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01.04.2015 · Gedanken zum Evangelium

Gedanken zum Evangelium: Ein langer Karfreitag

Franziska Jägerstätter

Franziska Jägerstätter bei der Seligsprechung von Franz Jägerstätter am 26. Oktober 2007 in Linz.

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Schönborn, für Karfreitag, 3. April 2015.

"Es war ein langer Karfreitag. Aber ich denke, dass ich jetzt schon näher an Ostern bin." So beschrieb manchmal Franziska Jägerstätter ihr Leben. Was war für sie "ein langer Karfreitag"? Am Gründonnerstag 1936 hatte sie Franz Jägerstätter geheiratet. Es war eine glückliche Ehe. Drei Töchter wurden ihnen geboren. Als Hitler in Österreich einmarschierte, war Franz der Einzige in St. Radegund, der gegen den Anschluss stimmte. Seine Ablehnung des Nazi-Regimes wurde immer klarer. Sie kam aus seinem tiefen Glauben. Er war überzeugt, dass er nicht Christus und dem Führer dienen konnte. Das Reich Christi und Hitlers "Drittes Reich" waren für ihn unvereinbar. Als er 1943 zum Kriegsdienst einberufen wurde, verweigerte er den Dienst mit der Waffe aus Glaubensüberzeugung. Am 9. August 1943 wurde er in Berlin enthauptet.

 

Franziska überlebte ihren geliebten Gatten um 70 Jahre. Sie starb knapp nach ihrem 100. Geburtstag am 16. März 2013. Ich habe selber öfters von ihr gehört, wie sehr sie sich auf ein Wiedersehen mit ihrem Franz freute. Die Liebe zu ihm war nicht alt geworden. Ich erinnere mich, dass sie sich fragte: "Wird er mich wohl wiedererkennen?"

 

Warum aber sprach sie von ihrem Leben als einem "langen Karfreitag"? Franziska hatte viel zu leiden. Zuerst durch den Tod ihres Mannes, dessen Gewissensentscheidung sie achtete, so schwer es ihr fiel. Doch erlebte sie viel Kritik. Sie habe ihn von seiner tödlichen Kriegsdienstverweigerung nicht abgehalten. Sie sei deshalb mitschuldig an seinem Tod. Ihre religiöse Haltung wurde ihr zum Vorwurf gemacht. Lange galt Jägerstätter als Schandfleck, weil Kriegsdienstverweigerung für unehrenhaft und feig gehalten wurde. Die ersten zwanzig Jahre nach dem Krieg waren für Franziska bittere Zeiten der Ausgrenzung, der Verachtung und auch der Armut. Sie erhielt lange keine Kriegswitwenrente.

 

Erst allmählich wurde die Tat ihres Gatten geschätzt. Man begann sich mit seinem Leben und Zeugnis zu befassen. Ein Seligsprechungsverfahren wurde eingeleitet. Unvergesslich ist mir die Feier der Seligsprechung von Franz Jägerstätter am 26. Oktober 2007 im Linzer Dom. Franziskas strahlendes Gesicht an diesem Tag sagte allen, die es gesehen haben, was sie meinte, wenn sie sagte: "Ich denke, dass ich jetzt schon näher an Ostern bin."

 

Karfreitag und Ostern gehören zusammen. Aber in dieser Reihenfolge. Jesu Karfreitag dauerte nur einige Stunden. An sie erinnern wir uns heute: Seine Verurteilung, seine Auspeitschung, die ihn schrecklich zugerichtet hat, seine "Krönung" mit einem Dornenkranz, dann das Tragen des Kreuzbalkens, an den er angenagelt und am Kreuzmasten aufgehängt wurde. Nach drei Stunden der unbeschreiblichen Qual starb er, gegen drei Uhr Nachmittag. Mutige Freunde bargen seinen Leichnam und legten ihn in ein nahes Grab, das einem der Freunde gehörte.

 

Franziskas "langer Karfreitag" bestand aus vielen Prüfungen, Demütigungen, Kritiken, und vor allem aus dem Schmerz der Trennung von ihrem geliebten Franz. Je älter sie wurde,  desto leuchtender ihr Gesicht, wenn sie an "ihr Ostern" dachte, das Wiedersehen mit Franz. Ich durfte ihr oft begegnen. Ihr strahlendes Lächeln war für mich der Beweis, dass auch in einem "langen Karfreitag" schon die Freude des Ostermorgens durchscheinen kann.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (03.04.2015)
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Johannes 19,17-30

Jesus trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

 


 

Mehr über Franz Jägerstätter

 


kathbild.at/rupprecht  

Ostern

Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.

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Gedanken zum Evangelium

Wöchentlicher Evangelienkommentar von Kardinal Christoph Schönborn.

kathbild.at/rupprecht  

Kardinal Christoph Schönborn

Seine Texte, Predigten und Vorträge.

Frag den Kardinal  

Frag den Kardinal

Fragen für und Antworten von Kardinal Christoph Schönborn.

 

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