"Vom Wiederaufbau des Landes sind keine Anzeichen zu sehen", so Ghoneim.
"Vom Wiederaufbau des Landes sind keine Anzeichen zu sehen", so Ghoneim.
Leiter des Hilfswerks "Korbgemeinschaft", P. Ghoneim, berichtet nach Lokalaugenschein in Syrien von katastrophaler wirtschaftlicher und humanitärer Situation. 90 Prozent der syrischen Bevölkerung lebt weit unter der Armutsgrenze.
90 Prozent der syrischen Bevölkerung lebt weit unter der Armutsgrenze. Und auch wenn sich die politische Situation in den meisten Landesteilen stabilisiert hat, ist die wirtschaftliche und humanitäre Situation im Land nach wie vor katastrophal. Das berichtet der Wiener melkitisch-katholische Priester Hanna Ghoneim. Er leitet das Hilfswerk "Korbgemeinschaft", das in Syrien tätig ist. Vor kurzem ist er von einem längeren Lokalaugenschein in Syrien zurückgekehrt. Besonders betroffen zeigte er sich vom Leid der Kinder.
Der eklatante Strom- und Treibstoffmangel machten nicht nur den Alltag der Menschen fast unerträglich, auch wirtschaftliche Betriebe können so nicht wieder auf die Beine kommen. "Vom Wiederaufbau des Landes sind keine Anzeichen zu sehen", so Ghoneim in einem der Nachrichtenagentur Kathpress vorliegenden Bericht. Auch die medizinische Versorgung liege weitgehend danieder.
Stattdessen habe die Kriminalität dramatisch zugenommen: "Diebstähle sind überall in Syrien gang und gäbe, gerade in dicht bevölkerten Städten. Bei den Dieben handelt es sich oft um Kinder, die von ihren mittellosen Eltern oder von Kriminellen dazu angestiftet werden." Drogenhandel, Prostitution und Kindesmissbrauch seien allgegenwärtig. "Die moralische Dekadenz ist vielerorts zu verspüren. Was früher nur selten vorkam, ist heute Teil des Alltagsbildes geworden", so Ghoneim. Man merke zudem eindeutig, "dass Kinder die wahren Opfer dieser Armut sind: Sie werden zu den Mülltonnen geschickt und oft sind sie es, die sich in den langen Warteschlangen vor den Bäckereien anstellen müssen."
Der Priester macht für die Misere neben dem Krieg vor allem das westliche Wirtschaftsembargo verantwortlich, an dem er kein gutes Haar lässt. Aber auch "die politischen Entscheidungen der Regierung lösen nur Enttäuschung und Depression aus".
Besonders perspektivlos sei es auch für die junge Generation. Eine Familie zu gründen sei fast unmöglich ohne Arbeit und Wohnraum. Für viele junge Menschen aber auch ganze Familien stelle sich die Auswanderung daher als beste Lösung dar, "vor allem, wenn es bereits Verwandte in Europa gibt. Daher wurde ich oft gefragt, ob ich Wege kenne, um bei der Auswanderung zu helfen."
Ghoneim hat allerdings mit seinem Hilfswerk genau das Gegenteil im Sinn. Die "Korbgemeinschaft" bemüht sich neben humanitärer Nothilfe um nachhaltige Wirtschaftsprojekte, damit die Syrer ihr Land wieder aufbauen können.
Die kirchliche Stiftung "Korbgemeinschaft - Hilfe für Syrien" ist in Damaskus, im Hauran-Gebirge, in Homs und in Aleppo tätig. Die Hilfe kommt der christlichen Minderheit, aber auch vielen Muslimen zugute. Partner der "Korbgemeinschaft" vor Ort sind kirchliche Einrichtungen wie auch einzelne Priester, die von der Gemeinschaft bei ihrer seelsorglichen und sozialen Hilfe unterstützt werden. Beispielsweise wird Binnenflüchtlingen bei der Begleichung von Mieten und Energiekosten geholfen, Bekleidung für Bedürftige organisiert oder ärztliche Versorgung vermittelt.
Zuletzt hat die "Korbgemeinschaft" nahe bei Damaskus eine Großbäckerei errichtet, in der für bedürftige Menschen günstiges und zugleich hochwertiges Brot hergestellt wird. Nun werden auf dem Areal der Bäckerei auch noch ein Sozialmarkt und eine Suppenküche errichtet. Ghoneim will zudem ein Landwirtschaftsprogramm in Angriff nehmen. Protektor der "Stiftung Korbgemeinschaft" ist der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn.
Infos und Spenden: www.korbgemeinschaft.at