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14.08.2019 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Unsterbliche Mutter

Maria selber hat in ihrem eigenen Danklied an Gott, ihrem „Magnificat“, vorausgesagt: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ Das ist kein Eigenlob, sondern darin dankt sie Gott für das Große, das er an ihr getan hat, die Mutter Jesu zu werden.

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, zu Mariä Himmelfahrt, am Donnerstag, 15. August 2019.

Der Tod der Mutter ist immer ein unersetzlicher Verlust. Mit keinem Menschen haben wir eine so unlösbare Verbindung wie mit der Mutter, in der unser Leben begonnen hat. Und selbst wenn die Beziehung zu ihr sich nicht gut entwickelt, wenn es Spannungen und Streit gibt, sie bleibt die Mutter. Sie hat uns das Leben gegeben, und deshalb ist ihr Tod ein so tiefer Schmerz.

 

Das heutige Fest hat eine freudige Botschaft: Der Tod konnte der Mutter Jesu nichts anhaben. Sie ist heimgegangen, aber nicht gestorben. Sie ist mit ihrem Sohn vereinigt, musste aber dafür nicht durch das enge Tor des Todes gehen, wie es unser aller Los ist. Sie ist „entschlafen“, ohne den Tod kosten zu müssen. Sie hat Jesus das Leben gegeben, deshalb wollte er nicht, dass sie den Tod erleiden muss. Weil Jesus mit Leib und Seele auferstanden ist und lebt, hat er sie mit Leib und Seele zu sich genommen.

 

Lange bevor sich Theologen bemüht haben, das Geheimnis der „Himmelfahrt“ Marias in Worte zu fassen, haben einfache Menschen ihre Liebe und Verehrung für Maria zum Ausdruck gebracht. Das Fest der Himmelfahrt Marias ist nicht am Schreibtisch von gelehrten Theologen entstanden. Es wurde zuerst von Menschen besungen, die sich über die Mutter Jesu gefreut haben. Und dieser Ton der Freude bestimmt bis heute die überall in der Welt lebendige Marienverehrung. Maria selber hat in ihrem eigenen Danklied an Gott, ihrem „Magnificat“, vorausgesagt: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ Das ist kein Eigenlob, sondern darin dankt sie Gott für das Große, das er an ihr getan hat, die Mutter Jesu zu werden.

 

Das heutige Fest wird mir verständlicher, wenn ich die Liebe so vieler Menschen zu Maria erlebe. Dieses Vertrauen zur Mutter Jesu kommt aus dem Herzen, es ist spontan, kindlich, aber nicht kindisch. Sie ist eben die Mutter des Herrn und in ganz einzigartiger Weise die Mutter der Menschen. Sie lebt, sie ist denen nahe, die um ihre Hilfe bitten. Deshalb gibt es weltweit so viele Marienwallfahrtsorte, wohin Menschen pilgern, um ihre Nähe zu erfahren.

 

Die erste, die diese Nähe als große Freude erlebt hat, war Marias eigene Verwandte Elisabeth, die selber nach langer Unfruchtbarkeit ein Kind erwartete: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“

 

Von frühester Zeit an haben die Gläubigen gespürt, dass „die Mutter meines Herrn“ nicht einfach wegsterben kann, weil ihr Sohn Jesus durch seinen Tod den Tod besiegt hat. Diesen Sieg hat er auch seiner Mutter geschenkt. Wer wünscht sich nicht, dass die eigene Mutter lebt!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Lukas 1,39-56

In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

 


Mehr zum Thema Mariä Himmelfahrt

 

Kardinal Schönborn

Mehr über Kardinal Christoph Schönborn

 

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