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07.02.2021 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Alle suchen dich…

Jesus ist in Kapharnaum am See Genesareth. Dort beginnt er sein öffentliches Wirken. Der Evangelist Markus schildert uns in knappen Worten den ersten „Auftritt“ Jesu.

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 7. Februar, 2021 (Markus 1,29-39)

Jesus ist in Kapharnaum am See Genesareth. Dort beginnt er sein öffentliches Wirken. Der Evangelist Markus schildert uns in knappen Worten den ersten „Auftritt“ Jesu. Wie gewohnt geht er am Sabbat in die örtliche Synagoge. Ihre Reste sind eindrucksvoll zu sehen, dank der Ausgrabungen an diesem denkwürdigen Ort. Jesus ist begleitet von den ersten vier Jüngern, den beiden Brüderpaaren Simon, den Jesus Kephas, Petrus, Felsen, nennen wird, und Andreas, Jakobus und Johannes. Jesus ergreift das Wort, spricht zu den Menschen, die zum Gottesdienst zusammengekommen sind. Spektakulär ist das plötzliche laute Schreien eines Besessenen. Jesus befreit den Mann durch ein schlichtes Machtwort von dem bösen Geist. Die Menschen sind erschrocken und beeindruckt. Und der Ruf Jesu verbreitet sich in Windeseile in der ganzen Gegend.

 

Ein typischer Zug im Verhalten Jesu: Er scheint seinen Erfolg nicht zu genießen, zu verkosten. Fast hat man den Eindruck, er fliehe jede Art von Bewunderung. Er hätte ein Star werden können, ein Publikumsliebling. Stattdessen entzieht er sich. Gleich nach seinem ersten so eindrucksvollen Wirken in der Synagoge zieht er sich zurück in das Haus des Simon und Andreas, weg aus der ihn umdrängenden Menge.

 

Die Archäologen glauben, die Reste des Hauses gefunden zu haben. Es liegt ganz nahe bei der Synagoge. Mich hat es sehr berührt, diesen kurzen Weg zu gehen. Die Pflasterung ist aus der Zeit Jesu. Um an Jesus zu glauben, ist es nicht notwendig, die steinernen Zeugen seines Lebens zu sehen. Und doch hilft es mir, diese Orte zu besuchen: Hier ist er gegangen, hier hat er gewirkt.

 

Dank der kleinen Notiz, die nun folgt, wissen wir, dass Petrus verheiratet war. Den Namen seiner Frau, seiner Schwiegermutter und wohl auch seiner Kinder erfahren wir nicht. Ich nehme an, dass die ersten zwei, drei Generationen der Jünger Jesu dies wussten und es nicht für nötig hielten, es eigens zu berichten, auch wenn wir heute gerne mehr darüber erfahren möchten. In unserer Zeit der Informationsflut durch die digitalen Medien können wir uns schwer vorstellen, wie kostspielig damals Bücher waren. So wundert es nicht, dass die Evangelien ganz knapp berichten. Alles musste sich auf das Wesentliche beschränken.

 

Am Abend dieses Sabbats ist der ganze Ort vor der Haustüre. Alle wollen Jesus sehen, berühren. Viele erhoffen sich Heilung von Jesus und erhalten sie. Auch hier ist der Text des Markus wortkarg. Aber wir dürfen unsere Phantasie einsetzen. Ich versuche, in meiner Vorstellung mich in die Menge hineinzuversetzen, Jesus zu sehen, zu spüren. Ich lese das Evangelium gerne so, als wäre ich Augenzeuge, als dürfte ich jetzt dabei sein. Und in gewisser Weise stimmt das auch. Was damals geschah, bleibt gegenwärtig. Im Glauben kann ich daran teilnehmen.

 

Das wird mir besonders deutlich bei dem, was nun folgt: Jesus schleicht sich in aller Früh aus dem Haus und geht aus dem Ort hinaus an einen einsamen Platz, um zu beten. Im Stillen möchte ich mit Jesus gehen, beobachten, wie er da ganz alleine betet. Was geschieht da? Wie betet er? Was bewegt sein Herz? Er schweigt darüber. Aber eines ist spürbar: Hier ist seine tiefste Quelle. Aus ihr schöpft er. Daher kommt seine Kraft, die viele Menschen heilt. Daher stammen seine Worte, die so tief berühren. Das lässt uns ahnen, worum es Jesus wirklich geht: Dass möglichst viele Menschen Zugang zu dieser Quelle finden, zu dem, den er einfach Vater nennt. „Alle suchen dich“, sagen ihm die Jünger, als sie ihn finden. Genau deshalb hat er sich zu uns auf den Weg gemacht, bis heute.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Markus 1,29-39

Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.


 

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