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28.04.2002 · Gedanken zum Evangelium

Der Weg ist das Ziel

Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn für den  5. Sonntag der Osterzeit, 28.4.2002
(Joh 14, 1-12)

 

Unterwegs sind wir, solange wir auf dieser Welt sind. Unser Leben ist ein Weg.

Wir sprechen vom “Lebensweg”, wenn wir auf das zurückblicken, was hinter uns liegt. Meist ist es nicht ein schnurgerader Weg gewesen, oft auch nicht ein schon klar vorgezeichneter und erst recht nicht ein breiter, ebener, bequemer Weg. Da gab es auch Umwege, steile und steinige Wegstücke, bisweilen auch Irr- und Abwege, aber immer war und ist es ein Unterwegs. Erst am Lebensende ist auch der Lebensweg zu Ende. Und spätestens dann stellt sich die Frage, ob er zum Ziel geführt hat.

 

Von diesem Ziel spricht Jesus im heutigen Evangelium, das zu den Worten gehört, die er am letzten Abend vor seinem gewaltsamen Tod gesprochen hat. Es sind Abschiedsworte, und statt dass sie ihn trösten, dem so Schreckliches bevorsteht, tröstet er sie. Er spricht von einem Wiedersehen drüben, “im Haus meines Vaters”. Er verspricht ihnen, die jetzt verwirrt und traurig sind, dass er sie nicht alleine läßt. Ich gehe euch voraus, ich bereite euch drüben ein Zuhause, und dann komme ich euch holen, damit wir für immer beisammen sind, dort, wo es keinen Tod mehr gibt und keine Tränen.

 

(Wir spüren hier, was für ein großes Herz Jesus hat: kein Wort über sein eigenes, bevorstehendes Leiden, nur liebevolle Sorge um seine Freunde. Er tröstet sie: Für jeden von euch ist drüben ein Platz vorbereitet. Aber was würde die schönste Aussicht auf die ewige Heimat nützen, wenn wir den Weg dorthin nicht kennen?)

 

Zeig uns den Weg dorthin, sagt der Zweifler Thomas, der alles immer genau wissen will. Als Antwort weist Jesus auf sich selber: “Ich bin der Weg!” Niemand kommt nach Hause, ans ewige Ziel, “außer durch mich”.

 

Ist das nicht anmaßend?  Wie kann ein Mensch sich selber als den Weg, und zwar als den einzigen, zielführenden Weg bezeichnen?  Ähnlich am vergangenen Sonntag, als Jesus sich als die einzige Tür bezeichnete, durch die man ins ewige Leben eintreten kann. Ist er denn der “Alleinseligmachende”? Er bezeichnet sich zudem nicht nur als den Weg, sondern, was noch weitreichender ist, auch als das Ziel: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben”.

 

Man kann schon verstehen, warum damals wie heute Leute gemeint haben, er sei ein Gotteslästerer oder einfach ein Spinner. Und es überrascht nicht, dass sie auch seine Anhänger für solche halten.

 

Darauf sehe ich nur eine Antwort: Jeder Mensch muss seinen Lebensweg suchen. Viele haben  seit 2000 Jahren Jesus als ihren Weg gefunden und sie haben bezeugt, dass sie damit gut gefahren sind.

 

Sie haben ihm vertraut, ganz auf ihn gesetzt und er hat sie nicht enttäuscht, sie haben wirklich das Leben gefunden.

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Evangelium für den 5. Sonntag der Osterzeit, 28.4.2002, (Joh 14, 1-12)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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