 2019 in den 23 Ordensspitälern 262 Ordensmänner und -frauen, in den Schulen und Bildungseinrichtungen 267 und in der Pfarrseelsorge 1.084 Ordensleute.
Birnbacher hob bei der Pressekonferenz zudem die Leistungen der Orden im Bereich der Kunst und Kultur hervor, die sich nicht beziffern lassen würden. Hinsichtlich der Ordensschulen verwies er auf die Hilfsaktion "#ordentlich lernen": An den Ordensschulen werden derzeit gebrauchte Laptops gesammelt, die dann aufbereitet und an jene Schüler weitergegeben werden, die dringend Bedarf haben. Die Initiative versuche, "einen Beitrag zu leisten, damit Bildung in dieser herausfordernden Zeit für alle möglich bleibt und wir somit allen eine gemeinsame gute Zukunft ermöglichen", so Birnbacher.
Der Vorsitzende der Ordenskonferenz dankte auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Ordenskrankenhäusern, die im Einsatz gegen das Coronavirus stehen. Auch die vielen Menschen im Land, die durch die Corona-Maßnahmen in wirtschaftliche Existenznöte geraten sind, bräuchten besondere Unterstützung. Birnbacher: "Wir können nur gemeinsam dieses Virus besiegen." - Auch Sr. Franziska Bruckner schlug hinsichtlich der Pandemie in ihrer Aussendung in die gleiche Kerbe.
Eintritte und Priesterweihen
18 Ordensmänner legten 2019 ihr ewige Profess ab und banden sich damit endgültig an ihre jeweilige Ordensgemeinschaft. Das ist um einer mehr als 2018. Bei den Frauenorden gab es 17 ewige Gelübde und damit gleich um 13 mehr als im Jahr davor. - Eine Entwicklung, die Birnbacher wie Bruckner zuversichtlich stimmte.
Bruckner hob die Bedeutung dieses Schritts der "ewigen Profess" hervor: "17 Frauen haben im abgelaufenen Jahr versprochen, sich für ihr ganzes Leben an die von ihnen gewählte Ordensgemeinschaft zu binden. Um sich 'auf ewig' einer Gruppe von Ordensfrauen anzuschließen, bedarf es einer starken und mutigen Persönlichkeit und einer gediegenen Ordensausbildung."
Während die Zahl der ewigen Professen gestiegen ist, ist jene der Ordenseintritte ins Noviziat hingegen gesunken. Die Männerorden verbuchten 19 Eintritte (2018: 25), die Frauenorden 16 (2018: 18).
Ebenfalls in der Statistik enthalten ist eine Vorschau auf die wahrscheinlich anstehenden Priesterweihen in den Orden - mit einer erfreulichen Entwicklung. Demnach ist 2020 mit 18 neuen Ordenspriestern zu rechnen, 2018 wurden 10 Ordensmännern zu Priestern geweiht.
(Infos: www.ordensgemeinschaften.at)
Um fünf Prozent - von 4.924 auf 4.691 - ist die Zahl der Ordensleute in Österreich im vergangenen Jahr gesunken. Das hat u.a. auch damit zu tun, dass 2019 drei Frauenorden aus Österreich weggegangen bzw. zu existieren aufgehört haben.
Die Zahl der Frauenorden in Österreich hat sich damit von 109 auf 106 reduziert. Die Zahl der Männerorden blieb mit 86 gleich. Damit gibt es in Österreich aktuell 192 Orden, die auch Mitglied in der Österreichischen Ordenskonferenz sind.
Die drei betroffenen Frauenorden waren die Sionschwestern, wobei eine Schwester in Wien noch wohnhaft ist, die Dienerinnen vom Heiligen Blut, welche als Gemeinschaft und nicht mehr als katholischer Orden gezählt werden und die Anbeterinnen vom Blut Christi, die Österreich verlassen haben.
Die Überalterung der Orden wird besonders bei den Frauen deutlich: 62 Prozent der Ordensschwestern gehören zur Gruppe 75plus. Bei den Männerorden liegt der Anteil in dieser Altersgruppe bei 29 Prozent. Der Anteil der 65-74-Jährigen ist bei Frauen (17 Prozent) und Männer (16 Prozent) annähernd gleich. Bei den 40-64-Jährigen haben die Männer aber mit 42 Prozent gegenüber den Frauen (18 Prozent) deutlich die Nase vorne. Immerhin 13 Prozent der heimischen Ordensmänner sind unter 40 Jahre alt, bei den Ordensfrauen sind es nur drei Prozent.
Daten aus den Diözesen
Mit den Österreich-Zahlen hat die Ordenskonferenz am Montag auch die Zahlen für die einzelnen Diözesen im Land veröffentlicht. Die Erzdiözese Wien verzeichnet demnach 57 männliche Ordensgemeinschaften mit 579 Ordensmännern und 48 weibliche Ordensgemeinschaften mit 886 Ordensfrauen. In der Erzdiözese gibt es 76 Ordensschulen mit 18.268 Schülern. Dazu kommen sieben Ordenskrankenhäuser und 13 Alten- und Pflegeeinrichtungen.
Burgenland und Steiermark
In der Diözese Eisenstadt leben und wirken 29 männliche Ordensangehörige aus 11 Ordensgemeinschaften und 69 weibliche Ordensangehörige aus 5 Ordensgemeinschaften. Es gibt neun Ordensschulen mit 1.726 Schüler, zudem ein Ordenskrankenhaus und eine Alten- und Pflegeeinrichtung.
In der Diözese Graz Seckau zählt man 20 männliche Orden mit 151 Mitgliedern sowie 17 weibliche Ordensgemeinschaften mit 388 Schwestern. Dazu kommen 15 Ordensschulen (4.528 Schülern) sowie drei Ordenskrankenhäuser und zwei Alten- und Pflegeeinrichtungen.
Kärnten und Tirol
Die Diözese Gurk-Klagenfurt verzeichnet 30 Ordensmänner in neun Orden und 171 Ordensfrauen in 18 Gemeinschaften. Es gibt in Kärnten fünf Ordensschulen mit 1.348 Schülern und zwei Ordenskrankenhäuser sowie zwei Alten- und Pflegeeinrichtungen.
In der Diözese Innsbruck gibt es 14 männliche Ordensgemeinschaften mit 196 Mitgliedern sowie 16 weibliche Ordensgemeinschaften mit 396 Mitgliedern. 18 Ordensschulen mit 3.743 Schülern sowie ein Ordenskrankenhaus und fünf Alten- und Pflegeeinrichtungen gibt es ebenfalls in der Diözese.
Oberösterreich und Niederösterreich-West
Die Diözese Linz zählt 25 männliche Orden mit 274 Ordensangehörigen und 21 weibliche Orden mit 629 Schwestern. Es gibt 43 Ordensschulen mit 10.551 Schülern, sowie sieben Ordenskrankenhäuser und elf Alten- und Pflegeeinrichtungen.
In der Diözese St. Pölten sind 20 männliche Ordensgemeinschaften mit 195 Ordensangehörigen und zehn weibliche Ordensgemeinschaften mit 96 Ordensangehörigen beheimatet. Es gibt 31 Ordensschulen mit 5.312 Schülern. Dazu kommt eine Alten- und Pflegeeinrichtung.
Salzburg und Vorarlberg
In der Erzdiözese Salzburg gibt es 18 Männerorden (116 Mitglieder) und 17 Frauenorden (271 Mitglieder); weiters 14 Ordensschulen mit 3.613 Schülern sowie zwei Ordenskrankenhäuser und drei Alten- und Pflegeeinrichtungen.
Die Diözese Feldkirch zählt schließlich sechs männliche Ordensgemeinschaften mit 47 Ordensmännern und zwölf weibliche Ordensgemeinschaften mit 168 Schwestern. Es gibt in Vorarlberg 24 Ordensschulen mit 3029 Schülern sowie zwei Alten- und Pflegeeinrichtungen, die von einer Ordensgemeinschaft geführt werden.