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16.01.2017 · Österreich & Weltkirche

Menschenrechtsexperte: Kopftuch-Streit ist Stellvertreterdebatte

Die Kritik am Vorschlag eines partiellen Kopftuch-Verbots für Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) zieht weitere Kreise.

Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Michael Prüller: "Wenn Kurz 'Ich halte euch den Islam vom Leib!' signalisieren will, dann sollte er das auch offen sagen".

Die Kritik am Vorschlag eines partiellen Kopftuch-Verbots für Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) zieht weitere Kreise: So äußerte nun auch der deutsche Menschenrechtsexperte und frühere UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeldt, sowie der Pressesprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Michael Prüller, scharfe Kritik an dem Vorschlag: "Das geht gar nicht", sagte Bielefeldt in der ORF-Sendung "Orientierung" am Sonntag, 17. Jänner 2017. Und Prüller schreibt in seiner Kolumne "Culture Clash" in der "Presse am Sonntag": "Wenn Kurz 'Ich halte euch den Islam vom Leib!' signalisieren will, dann sollte er das auch offen sagen".

 

Auch wenn es einen besonderen, historisch begründeten Status des Christentums gebe, so könne daraus kein Recht auf eine Bevorzugung abgeleitet werden, sagte Bielefeldt im ORF-Fernsehen: "Der Anspruch der Gleichberechtigung ist dem Recht der Religionsfreiheit eingeschrieben. Christliche Symbole zu privilegieren ist ein Verstoß gegen die Gleichheit". Und so vermutet der Menschenrechtsexperte, dass die aktuelle Debatte einem Aktionismus geschuldet ist, der sich am symbolisch hoch aufgeladenen Kopftuch abarbeite, da man des eigentlichen Problems - der islamistischen Terroristen - kaum habhaft werde. Insofern handle es sich um eine "Stellvertreterdebatte" ähnlich jener Pseudo-Debatte um das "Burkini-Verbot" im vergangenen Jahr als Reaktion auf den Terroranschlag von Nizza.

 

"Wenn es um Sicherheit geht, helfen solche Debatten nicht weiter - im Gegenteil", so Bielefeldt, da etwa ein Kopftuch-Verbot für öffentlich Bedienstete "in vielen Fällen Ungerechtigkeit produziert" und die Gesellschaft spalte. Abgesehen davon wäre ein pauschales Kopftuch-Verbot ein Schlag ins Gesicht für all jene muslimischen Frauen, die das Kopftuch nicht aus Repression, sondern "selbstverständlich und selbstbewusst" als Zeichen ihres Glaubens tragen.

 

Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) zur verpflichtenden Teilnahme von muslimischen Schülerinnen am Schwimmunterricht bewertet Bielefeldt indes positiv: Man dürfe das Recht auf Religionsfreiheit "nicht isoliert betrachten", sondern stets mit dem Recht auf Bildung zusammensehen. Eine partielle Befreiung vom Schwimmunterricht sei aus seiner Sicht "nur in extremen Fällen denkbar - etwa wenn es darum geht, eine sonst drohende existenzielle Zerreißprobe für eine junge Frau zu vermeiden". Dem generellen Urteil des Gerichts könne er jedoch "viel abgewinnen": "Wir müssen nämlich auch die Schulpflicht und die Koedukation - also den gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Jungen - hochhalten".

 

Michael Prüller: "Lächerlich unangemessen"

Kritik am VP-Vorschlag kommt indes auch vom Mediensprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller: Auch wenn der Vorstoß von Minister Kurz "verständlich" sei, da man so "Duftmarken" zur Markierung des eigenen "Reviers" setze, so sei er doch nicht sachlich begründet. Wenn nämlich Das Kopftuch tatsächlich eine "Flagge des Islamismus" sei und für eine "Kultur des Hasses und der Unterdrückung" stehe, so müsse es konsequenterweise gänzlich verboten werden. Ein Verbot nur aus öffentlichen Ämtern wäre "lächerlich unangemessen".

 

Wer sich mit der Forderung nach einem Kopftuch-Verbot auf das Argument der Liberalität berufe, stehe in der Gefahr, sich in Widersprüche zu verstricken und letztlich "antireligiös" zu agieren, wo ein solches Verbot alle Formen religiöser Präsenz im öffentlichen Raum treffen würde, so Prüller: Kopftuch-Verbote seien daher vielmehr "ein Rückschritt von jener Liberalität, die sie zu verteidigen vorgeben": "Wäre der Islam als solcher wirklich ein Feind, wären sie Augenauswischerei. Ist er es nicht, sind sie Gängelung." Daher sei mehr Aufrichtigkeit zu fordern: "Wenn Kurz 'Ich halte euch den Islam vom Leib!' signalisieren will, dann sollte er das auch offen sagen."

 

Sr. Mayrhofer: "Ich bin gegen das Kopftuchverbot"

Auch die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Sr. Beatrix Mayrhofer, erteilt dem Vorstoß zu einem Kopftuch-Verbot erneut eine strikte Absage: "Ich bin gegen das Kopftuchverbot". Wieso solle einer Muslimin verboten werden, "was einem Juden, einem Sikh oder auch mir als katholischer Ordensfrau erlaubt ist?", schreibt Mayrhofer in einem Gastbeitrag für die "Kleine Zeitung" (Ausgabe vom 15. Jänner). Die Freiheit zur Wahl der eigenen Kleidung aus religiösen Gründen sei ein "Ausdruck willkommener Vielfalt, die unsere Gesellschaft bereichert und bunt macht".

 

Sie schätze daher die gesellschaftliche Toleranz gerade vor dem Hintergrund der Unterdrückungs-Erfahrungen in kommunistischen Ländern: "Gerade deswegen setze ich mich dafür ein, dass Frauen und Männer (!) ihre in einer anderen Kultur oder Religion begründete Form der Kleidung wählen und auch im öffentlichen Dienst tragen dürfen". Sollte sie selbst gezwungen werden, ihren Schleier abnehmen zu müssen, würde sie dies nicht tun: "Ich würde um die Stelle kämpfen - gemeinsam mit den muslimischen Frauen und für alle, die ihr Leben in den Dienst des Friedens stellen wollen", so Mayrhofer.

 

Konvertitin Sabatina James für Kopftuchverbot

Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt indes die zum Christentum konvertierte pakistanische ehemalige Muslimin Sabatina James: Das Kopftuch sei ein "Symbol der Unterwerfung der Frau, ihrer Sexualität und ihrer Selbstbestimmung unter die Herrschaft des Mannes", so James im Interview mit dem "Kurier" (Ausgabe vom 15. Jänner). Die Zahl jener Frauen, die das Kopftuch nicht freiwillig tragen, sei sehr groß - und eben diese Frauen brauchten Unterstützung. "Das Kopftuch ist (...) kein religiöses Zeichen, sonst müssten die Männer es ja auch tragen. Es ist vielmehr ein Zeichen der Unterwerfung der Frau unter den Mann, also ein antidemokratisches Symbol".

 

 

erstellt von: red/kap
16.01.2017
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Der Innsbrucker Sozialethiker Wolfgang Palaver sprach an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät über die religiösen Denkfiguren des US-Milliardärs Peter Thiel. Begriffe wie „Antichrist“ und „Katechon“ prägen Thiels politische Vision – und fordern die Theologie heraus, sich in die Debatte einzumischen.

Papst mahnt: Synodaler Weg braucht mehr innerdeutschen Dialog

Papst Leo XIV. sieht den Reformprozess der deutschen Kirche noch nicht am Ziel. Beim Rückflug aus dem Libanon mahnte er mehr innerdeutschen Dialog an – und warnte vor Machtgefällen, die Stimmen vieler Gläubiger zum Verstummen bringen könnten. Vielfalt in der Synodalität sei kein Bruch, sondern Stärke.

Papst Leo XIV. startet erste Auslandsreise – Friedensbotschaft für die Türkei und den Libanon

Papst Leo XIV. startet vom 27. November bis 2. Dezember seine erste Auslandsreise in die Türkei und den Libanon. Der frühere Leiter des Augustinerordens gilt als reisefreudig und bringt weltweite Erfahrung mit.

Gemüse in der Wüste – Hoffnung für Turkana

Landwirtschaft statt Hunger: Ein Projekt verwandelt Kenias Wüste in fruchtbares Land. Am 2. Dezember besucht eine Gruppe von Aktivisten Wien und berichtet von ihrer Arbeit

Tigray hungert trotz Friedensabkommen

Tigray bleibt von Hilfen weitgehend abgeschnitten – Ordensmann warnt vor dramatischer Lage

"Leo from Chicago": Neue Papst-Doku jetzt mit deutschen Untertiteln

Dokufilm beleuchtet familiäre, schulische und religiöse Prägung von Robert Francis Prevost

Belarus: Lukaschenko begnadigt zwei katholische Geistliche nach politisch motivierten Prozessen

Ordensmänner Akalatowitsch und Juchniewicz, gegen die in offensichtlich politisch motivierten Prozessen Lagerhaft verhängt worden war, kommen frei

Friedenslicht aus Oberösterreich für Papst Leo

Florian Mitter, das Friedenslichtkind aus Oberösterreich, übergab im Vatikan das Licht aus Bethlehem an Papst Leo XIV. und zeigte sich zutiefst beeindruckt.

Kinderpalliativzentrum MOMO: Inklusion schwerkranker Kinder sichern

Wiener Einrichtung mahnt Einlösung von UN-Kinderrechtskonvention ein: "Inklusion, Teilhabe, Schutz vor Gewalt, Bildung und Beteiligung müssen für alle Kinder in unserer Gesellschaft selbstverständlich sein"

3.800 Ordensleute als weiter prägende Kraft in Kirche und Gesellschaft

Österreichweit sind die 191 Ordensgemeinschaften in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege, Soziales, Kultur, Mission, Spiritualität und Seelsorge eine nicht wegzudenkende Größe.

Propst Sonnleitner: "Musik ist für mich ein Teil von Seelsorge"

Gefragter Organist an Spitze der Augustiner Chorherren von St. Florian ist kurz nach seiner Wahl mit drei unerwarteten Interessenten aus dem Kongo konfrontiert

Neues Buch gibt bislang unbekannte Einblicke in das Konklave 2025

Vatikanjournalisten öffnen in "Das letzte Konklave" den Blick auf Wahlgänge, Pannen und Anekdoten aus der Sixtinischen Kapelle.

Stift Klosterneuburg: René Girards Denken über Neid und Gewalt im Fokus

Das Stift Klosterneuburg präsentiertr das Buches "Neid, Gewalt und Sündenböcke" von Stiftskämmerer Elias Carr.

Katholische Jungschar fordert Partizipation: „Frag mich doch!“

Zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November macht die Katholische Jungschar Österreichs mit ihrer Kinderrechteaktion auf das Recht auf Partizipation aufmerksam.

Kardinal-König-Kunstpreis 2025 geht an Huda Takriti

Der seit 2005 alle zwei Jahre vergebene Preis zeichnet internationale Künstlern aus Österreich aus, die mit ihren Werken Debatten bereichern.

 

Papst Leo XIV. in Rom: Sant'Anselmo als „pulsierendes Herz“ für die Weltkirche

Papst Leo ermunter Benediktiner, Christus in den Mittelpunkt ihres Lebens und ihrer Mission zu stellen

Lackner: Bischöfe "höchst erfreut und dankbar" über Grünwidl

Salzburger Erzbischof erwartet neue Impulse für Österreichs Kirche durch Seelsorge-Schwerpunkt seines designierten Wiener Amtskollegen

Bischöfe fordern einen starken Sozialstaat sowie Hilfe für die Ukraine und Solidarität

Die Österreichische Bischofskonferenz hat zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung eine klare Botschaft formuliert.

Seit einem halben Jahr ist Leo XIV. Papst

Neues Kirchenoberhaupt zwischen großem Erbe und sorgfältiger Abwägung - Kathpress-Hintergrundbericht von Severina Bartonitschek

Bischof Scheuer: "Der Mensch ist dem Menschen von Natur aus Freund"

Linzer Bischof bei Bischofskonferenz-Festgottesdienst im Wiener Stephansdom über gesellschaftliche Verantwortung, Solidarität und Frieden - Fähigkeit zum Kompromiss "weder faul noch feige, sondern Ausdruck des Willens zum Miteinander und zur Versöhnung"

Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Wien

Die Vollversammlung der Bischofskonferenz ist in Wien eröffnet worden. Im Zentrum stehen Treffen mit Bundespräsident, Caritas und orthodoxen Kirchen.

Kardinal Dominik Duka OP verstorben

Der Dominikaner Duka war das einzige tschechische Mitglied des Kardinalskollegiums und stand im 82. Lebensjahr.

Abt Bernhard Eckerstorfer für theozentrische Wende in der Kirche

Ordensmann mit Auslandserfahrung: "Klöster bleiben Säulen für die Zukunft der Kirche"

Trump, Gott und die Nation: Religion in den USA ein Jahr nach der Wahl

Christlicher Nationalismus auf dem Vormarsch: Theologen warnen vor Aushöhlung der Verfassung und wachsender Polarisierung - Hintergrundbericht von Benedikt Heider/KNA

Katholisch-Theologische Fakultät Wien präsentiert Sammelband „War in Ukraine“

Das neue Werk beleuchtet theologische, ethische und historische Hintergründe des russischen Angriffskriegs und ist kostenlos als Open Access verfügbar.

Synode: Auf dem Weg zu weltweiten Kirchenversammlung 2028

Das letzte Treffen findet statt, wenn die mehrjährige Umsetzung der Ergebnisse der Weltsynoden von 2023 und 2024 in den Ortskirchen abgeschlossen ist.

Balanceakt in der Sakristei: Warum Österreichs Kirchen-Staat-Modell Zukunft hat

Ein Wiener Experte hält das österreichische Konkordat für ein unterschätztes Meisterstück – es sichere Kontrolle, ohne die Religionsfreiheit zu verdrängen.

Nationalfeiertag: Abtsbenediktion von Ludwig Wenzl in Stift Melk

Niederösterreichs Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Innenminister Karner und der designierte Wiener Erzbischof Grünwidl werden unter den Festgästen erwartet.

„Pilger:innen der Hoffnung“: Weltkirche-Konferenz in Wien setzt Zeichen für den Frieden

Friedensarbeit, Trauma und Umweltgerechtigkeit im Globalen Süden – Berichte aus Ecuador, Kenia und den Philippinen.

Oberösterreichs Landeshauptmann Stelzer trifft Papst Leo XIV.

"Es war ein sehr emotionales, wenn auch kurzes Treffen und eine ernsthafte Auseinandersetzung", so der oberösterreichische Landeschef.

"Mit dem Judesein Jesu vertraut werden"

Basisgemeinde Forum 2025 lädt zur Auseinandersetzung mit der jüdischen Verwurzelung Jesu ein.

Job Speed Dating für junge Arbeitssuchende in Wien am 11. November

Junge Menschen, die Starthilfe in die Berufswelt brauchen, können am 11. November 2025 in lockerem Rahmen Bewerbungsgespräche für eine Lehrstelle bei namhaften Unternehmen führen. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Papst Leo XIV. spricht sieben Männer und Frauen heilig

Katholische Kirche feiert sieben neue Heilige: Märtyrer und Wohltäter.

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