Hans Zollner SJ ist Leiter des Kinderschutzzentrums in Rom und Mitglied der päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch.
Hans Zollner SJ ist Leiter des Kinderschutzzentrums in Rom und Mitglied der päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch.
Hans Zollner SJ, der Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom: Opfern und Betroffenen von Missbrauch zuzuhören ist wichtigste Maßnahme der Kirche.
Das von der katholischen Kirche in Österreich entwickelte Modell für die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und Gewalt ist "hervorragend und hat exemplarischen Charakter". Das unterstrich der Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, Pater Hans Zollner SJ, bei einem Fachgespräch am Dienstag, 9. September 2015, in Wien. Der Jesuit würdigte die klare Vorgangsweise und das strukturierte Zusammenwirken der weisungsfreien diözesanen Ombudsstellen mit der "Unabhängigen Opferschutzkommission" ("Klasnic-Kommission") und der kirchlichen "Stiftung Opferschutz". Positiv sei der praktizierte Mix aus Zuhören, Therapie und finanzieller Hilfe. "Es ist zu wünschen, dass dieses Beispiel Schule macht, auch wenn es nicht eins zu eins in anderen Ländern umsetzbar ist", so Zollner.
Die "wichtigste Maßnahme" der Kirche und ihrer offizielle Vertreter sei es, den Opfern und Betroffenen zuzuhören. Vorbild dafür sei die Begegnung von Papst Franziskus mit sechs Missbrauchsopfern im vergangenen Jahr, so der Psychologieprofessor, der auch der Päpstlichen Kinderschutzkommission angehört. Es sei einer der größten Fehler von Bischöfen und Ordensoberen gewesen, "den Opfern nicht zuzuhören und gleichzeitig von den Tätern manipuliert zu werden". Von daher dürften sich Bischöfe der Begegnung mit Opfern nicht verweigern, was bislang in manchen Ländern nach wie vor geschehe.
Ein weiterer Fehler der Vergangenheit sei gewesen, die Häufigkeit von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft sowie das damit verbundene Leid zu unterschätzen. Es handle sich um ein gesellschaftliches Massenphänomen, von dem vorsichtigen Schätzungen zufolge rund 25 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Knaben weltweit betroffen seien. Die Kirche müsse ihre Fehler und ihre Schuld ohne Wenn und Aber eingestehen. Gleichzeitig müssen sich der Staat und die gesamte Gesellschaft der vollen Tragweite des Problems stellen, so Zollner im Blick auf die hohen Opferzahlen in staatlichen Kinderheimen wie dem "Wilhelminenberg" in Wien.
Die Annahme, dass Täter vollkommen geheilt und vollkommen risikofrei leben könnten, habe sich als dritter schwerer Fehler der Vergangenheit erwiesen. Heute wisse man, dass bei Missbrauchstätern eine sehr große Wiederholungsgefahr bestehe, der "nur mit konsequenter Nachbetreuung" begegnet werden könne. Hier bestehe derzeit weltweit großer Handlungsbedarf, da es mit Ausnahme der USA und Kanada fast in keinen Ländern geeignete Einrichtungen dafür gibt.
Eingeladen zur Veranstaltung hatte Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic, die darauf verwies, dass die Opferschutzkommission bislang rund 1.300 Entscheidungen getroffen habe, die in der Folge von der Kirche immer umgesetzt wurden. Neben Bischof Klaus Küng als Präsident der "Stiftung Opferschutz" nahmen zahlreichen Mitgliedern der diözesanen Ombudsstellen und Kommissionen gegen Missbrauch am Fachgespräch teil. Seitens der Opferschutzkommission waren neben Klasnic auch Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes, der Publizist Hubert Feichtlbauer, die Mediziner Prof. Reinhard Haller und Werner Leixnering sowie der frühere Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz gekommen.
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