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22.01.2016 · Gedanken zum Evangelium

Gedanken zum Evangelium: Ein Wort, auf das Verlass ist

Evangelist Lukas

"Wer Jesus wirklich war, woher er stammte, wie er gelebt, was er getan und gesagt hat, das wollten von Anfang an viele wissen, die von ihm angezogen waren. Deshalb wurden die Augenzeugen des Lebens Jesu befragt, „interviewt“. Deshalb gab es schon manche schriftliche Berichte über das Leben Jesu", so Kardinal Christoph Schönborn.

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 24. Jänner 2016. (Lukas 1,1-4; 4,14-21)

Was bewog einen Mann wie Lukas, eine Lebensgeschichte Jesu zu schreiben? Warum werden Biographien geschrieben? Weil Menschen sich für das Leben von interessanten Menschen interessieren. Weil man wissen will, wer sie waren, woher sie kamen, wie sie zu dem wurden, was sie geworden sind. Viele lesen lieber Biographien als Romane, weil das Leben selber die spannendsten Geschichten schreibt.

 

Wer Jesus wirklich war, woher er stammte, wie er gelebt, was er getan und gesagt hat, das wollten von Anfang an viele wissen, die von ihm angezogen waren. Deshalb wurden die Augenzeugen des Lebens Jesu befragt, „interviewt“. Deshalb gab es schon manche schriftliche Berichte über das Leben Jesu. Lukas gehörte nicht zu denen, die Jesus noch persönlich gekannt haben. Er ist der einzige der vier Evangelisten, der erst nach Jesu Weggang dazugekommen ist. Lukas, der von Beruf Arzt war, musste sich ganz auf die verlassen, die mit Jesus unterwegs gewesen waren.

 

Umso genauer und gründlicher ging er vor, als er sich entschied, selber einen Bericht über Jesus und sein Leben zu schreiben: „Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen.“ Lukas stand dabei vor einer Aufgabe, die jeder kennt, der eine Biographie schreiben möchte: Was ist wichtig und wesentlich zu berichten? Lukas musste sich beschränken. Papier, Pergament war extrem teuer. Bücher wurden mit der Hand geschrieben und vervielfältigt. Sie kosteten sehr viel Geld. Man konnte nicht tausende Seiten vollschreiben und billig auf den Markt werden, wie das heute bei der Überproduktion an Gedrucktem geschieht.

 

Lukas hat folglich ausgewählt. Wenig erzählt er von der Kindheit Jesu. Gar nichts von seiner Berufstätigkeit. Gerne hätte ich mehr darüber gewusst. Wie sah Jesu Alltag aus? Wie seine persönliche Entwicklung? Lukas konzentriert sich ganz auf die drei Jahre, in denen Jesus öffentlich gewirkt hat, was er getan und gelehrt hat.

 

Er widmet seine Schrift einem gewissen Theophilus. Ihm will er die Gewissheit vermitteln: du bist nicht irgendwelchen Märchen aufgesessen, als du anfingst, dich für Jesus zu interessieren! Theophilus soll vertrauen können, dass die christliche Lehre, in der er unterrichtet worden ist, wirklich zuverlässig die Lehre Jesu ist. Darauf soll er bauen können.

 

Für mich war das lange eine kritische Frage, die mich umgetrieben hat: Begegne ich wirklich Jesus, wenn ich die Evangelien lese? Spricht Jesus zu mir, wenn ich seine Worte höre? Sind es seine Worte, die da überliefert werden? Heute habe ich die Gewissheit, dass es wirklich so ist. Was Lukas mir von Jesus berichtet, ist zuverlässig. Ich kann darauf vertrauen, und deshalb kann ich auf dieses Wort, das Evangelium, in meinem Leben bauen.

 

Deshalb passiert bis heute das, was Jesus bei ihm zuhause, in Nazareth, am Sabbat in der Synagoge sagte: Heute erfüllt sich dieses Wort, das ihr gehört habt. Heute noch spricht Jesus zu uns, wie damals. Lukas, dem treuen Berichterstatter, sei es gedankt!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (24.01.2016)
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Lukas 1,1-4; 4,14-21

Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.


 

Kardinal Schönborn

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Gedanken zum Evangelium

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