Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (Vgl. Lk 3,1-6)
Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (Vgl. Lk 3,1-6)
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 6. Dezember 2015 (Lk 3,1-6)
Genauer kann die Zeitangabe nicht sein: „Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Augustus“, also im Jahr 28 unserer Zeitrechnung. Und auch die damaligen Machtverhältnisse sind klar angegeben. Zuerst wird der Statthalter des Kaisers genannt: Pontius Pilatus. Damit ist klar, wer das Sagen hat: die Römer, die Besatzungsmacht. Alle weiteren sind nur von Gnaden des Kaisers: die drei lokalen „Könige“, Herodes, sein Bruder Philippus, und Lysanias aus der Nachbarprovinz. Auch die religiösen Oberhäupter verdanken ihr Amt dem Wohlwollen des Kaisers in Rom.
In dieser Welt der Mächtigen tritt einer auf, der keine andere Macht hat als den Ruf Gottes, der an ihn erging. Und er wohnt nicht in einem Palast. Er hat keine Kasernen voller Soldaten. Er lebt in der Wüste. Was weiß man schon in Rom, am Hof des mächtigen Kaisers, von dem, was da im 14. Jahr seiner Regierung in der fernen Provinz von Judäa geschieht? Die römischen Geschichtsschreiber berichten nichts davon. Aber Lukas, der Evangelist, weiß, dass es ein weltgeschichtlicher Moment ist, eine „Sternstunde der Menschheit“. Er fasst es in eines gewaltiges Wort: „Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“
Lukas wird uns ein Jahr lang begleiten. Sonntag für Sonntag werden wir Abschnitte aus seinem Evangelium lesen. Unter den vier Evangelisten ist er der „Historiker“ Jesu. Er schreibt selber, dass er allem genau nachgegangen ist, um die Ereignisse des Lebens Jesu zuverlässig zu berichten, um zu zeigen, dass sie glaubwürdig sind.
Jesus beginnt sein Wirken bei Johannes dem Täufer am Jordan. Und deshalb ist für Lukas das Auftreten des Johannes ein weltgeschichtlich bedeutsames Ereignis. Hier beginnt etwas ganz Großes, Neues. Gott selber greift ein. Nicht der Kaiser bestimmt den Lauf der Geschichte. Gott ist ihr Herr. Von ihm kommt das Heil, er ist der Retter.
An uns aber liegt es, ihm den Weg zu bereiten. „Advent“ heißt „Ankunft“. Es ist an der Zeit, für Gottes Kommen „die Straßen zu ebnen“. Dazu braucht es nur eines: die Änderung der Herzen. Johannes rief überall zur Umkehr auf. Als Zeichen diente das Untertauchen im Jordan, die Taufe, und das ehrliche Bekennen der eigenen Fehler. Denn nur so kommt es zur Vergebung der Sünden.
„Ebnet ihm die Straßen!“ Der Advent soll Gottes Kommen bereiten. Die Hindernisse sind vielfältig: „Jede Schlucht soll aufgefüllt werden.“ Alle können wir nachdenken über die Klüfte, die uns voneinander trennen. Sie werden zur Zeit wieder größer. Vorurteile, gegenseitiges Misstrauen, üble Nachrede – vieles kann zu tiefen Gräben werden, die wir überbrücken müssen. „Jeder Berg und Hügel soll sich senken.“ Missverständnisse und Konflikte können sich wie Berge zwischen uns auftürmen. Wer wird sie wieder abbauen? „Was krumm ist, soll gerade werden.“ Wieviel Verquertes hindert unsere Herzen, Gottes Heil zu empfangen. „Jetzt ist die Zeit der Gnade“, sagt die Bibel. Der Advent kann für mich eine Sternstunde meines Lebens werden!
Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.
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Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn