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10.02.2017 · Glaube · Jüngerschaft

Christliches Abendland in Gefahr?

Die aktuelle Diskussion um ein mögliches Kopftuchverbot – die Debatte um das Kreuz als religiöses Symbol in Schulen und Gerichtsgebäuden – und die moslemfeindliche Politik von Donald Trump. Selten zuvor haben religiöse Themen so stark emotionalisiert.

 

Ist es tatsächlich wichtig, dass in unseren Schulen ein Kreuz hängt? Und: Brauchen wir in Österreich ein Kopftuchverbot oder ein Burkaverbot im öffentlichen Raum? Sollen es unsere Politiker nicht vielleicht sogar so halten, wie der neue US-Präsident Donald Trump, der mit seiner Forderung nach einem Einreisestopp für muslimische Länder gleich eine gesamte Religionsgemeinschaft unter Generalverdacht stellt?


Vom Gefühl her waren religiöse Diskussionen selten zuvor so präsent und polarisierend wie derzeit. Und zwar in der Politik, in den Nachrichten und damit klarerweise auch überall im Alltag.

 

Ist das eine reine Momentaufnahme? Oder nimmt die Diskussion um Religion derzeit zu?

 

Das fragen wir Paul Michael Zulehner Als Theologe und katholischer Priester gehört er zu den bekanntesten Religionsexperten Europas und beobachtet damit die aktuelle Entwicklung: „Religion wird nicht wirklich wichtiger. Aber sie ist nach Jahrzehnten der Privatisierung auf die politische Bühne zurückgekehrt. Dabei spielen ganz verschiedene Interessen eine Rolle.

 

So zeigt die Studie ‚Religion im Leben der Menschen 1970-2010‘, dass sich im Land derzeit fast 80% als ,Kulturchristen‘ verstehen. Sie wollen ein christlich geprägtes Europa und ein christliches Abendland. Die einen setzen sich dafür kämpferisch ein, die anderen friedlich. Die Diskussion um ein christliches Abendland kann unsere Kultur durchaus stärken. Menschen beschäftigen sich wieder mit dem Christentum, aber auch mit dem Islam, den Skeptikern und den Atheisten und Konfessionsfreien. Ob sich im Rahmen solcher Diskussionen auch Menschen für den (Wieder-)Eintritt in die Jesusbewegung entscheiden, steht dahin.“

 

Paul Michael Zulehner bestätigt also im Interview mit dem SONNTAG den zunehmenden Trend von religiösen Themen in der aktuellen politischen und alltäglichen Diskussion. Diese wird mitunter sehr emotional geführt, weiß Zulehner. „Ich schätze es sehr, wenn in Diskussionen Gefühle wach werden. Solche gehören ja zu uns und unseren Wahrnehmungen. Bei Vorträgen versuche auch ich gezielt, Gefühle zu wecken.

 

Kritisch wird es freilich, wenn sich Gefühle verselbständigen. Dann werden sie irrational und können ebenso ein blindes Hochgefühl wie auch blinden Hass erzeugen. Zu den starken Gefühlen gehören Vertrauen wie Angst. Angst sitzt im Bauch. Verbündet sich die Angst mit dem Verstand, dann wird aus der Angst Furcht. Angst wehrt ab, Furcht setzt sich ein“, bekräftigt Zulehner.

 

Weiters ergänzt er: „Entängstigt euch, fürchtet euch aber vor dem Terror im Namen Gottes (ob christlich oder islamisch ist gleich schlimm) genauso wie vor der Gewalt einzelner Einheimischer gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte oder die verbale Gewalt des Hassens in den Postings.“

 

Werden Themen wie Kopftuchverbot oder die Diskussion um Kreuze politisch aufgebauscht, oder sind das tatsächlich für die Österreicher relevante Themen?

 

Paul Michael Zulehner: Die Diskussionen um Kopftuch oder Kreuz sind vernünftige politische Themen. Sie sind den Menschen wichtig. Allerdings werden sie von verschiedenen Interessen gespeist. Die einen wollen wie in Frankreich alle religiösen Symbole aus den öffentlichen Räumen beseitigen, andere nur die muslimischen.

 

Ich finde es demokratisch bestens, wenn hinsichtlich der religiösen Symbole in den Schulen die Schulgemeinschaft von Schülerinnen, Schülern, Eltern und Lehrenden gemeinsam berät und eine von Respekt getragene Entscheidung trifft.

 

Werden christliche Werte und religiöse Symbole als Vorwand für Ausländerfeindlichkeit benutzt?


Paul Michael Zulehner: Ausländerfeindlichkeit hat zunächst nichts mit christlichen Werten und religiösen Symbolen zu tun, kann aber durch Religion verschärft werden. Es gibt diese ja auch im atheisierenden Osteuropa, im buddhistisch geprägten Myanmar, im hinduistisch geformten Indien. Und auch in Amerika hat man manchmal das Gefühl, dass das Motto insgeheim lautet: „Make America hate again“ (dt. „Lass den Hass in Amerika wieder auferstehen“).

 

Ausländerhass ist eine dunkle, angstbesetzte Eigenschaft in der jeweiligen Person. Es sind Menschen, die sich mit Vielfalt schwertun. Vielfalt ist für sie nicht, wie der Vatikan in einem Text zur Migration schrieb, Reichtum, sondern Bedrohung.

 

Wie stark beeinflusst US-Präsident Donald Trump mit seinem geforderten Einreisestopp für Muslime die Diskussion und Wahrnehmung um religiöse Themen bei uns in Österreich?


Paul Michael Zulehner: Der US-amerikanische Präsident löst den politischen Spagat zwischen Sicherheit und Religionsfreiheit populistisch zu Gunsten der Sicherheit. Mit dieser einfachen Lösung greift er die Ängste vieler in seinem Land auf, verschärft sie aber dadurch zugleich. Denn nicht nur jene Menschen, die aus den „gebannten“ Ländern kommen, sind jetzt unter Verdacht.

 

Der Vorteil dieser Auseinandersetzung in Amerika für uns in Europa ist, dass Politik in der Art Donald Trumps einen schlechten Ruf bekommen hat. Er hat damit unsere Rechtspopulisten mit seinem Stil ziemlich in Verlegenheit gebracht. Er zeigt unmissverständlich auf, wohin solche Politik führen kann.

 

Auch so kann ein amerikanischer Präsident unserem Land und Europa, wenn auch ungewollt, dienen.

 

Sind Kopftuch oder Burka religiöse Symbole oder Symbole der Unterdrückung gegen Frauen, wie oft angenommen wird?

 

Paul Michael Zulehner: Kleidung kann vieles bedeuten. Ich kenne Muslimas, die tragen aus kulturellem Stolz ein Kopftuch. Für andere ist es ein Teil der religiösen Tradition. Wieder andere sehen in ihm weder das eine noch das andere. Ich rate dazu, diese Entscheidung den muslimischen Frauen selbst zu überlassen. Vielleicht können wir indirekt durch Bildung ein wenig Unterstützung geben – auch durch Bildung der muslimischen Männer. Die Entscheidung muss aber von den Betroffenen selbst gefällt werden.

 

Wird die auffällige Dichte der religiösen Diskussionsthemen (Trump, Kopftuch, Kreuz) weiter anhalten?

 

Paul Michael Zulehner: Erfreulicher Weise werden wir wieder ein Land, in dem Religion Interesse gewinnt. Das ist für eine Kultur gut, stärkt das Gewicht des Religionsunterrichts, fördert den interreligiösen und weltanschaulichen Dialog. Unsere Bildungsveranstaltungen werden neuestens gut besucht.

 

Es ist eine Zeit mit vielen Chancen, unsere Kultur, gestützt auf gute Traditionen, als eine offene Kultur weiter zu entfalten. Und das, wie eine Frau aus dem Volk es formulierte, hoffentlich mit „göttlichem Rückenwind“!

 

erstellt von: Der SONNTAG / Michael Ausserer
10.02.2017
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Weitere Informationen

Paul Michael Zulehner, Theologe, katholischer Priester, emeritierte Universitätsprofessor, Religionssoziologe, Buchautor,

www.zulehner.org

 

 

 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

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Radio klassik: Programm zu Weihnachten und Epiphanie: Gottesdienste, Lebensgeschichten und soziale Perspektiven

Zu Weihnachten und Neujahr sendet Radio Klassik Stephansdom ein dichtes Programm zu Spiritualität, Engagement und Lebenswegen.

Telefonseelsorge zu Weihnachten besonders gefragt

Viele erleben Weihnachten nicht als heiles, sondern als belastendes Fest. Konflikte, Trauer und Ängste treten zu den Feiertagen besonders stark auf. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für alle Sorgen und Nöte unter der Nummer 142 kostenlos erreichbar.

Elisabeth Birnbaum: "Wege durch den Bibelwald"

Wer die Bibel neu entdecken möchte, findet in diesem ungewöhnlichen Zugang eine Einladung, vertraute Texte mit frischen Augen zu erkunden.

Ständige Diakone: Geweihte Brückenbauer zwischen Kirche und Welt

Geweihte Männer mitten in Beruf und Familie: Ständige Diakone dienen als unverzichtbare Vermittler zwischen kirchlichem Auftrag und dem Leben der Menschen.

Feuerfest 2026: Einladung zum großen Firm -Event

Am 21. März 2026 lädt die Katholische Jugend Wien Firmlinge zum Feuerfest mit Workshops und Gottesdienst in der Votivkirche.

Neustart für Steyler Predigt- und Liturgiedienst: „Die Anregung“ ist zurück!

Nach einer Unterbrechung lassen die Steyler Missionare ihren beliebten Online-Dienst „Die Anregung“ wieder aufleben. 

Adventkranz mit zwei brennenden Kerzen.

Gottesdienste im Radio und TV zum 2. Advent und Mariä Empfängnis

Eucharistiefeiern aus dem Wiener Stephansdom, aus der Salzburger Militärpfarre und aus Niederösterreich. Hochfest am 8. Dezember feiert die Empfängnis der Jungfrau Maria.

Die Gemeinschaft Cenacolo lädt zum lebendigen Krippenspiel ein

Die Gemeinschaft Cenacolo lädt alle zu einem besonderen Krippenspiel ein  – einer lebendigen Darstellung der Geburt Jesu mit selbstgebauten Kulissen, handgefertigten Kostümen und zwei echten Eseln.

 

Festmonat Dezember: Zwischen Kirschzweigen und Konsumrausch

Advent- der Inbegriff von Spannung zwischen Sehnsucht nach Innerlichkeit und angespannter Betriebsamkeit. Heiligenfeste bieten Kontrapunkte,

mit freundlicher Genehmigung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Wien

Nikolaus ohne Drohfinger – warum der Heilige mehr kann als Sackerl verteilen

Ein Heiliger, der die Hand reicht – auch anderen Konfessionen und Religionen, wird er doch in der Ostkirche ebenso verehrt wie im Westen.

Stephansdom: „Herbergssuche“ mit Segnung und Verteilung der Barbara-Zweige

 

Latinos feiern Guadalupe-Fest erstmals im Stephansdom

Erstmals Guadalupe-Fest im Stephansdom: Spanischsprachige Messe am 12. Dezember – Priester Curiel Rojas nennt Feier „zentrales Glaubensfest und Ausdruck von Identität“

ORF überträgt Gebetstreffen mit Papst Leo XIV. aus der Türkei

Ob live aus der Türkei oder aus heimischen Pfarren: Österreichs Medien laden ein, mitzufeiern – vor dem Bildschirm oder Radio. Ein Wochenende, das Brücken baut: zwischen Ost und West, Tradition und Gegenwart.

Konzil lebt weiter: Synodaler Prozess als neue Ära der Kirche

Synodalität als Konzils-Erbe: Die Kirche öffnet sich für mehr Beteiligung und eine neue Kultur des Miteinanders. Aufbruch zu einer Kirche, in der alle Getauften Verantwortung tragen.

„In unitate fidei“ – Papst Leo XIV. ruft zur Einheit der Christen auf

Christologische Grundlagen des Konzils von Nizäa als Kompass für die Zukunft der Kirche und für die ökumenische Versöhnung.

Abtprimas Schröder: Kirche muss Social-Media-Spiritualität begegnen

Abtprimas Schröder warnt vor "skurriler Online-Spiritualität" und setzt auf bewährte Glaubenstradition

mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus

Der Akathistos-Hymnus wird 1400 Jahre alt

Hymnus mit dem vollständigen Titel "Akathistos an die allerheiligste Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria" gilt weltweit als älteste Mariendichtung

Papst Leo XIV. veröffentlicht neues Buch: „Die Kraft des Evangeliums“

Papst Leo XIV. legt mit „Die Kraft des Evangeliums“ ein neues Buch vor. Der Band des Vatikanverlags fasst zentrale Gedanken des Papstes zu Kirche, Frieden, Hoffnung und Gerechtigkeit zusammen und ruft zu Einheit und Geschwisterlichkeit in einer von Konflikten geprägten Welt auf.

„Unsere Mission ist Dialog“: Ein dringender Appell zur Verständigung

Im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe sprach P. Franz Helm SVD in seinem Beitrag über die Bedeutung des Dialogs in einer gespaltenen Welt.

Neues Buch zu spirituellem Missbrauch: Autor ruft zu stärkerer Sensibilität auf

"Die wichtigsten Menschen auf Erden" beleuchtet geistlichen Missbrauch in katholischer Gemeinschaft - Autor Walter Ender betont in historischer Aufarbeitung aktuelle Relevanz.

Papst Leo XIV. -Erholung für Seele und Körper

Jeder Mensch, auch der Papst braucht Erholung für Körper, Geist und Seele. Papst Leo nutzt, so gut es geht, jeden Dienstag dazu: "Mir hilft das sehr!"

Von Christkönig in den Advent

Der 2. Stadtpilgerweg findet am 25.11.2025 von 15 bis 17 Uhr statt, von der Schottenkirche über Augustiner- und Annakirche zur Deutschordenskirche.

 

Stephansdom: Franz Schubert-Gedenkmesse „Wohin soll ich mich wenden“

Jährlich am 19. November wird im Stephansdom Schuberts mit seiner Deutschen Messe gedacht.

Sechs Wochen oder vier: Der Advent

Mailänder und Ostkirchen begehen eine längere, strengere Vorbereitungszeit.

Missio ehrt Helden der Nächstenliebe

Missio verleiht "EMIL" an inspirierende Missionare; Nationaldirektor Wallner dankt für konkrete Nächstenliebe.

Eucharistiefeier im Divine Worship Ritus

Am Samstagabend können Sie die Messfeier im anglikanischen Ritus, wie er von Katholiken dieser Tradition heute gefeiert wird in Maria am Gestade erleben.

Kremsmünster: Abt Eckerstorfer für theozentrische Wende in der Kirche

Ordensmann mit Auslandserfahrung: "Klöster bleiben Säulen für die Zukunft der Kirche"

Theologe Tück weist Konzilsthesen von Kardinal Brandmüller zurück

Für Brandmüller sind die Erklärungen des Zweiten Vatikanums zum Verhältnis der Kirche zu anderen Religionen und zur Religionsfreiheit überholt - Der Wiener Dogmatik-Professor Tück widerspricht.

Gottesdienstübertragungen zum Welttag der Armen in Österreich

Am Sonntag, den 16. November, dem Welttag der Armen und in Österreich auch Elisabethsonntag, richten die Medien den Blick auf Solidarität und Nächstenliebe.

Red Wednesday 2023

"Red Wednesday" macht auf verfolgte Christen aufmerksam

Mehr als 100 Kirchen, Klöster und kirchliche Orte in Österreich haben Teilnahme am 19. November angekündigt - Aktion geht auf Hilfswerk "Kirche in Not" zurück

Heiliger Stanislaus Kostka

Stanislaus Kostka: Flucht in die Ewigkeit

Am 13. November feiert die Kirche von Wien den Hl. Stanislaus Kostka, der als Jugendlicher von hier aufbrach, um seiner Berufung zu folgen. 

Denk Dich Neu: Positiv-Bilanz 2025 mit Tausenden Kontakten

Jugendinitiative überzeugt mit Seelsorge in der Lebenswelt junger Menschen

„Funkenschein” - mit Sabine Rautek durch den Advent

Der Advent ist längst in Sicht. Sabine Rautek präsentiert ein neues Buch, das helfen will, besinnlich auf Weihnachten zuzugehen.

Papst Leo besorgt über Suchtverhalten unter jungen Menschen

Papst warnt vor Sucht als Symptom sozialen Verfalls und fordert Hilfe für Jugendliche.

Pfarre plant "Pfingstspiel 2026" und sucht Darsteller

Die Pfarre "Zum Heiligen Geist" in Wien-Ottakring will eine theatralische Lücke schließen und inszeniert ein Evangelienspiel, das sich den Ereignissen zwischen Ostern und Pfingsten widmet.

Mary Wards Vision geht nach 400 Jahren in Erfüllung

Nach fast 400 Jahren erfüllt sich die Intuition und die Idee der großen Engländerin. 

Jan-Heiner Tück zur jüngsten vatikanischen Erklärung: Maria ist, was sie ist

Eine neue theologische Note aus Rom sorgt für klare Verhältnisse: Die Mutter Jesu ist nicht „Miterlöserin“. Das Dokument des Dikasteriums für die Glaubenslehre dient der Einheit, dem ökumenischen Dialog – und schützt den Glauben vor Überfrachtung.

Stiftskirche Stift Zwettl

Hl. Karl Borrmäus, vom Papstnepoten zum Kirchenreformer

Er erzichtete auf Luxus, kümmerte sich während der Mailänder Pest persönlich um die Kranken und gilt als Vorbild von Kirchenreform und christlicher Nächstenliebe.

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