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21.12.2019 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Josef – Hüter der Heiligen Familie

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 22. Dezember 2019 (Mt 1,18-24)

Im Arbeitszimmer von Papst Franziskus befindet sich eine Statue des heiligen Josef. Die Besonderheit: Es ist ein schlafender Josef.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag,
22. Dezember 2019 (Mt 1,18-24)

„Mit der Geburt Jesu war es so…“ Der Evangelist Matthäus erzählt knapp und nüchtern, was eigentlich ganz unglaublich ist. Gar nicht ungewöhnlich ist, dass eine junge Frau ein Kind erwartet. Es ist das Natürlichste von der Welt. Wir alle wurden von einer Frau erwartet, die mit uns schwanger war. So wurde sie Mutter, unsere Mutter. Auch bei Maria zeigt es sich, dass sie schwanger geworden ist, aber nicht von Josef, ihrem Verlobten, sondern „durch das Wirken des Heiligen Geistes“.

 

Was Wunder, dass dieser so einfach und wie selbstverständlich vom Evangelisten hingestellte Satz auf Fragen, Zweifel, Widerspruch gestoßen ist. Josef war der Erste, der vor dieser unlösbaren Situation stand: Das Kind war nicht von ihm. Es konnte nur von einem anderen Mann stammen. Aber Maria solche Untreue zuzumuten, muss ihm unmöglich erschienen sein. Auf jeden Fall überlegt er, wie er sie vor der schweren Anklage der Untreue schützen kann. Er will lieber selber schlecht dastehen, als sie bloßzustellen. Daher sein Plan, sich heimlich von ihr zu trennen, sodass nicht sie als die Schuldige gilt.

 

Mich berührt diese Haltung des Josef. Obwohl er eigentlich davon ausgehen muss, dass Maria ihn betrogen hat, will er von ihr das Beste annehmen, auch wenn er es nicht begreifen kann. Wie oft ertappe ich mich dabei, schnell einmal von anderen eher das Schlechte als das Gute zu vermuten! Wie leicht verdächtigen wir andere, tragen gegen sie Groll und Bitterkeit im Herzen. Josef begreift (noch) nicht, was mit Maria geschehen ist, aber er bewahrt ihr sein Wohlwollen, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint.

 

Diese innere Haltung hat Josef offen gemacht, empfänglich für das, was Gott ihm dann im Traum zeigt. Träume sind oft wirr und schwer zu verstehen. Weil Josef ein gerechter Mann war, ein Mensch mit einem geraden Herzen, konnte Gott ihm so klar im Traum seine Botschaft geben. Der Engel, durch den Gott zu ihm spricht, nennt Josef „Sohn Davids“. Tatsächlich stammte Josef aus dem königlichen Stamm, aus der Nachkommenschaft Davids. Königlich ist der Auftrag, der ihm im Traum zugewiesen wird. Er soll Maria nicht wegschicken, sondern ihr vertrauen. Sie hat ihn nicht betrogen, das Kind, das sie erwartet, ist nicht von einem anderen Mann, sondern von Gottes Heiligem Geist. Das Kind wird ein Sohn sein, und er soll ihm Vater sein. Nach jüdischem Brauch soll er als Vater dem Kind den Namen geben.

Jesus soll das Kind heißen, Jeschua auf Hebräisch, was „Gott ist Retter“, „Gott ist Erlöser“, bedeutet, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“. Das kann Josef nur in dem Sinn verstanden haben, dass Gott ihm den Messias, den ersehnten Befreier und Erlöser, anvertraut hat. Er soll dem verheißenen Messias Vater sein, wirklich ein königlicher Auftrag.

 

Von Josef sind im Evangelium keine Worte überliefert, nur Taten. Josef hört, schweigt und handelt: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.“ Von diesem Tag an war Josef der Hüter der Heiligen Familie. Bis heute wird er als Hüter der ganzen Familie Gottes verehrt.

 

Einer, der die Hilfe des heiligen Josef besonders viel in Anspruch nimmt, ist unser Papst Franziskus. Ich durfte selber in seinem Arbeitszimmer eine Statue des heiligen Josef sehen. Ihre Besonderheit: Es ist ein schlafender Josef. Und da der heilige Hüter von Maria und Jesus meist die Botschaften Gottes im Traum erhielt, legt der Papst ihm seine Sorgen und Anliegen, auf Zettel geschrieben, unter sein Kopfkissen. Der Stapel an Zetteln war recht eindrucksvoll hoch. Und Papst Franziskus ist überzeugt, dass der heilige Josef ihn und uns alle nicht vergisst!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Matthäusevangelium 1,18-24

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.


Kardinal Schönborn

Mehr über Kardinal Christoph Schönborn

 

Gedanken zum Evangelium


Die "Gedanken zum Evangelium" jeden Sonntag auf "radio klassik Stephansdom" zum Nachhören:

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