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08.12.2020 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Woher kommt das Böse?

"Und Maria? Sie ist das genaue Gegenbild zu diesen tragischen Irrwegen. In ihr hatte der Zwiespalt, der in allen Menschenherzen da ist, keinen Platz. Sie schwankte nicht zwischen Gut und Böse. Ihr Ja zu Gott machte sie offen für Ihn und damit für alle Menschen". so Kardinal Christoph Schönborn.

Gedanken zur Lesung, von Kardinal Christoph Schönborn, zu Mariä Empfängnis, am Dienstag, 8. Dezember 2020 (Genesis 3,9-15.20)

Was hat einen 21-Jährigen bewogen, am Abend des 2. November blindlings auf friedliche Menschen zu schießen? Vier Tote, viele zum Teil schwer Verletzte! Was muss in einem jungen Menschen vorgehen, eine solche sinnlos-grauenvolle Tat zu begehen? Er dürfte überzeugt gewesen sein, hier etwas Gutes zu tun, genauer: um eines guten Zieles willen zu morden. Er tat es nicht, um eine Bank zu überfallen und viel Geld zu erbeuten. Es war auch nicht ein Akt der Rache gegen bestimmte Personen, die ihm ein Leid zugefügt hätten. Er schien davon zu träumen, einem großen Ziel zu dienen: In dieser verderbten Welt einen Gottesstaat zu errichten, in dem alles ganz nach Gottes heiligem Gesetz gehen würde.

 

Was hat dieser schreckliche Terrorakt mit dem heutigen Fest zu tun? Maria ist doch das totale Gegenteil einer solchen kranken Geisteshaltung. Heute wird ihrer Empfängnis gedacht, neun Monate vor ihrer Geburt am 8. September. Sie wird als die „ohne Erbsünde Empfangene“ bezeichnet. Sie sei, so lehrt die Kirche, „ohne den Makel der Erbsünde“ von ihren Eltern Joachim und Anna empfangen worden.

Erbsünde: Das ist das eine Thema des heutigen Festes. Das andere ist Maria, die Frau ohne Erbsünde, vom Anfang ihres Lebens an. Für mich ist die Erbsünden-Lehre der Kirche ein Schlüssel für vieles, was in der Welt passiert und was ich auch in mir selber feststelle. Sie sagt ganz einfach Folgendes: Alle Menschen sind gut geschaffen, tragen aber wie ein Erbe eine Art seelischen genetischen Defekt in sich, eine Neigung nicht nur zum Guten, sondern auch zum Bösen. Ein Leben lang haben wir alle mit beiden Neigungen zu kämpfen: die gute zu stärken und die böse zu bekämpfen.

 

Im biblischen Bericht vom Sündenfall verführt die Schlange Adam und Eva mit einem einfachen Trick: Sie spiegelt ihnen das Verbotene als etwas Verlockendes, Wünschenswertes und Gutes vor. Wir werden immer zum Bösen dadurch verlockt, dass es uns als etwas Gutes vorgegaukelt wird. Das kann der Alkohol sein, der Seitensprung, das schnelle Geld oder das Morden, um etwas angeblich Gutes zu erwirken. Zahllose Menschen wurden so durch die Ideologie des Nationalsozialismus dazu verführt, Judenmorde für gut, ja sogar für notwendig zu halten, damit das erträumte tausendjährige rein deutsche Reich entstehen kann. Der Wahn ist in Bomben, Blut und Tränen untergegangen.

 

Wie viele solche Ideologien hat es schon gegeben, die stets das Böse gerechtfertigt haben, um etwas angeblich Gutes zu erreichen! Von einer solchen hat sich der junge Terrorist infizieren lassen. Seine Tat hat mit echter Religion nichts zu tun.

 

Und Maria? Sie ist das genaue Gegenbild zu diesen tragischen Irrwegen. In ihr hatte der Zwiespalt, der in allen Menschenherzen da ist, keinen Platz. Sie schwankte nicht zwischen Gut und Böse. Ihr Ja zu Gott machte sie offen für Ihn und damit für alle Menschen. Der Engel begrüßte sie: „Du bist voll der Gnade.“ Deshalb ist sie voll unvergleichlicher Güte. Nur so kann ich mir erklären, warum überall auf Erden Menschen bei ihr Schutz und Geborgenheit suchen und finden.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Genesis 3,9-15.20

Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen? Der Mensch antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen. Gott, der HERR, sprach zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen. Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.


 

Gedanken zum Evangelium

 

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