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17.06.2017 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Mitarbeiter gesucht

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium Sonntag, 18. Juni 2017 (Mt 9,36-10,8)

Wir werden täglich durch alle Kanäle der Medien über Attentate, Katastrophen, Hungersnöte informiert. Jesus hatte nicht nur Mitleid mit der Not der Menschen. Er hat auch eine Strategie entwickelt, wie dieses Mitleid in Taten umgesetzt werden kann.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium Sonntag, 18. Juni 2017 (Mt 9,36-10,8)

Damals zog Jesus durch die Städte und Dörfer in Galiläa. Überall ging er in die örtlichen Bethäuser, die Synagogen, und sprach zu den Leuten. Er muss die Menschen fasziniert haben, denn sie kamen in Scharen, um ihn zu hören. Und viele hatten die Hoffnung, von Krankheiten geheilt zu werden. Denn tatsächlich geschahen durch ihn viele Wunder. Es gab sogar Totenerweckungen. Doch selbst wenn Jesus viele heilen konnte, was war das gegenüber der Not der Menschen, die sich um ihn drängten!

 

„Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Jesus ließ sich von der Not berühren, der er begegnete. Er hat nicht weggeschaut. Was er da an Menschenleid sah, war nicht schön anzusehen: viel Armut, viele am Ende ihrer Kräfte, wirklich kein erfreulicher Anblick.

 

Wir werden täglich durch alle Kanäle der Medien über Attentate, Katastrophen, Hungersnöte informiert. Manchmal wird es schwer, noch ein Gefühl des Mitleids aufzubringen. Irgendwann schaltet die Seele ab und denkt nicht mehr an all das Elend in der Welt. Dann besteht die Gefahr, dass wir abstumpfen und von der Not der Welt nicht mehr berührt werden. Dann kann schon der Gedanken aufkommen: Hauptsache es betrifft mich nicht! Ich kann es eh nicht ändern!

 

Dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber allem Elend dieser Welt kann lähmend sein. Jesus hat sich nicht damit abgefunden. Und da liegt die Botschaft des heutigen Evangeliums. Jesus legt die Hände nicht in den Schoß. Sein Mitleid mit der Not der Menschen ist nicht ein frommes Gefühl. Er hat eine echte Strategie, einen Plan gegen die Not der Welt. Wie sieht sein Plan aus?

 

Zuerst rüttelt er seine Zuhörer durch ein starkes Bild auf: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“ Wenn die Ernte nicht rechtzeitig eingebracht wird, verkommt sie. Das ist eine Katastrophe. Ohne Ernte keine Nahrung! Also Hungersnot. Das erleben zur Zeit viele Teile Afrikas wegen der langen Dürre. Dann sind Millionen vom Hungertod bedroht.

 

Die Ernte ist groß. Das heißt: Viele erwarten Hilfe, aber es fehlt an Helfern. Jesus sagt uns, wir sollen Gott um mehr Helfer bitten, um mehr Menschen, die auf die Not der anderen eingehen. Jesus unternimmt aber selber Schritte, um mehr Helfer zu haben. Er fängt klein an. Er sucht sich gerade einmal zwölf Mitarbeiter aus. Wir erfahren ihren Namen. Er nennt sie Apostel, das heißt Abgesandte. Mit diesen zwölf beginnt er seinen Plan umzusetzen. Er gibt ihnen den Auftrag, sein Werk fortzusetzen und Menschenleid zu lindern. Und er sagt ihnen, sie sollen nicht gleich mit der ganzen Welt beginnen („Geht nicht zu den Heiden“), sondern fangt einmal bei unserem eigenen Volk an („Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“). Später wird er sie in die ganze Welt schicken („Geht zu allen Völkern“), aber anfangen sollen sie im Kleinen, vor Ort, bei den eigenen Leuten.

 

Jesu Plan ist bewundernswert aufgegangen. Aus den ersten zwölf wurden zwei Milliarden. Nicht alle engagieren sich voll und ganz für das „Reich Gottes“, wie Jesus es nennt, für eine Welt, in der Gottes Liebe und Barmherzigkeit gelebt wird. Aber niemand kann leugnen, dass in der ganzen Welt unendlich viel Gutes getan wird, meist im Kleinen, kaum bemerkt und doch wirksam, ja oft lebensrettend. Jesus hatte nicht nur Mitleid mit der Not der Menschen. Er hat auch eine Strategie entwickelt, wie dieses Mitleid in Taten umgesetzt werden kann. Und er sucht ständig neue Mitarbeiter für seinen Plan.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Matthäsevangelium 9,36-10,8

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.


Kardinal Schönborn

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Gedanken zum Evangelium

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