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07.10.2016 · Gedanken zum Evangelium

Bitte! Danke!

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 9. Oktober  2016 (Lk 17,11-19)

Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Glück. Wer dankbar ist, bekennt, dass er auf Hilfe angewiesen ist, und dass er es nicht für selbstverständlich nimmt, Hilfe zu erhalten.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 9. Oktober 2016 (Lk 17,11-19)

Wie oft hat man uns als Kinder ermahnt: Sag Bitte! Sag Danke! Ist das wirklich so wichtig? Warum wird das von vielen Eltern so betont? Wird da nicht auf Äußerlichkeiten herumgeritten? Werden Kinder mit diesen ständigen Mahnungen nicht „dressiert“ zu einem Verhalten, das die Erwachsenen erwarten, das aber die Kinder überfordert? Wie dem auch sei, ich bin dankbar dafür, dass ich schon als Kind dazu angehalten wurde, „Bitte!“ und „Danke!“ zu sagen.

 

Das heutige Evangelium zeigt ganz deutlich, dass es nicht ein „Spleen“ der Erwachsenen ist, wenn sie auf „Bitte!“ und „Danke!“ großen Wert legen. Auf eine inständige Bitte folgt kein Danke. Und das empfinden wir zu Recht als empörend. Versuchen wir uns die Szene vorzustellen.

 

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, im Grenzgebiet zwischen Galiläa und Samarien. Es dürfte die Gegend des heutigen Afula sein. Eine ganze Gruppe von Leprakranken, Aussätzigen kommt ihm entgegen, bleibt aber in angemessener Entfernung stehen. Denn nach dem biblischen Gesetzbuch müssen Aussätzige den Gesunden gegenüber Abstand wahren. Sie müssen Warnrufe ausstoßen: Unrein! Unrein! Die Angst vor Ansteckung ist so groß, dass Leprakranke sich von den Gesunden völlig absondern müssen. Ihre Not ist groß, ihr Elend ist unbeschreiblich. Deshalb ihr Hilferuf an Jesus, ihre Bitte um sein Erbarmen.

 

Und Jesus hat mit ihnen Erbarmen. Er schickt sie zu den Priestern. Denn die Priester waren im alten Israel auch die Gesundheitsbehörde. Nur wenn die Heilung amtlich bestätigt ist, können Leprakranke wieder normal unter den anderen leben. Und tatsächlich werden alle Zehn gesund, wie sie selber schon auf dem Weg zu den Priestern feststellen können.

 

Sie haben Jesus inständig um Hilfe gebeten. Und jetzt halten sie es nicht für nötig, sich bei Jesus zu bedanken. Außer einem: Und der war ein Fremder. Undankbarkeit ist empörend. Sie ist schäbig und verletzend. Wer dieses Evangelium hört, fühlt mit Jesus den Schmerz über diese neun, die es nicht für nötig halten, umzukehren und dem zu danken, dem sie ihre Heilung verdanken.

 

Wir sagen leichter Bitte, weil wir alle auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Und wir vergessen allzuleicht das Danke, wenn uns eine Bitte erfüllt worden ist. Und wenn wir es vergessen haben, was ja vorkommen kann, trauen wir uns dann wenigstens ein „Entschuldige!“ zu sagen?

 

Papst Franziskus wiederholt oft, dass drei Worte eine Ehe, eine Familie zusammenhalten: Bitte – Danke – Verzeih! „Wenn man in einer Familie nicht aufdringlich ist und ,Darf ich?’ fragt, wenn man in einer Familie nicht egoistisch ist und lernt, ,Danke!’ zu sagen, und wenn in einer Familie einer merkt, dass er etwa Hässliches getan hat, und es versteht, ,Entschuldige!’ zu sagen, dann herrschen in jener Familie Frieden und Freude.“

 

Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Glück. Wer dankbar ist, bekennt, dass er auf Hilfe angewiesen ist, und dass er es nicht für selbstverständlich nimmt, Hilfe zu erhalten. Sonntagsfrage: Wo kann ich mehr Dank sagen, Dank zeigen? Und vielleicht auch ein „Entschuldige!“

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Luaksevangelium 17,11-19

 

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.


Kardinal Schönborn

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Gedanken zum Evangelium

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