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26.03.2023 · Österreich & Weltkirche

Gänswein skizziert in Heiligenkreuz theologisches Erbe Benedikts

EB Gänswein zitiert Benedikt XVI: "Der Glaube selbst ist vernünftig. Denn die Offenbarung Gottes wendet sich an das Verstehen des Menschen, vor allem an seine Freiheit."

Langjähriger Privatsekretär und jetziger "Testamentsvollstrecker" spricht bei Tagung an Hochschule Heiligenkreuz über "Das Pontifikat Papst Benedikts aus der Sicht eines Zeitzeugen" und leitet Gottesdienst in der Stiftskirche am 25. März

Im Stift Heiligenkreuz als einem Ort, wo sich Papst Benedikt XVI. wohlgefühlt habe, ja, der ihm auch in schwierigen Zeiten als "Lichtblick" und "Ankerpunkt" erschienen sei, hat dessen langjähriger Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein als "Zeitzeuge" das theologische Erbe Joseph Ratzingers skizziert. Er sprach am Freitagabend im Rahmen einer Fachtagung über einen "Dreiklang", der im Denken und Wirken des deutschen Papstes immer wieder durchgekommen sei: Es sei Benedikt um die Wahrheit gegangen, um die Freundschaft mit Christus und um die Freude aus dem Glauben. Diese "Melodie" habe das ganze Leben Ratzingers durchtönt. Und schon der junge Joseph Ratzinger habe die wissenschaftlich betriebene Theologie als seine spezielle Berufung empfunden, so Gänswein.

 

Die Grundlage dafür sei die Überzeugung des späteren Erzbischofs und Papstes: "Der Glaube selbst ist vernünftig. Denn die Offenbarung Gottes wendet sich an das Verstehen des Menschen, vor allem an seine Freiheit." Deshalb sei im Glaubensvollzug das Nachdenken und Nachfragen vorgesehen, ja "eingestiftet", wie Gänswein sagte. Es sei zwar ist es nicht allen Menschen gegeben, theologische Wissenschaft zu treiben. Aber der Zugang zu den großen Grunderkenntnissen des Glaubens stehe jedem offen. In diesem Sinn habe das kirchliche Lehramt "so etwas wie einen demokratischen Charakter", so der Erzbischof. Es werde Teil des gemeinsamen Glaubens, indem es keinen Rangunterschied gibt zwischen Gelehrten und Einfachen in der Kirche.

 

Ratzinger habe sich selbst die Frage gestellt, "ob es nicht eigentlich Anmaßung ist, zu sagen: Wir können die Wahrheit erkennen angesichts all unserer menschlichen Begrenzungen." Dabei sei er zur Erkenntnis gelangt, "dass der Verzicht auf Wahrheit überhaupt nichts löst. Im Gegenteil, er wird zur Diktatur der Beliebigkeit", wie Gänswein darlegte. Alles, was dann bleiben könne, sei "eigentlich nur von uns entschieden und letztlich auch austauschbar". Nicht die Fragen der Vernunft, sondern die sich verschließende Vernunft sei nach Überzeugung des großen Theologen auf dem Stuhl Petri ein großes Hindernis für den Glauben. Auch der spätere Papst Benedikt habe unerschütterlich daran festgehalten: "Die Vernunft des Menschen trägt selbst das Bedürfnis nach dem immer Gültigen und Bleibenden in sich."

 

 

"Liebe öffnet die Augen, macht nicht blind"

 

Ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt sei, gebe das Kriterium in die Hand, zwischen wahr und falsch, zwischen Trug und Wahrheit zu unterscheiden, erklärte Gänswein: "Liebe öffnet die Augen, macht nicht blind." Erst die Beziehung zu Jesus Christus lasse die Zeichen Gottes in der heutigen Zeit erkennen, mache den Menschen geistig frei von allen Denkmodellen oder auch von allen Zwängen. Und die Kirche sei nur dann das, was sie sein soll, wenn sie von ihrer Herkunft lebt; Christus und seine Ziele im Blick zu haben bedeute, "sich nicht allzu häuslich in dieser Welt einrichten" zu wollen.

 

Ratzinger, dessen Wahlspruch bei der Bischofsweihe "Mitarbeit an der Wahrheit" war, habe nie versucht, ein eigenes System der Theologie zu schaffen, wies Gänswein hin. Er habe einfach "mit dem Glauben der Kirche mitdenken" wollen.

 

Nach den Worten des ehemaligen Privatsekretärs und jetzigen "Testamentsvollstreckers" wird sich herausstellen, ob der Todestag Benedikts am 31. Dezember 2022 "eine Art Zeitenwende markieren" werde, "eine Wendung bestimmter Elemente in der Kirche hin zur Unterordnung unter säkulare Machenschaften". Er gab dem Auditorium abschließend das bereits 2006 verfasste geistliche Testament des damals seit gut einem Jahr amtierenden Papstes mit auf den Weg. Darin wies Benedikt darauf hin, es sehe oft so aus, als ob die Naturwissenschaften oder auch die Geschichtsforschung unwiderlegbare Einsichten vorzuweisen hätten, die dem katholischen Glauben entgegenstünden. Benedikt habe miterlebt, wie scheinbare Gewissheiten gegen den Glauben dahinschmelzen, sich nicht als Wissenschaft, sondern als nur scheinbar der Wissenschaft zugehörige philosophische Interpretationen erwiesen hätten. Freilich könne auch der Glaube im Dialog mit den Naturwissenschaften die Grenze der Reichweite seiner Aussagen besser verstehen. "Steht fest im Glauben, lasst euch nicht verwirren", zitierte Gänswein einen eindringlichen Papstappell aus dessen Testament.

 

Auch Gerl-Falkovitz und Tück referieren

 

Im Rahmen der Fachtagung am 24. und 25. März über "Das Prophetische in der Theologie von Papst Benedikt XVI." leitete Erzbischof Gänswein auch einen Gottesdienst am Samstag in der Stiftskirche von Heiligenkreuz. Redebeiträge bei der Tagung kamen u.a. auch von der Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ("Vernunft und Glaube. Zum Denkansatz Joseph Ratzingers") um vom Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück ("Das Gericht als Ort der Hoffnung. Anmerkungen zur Eschatologie von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI"). Beide hatten den deutschen Papst bereits in nach dessen Tod am Silvestertag 2022 gewürdigt.

 

Gerl-Falkovitz beklagte sich damals über "dümmste Zuschreibungen" wie "Panzerkardinal" oder "Rottweiler Gottes" für Benedikt und verwies auf die Früchte, die dem "unaufhörlichen geistigen Kampf" des Verstorbenen entstammen: "Wann zuletzt ist so unerbittlich und doch werbend der Anspruch der Vernunft von einem Papst verteidigt worden?" Das päpstliche "Hohelied des Logos" habe ein Gespräch angeregt, das aus der postmodernen Sinnleere herausführe und die Gegenwart "rettet aus ihrem selbstwidersprüchlichen Schulterzucken über Wahrheit", wie Gerl-Falkovitz formulierte.

 

Laut Tück hat Benedikt XVI. das Papstamt ganz anders ausgefüllt als sein Vorgänger Johannes Paul II. "Er hat weniger spektakuläre Gesten gesetzt als vielmehr versucht, durch seine Enzykliken die Grundbegriffe des Christentums in einer ansprechenden Diktion zu erläutern." Was von Benedikt bleibe, sei seine ansprechende Art und Weise, Grundgedanken des Christentums in Erinnerung zu rufen. Im Blick auf die Situation in Europa, habe er immer wieder gefragt: "Was geschieht, wenn Gott fehlt? Brechen dann nicht gewissermaßen auch Grundlagen des Gemeinwesens weg, die uns in eine Schieflage bringen könnten?". Das seien die Impulse, die bleibend für Nachdenken sorgen werden, so Tück.

erstellt von: kap
26.03.2023
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Papst mahnt: Synodaler Weg braucht mehr innerdeutschen Dialog

Papst Leo XIV. sieht den Reformprozess der deutschen Kirche noch nicht am Ziel. Beim Rückflug aus dem Libanon mahnte er mehr innerdeutschen Dialog an – und warnte vor Machtgefällen, die Stimmen vieler Gläubiger zum Verstummen bringen könnten. Vielfalt in der Synodalität sei kein Bruch, sondern Stärke.

Papst Leo XIV. startet erste Auslandsreise – Friedensbotschaft für die Türkei und den Libanon

Papst Leo XIV. startet vom 27. November bis 2. Dezember seine erste Auslandsreise in die Türkei und den Libanon. Der frühere Leiter des Augustinerordens gilt als reisefreudig und bringt weltweite Erfahrung mit.

Gemüse in der Wüste – Hoffnung für Turkana

Landwirtschaft statt Hunger: Ein Projekt verwandelt Kenias Wüste in fruchtbares Land. Am 2. Dezember besucht eine Gruppe von Aktivisten Wien und berichtet von ihrer Arbeit

Tigray hungert trotz Friedensabkommen

Tigray bleibt von Hilfen weitgehend abgeschnitten – Ordensmann warnt vor dramatischer Lage

"Leo from Chicago": Neue Papst-Doku jetzt mit deutschen Untertiteln

Dokufilm beleuchtet familiäre, schulische und religiöse Prägung von Robert Francis Prevost

Belarus: Lukaschenko begnadigt zwei katholische Geistliche nach politisch motivierten Prozessen

Ordensmänner Akalatowitsch und Juchniewicz, gegen die in offensichtlich politisch motivierten Prozessen Lagerhaft verhängt worden war, kommen frei

Friedenslicht aus Oberösterreich für Papst Leo

Florian Mitter, das Friedenslichtkind aus Oberösterreich, übergab im Vatikan das Licht aus Bethlehem an Papst Leo XIV. und zeigte sich zutiefst beeindruckt.

Kinderpalliativzentrum MOMO: Inklusion schwerkranker Kinder sichern

Wiener Einrichtung mahnt Einlösung von UN-Kinderrechtskonvention ein: "Inklusion, Teilhabe, Schutz vor Gewalt, Bildung und Beteiligung müssen für alle Kinder in unserer Gesellschaft selbstverständlich sein"

3.800 Ordensleute als weiter prägende Kraft in Kirche und Gesellschaft

Österreichweit sind die 191 Ordensgemeinschaften in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege, Soziales, Kultur, Mission, Spiritualität und Seelsorge eine nicht wegzudenkende Größe.

Propst Sonnleitner: "Musik ist für mich ein Teil von Seelsorge"

Gefragter Organist an Spitze der Augustiner Chorherren von St. Florian ist kurz nach seiner Wahl mit drei unerwarteten Interessenten aus dem Kongo konfrontiert

Neues Buch gibt bislang unbekannte Einblicke in das Konklave 2025

Vatikanjournalisten öffnen in "Das letzte Konklave" den Blick auf Wahlgänge, Pannen und Anekdoten aus der Sixtinischen Kapelle.

Stift Klosterneuburg: René Girards Denken über Neid und Gewalt im Fokus

Das Stift Klosterneuburg präsentiertr das Buches "Neid, Gewalt und Sündenböcke" von Stiftskämmerer Elias Carr.

Katholische Jungschar fordert Partizipation: „Frag mich doch!“

Zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November macht die Katholische Jungschar Österreichs mit ihrer Kinderrechteaktion auf das Recht auf Partizipation aufmerksam.

Kardinal-König-Kunstpreis 2025 geht an Huda Takriti

Der seit 2005 alle zwei Jahre vergebene Preis zeichnet internationale Künstlern aus Österreich aus, die mit ihren Werken Debatten bereichern.

 

Papst Leo XIV. in Rom: Sant'Anselmo als „pulsierendes Herz“ für die Weltkirche

Papst Leo ermunter Benediktiner, Christus in den Mittelpunkt ihres Lebens und ihrer Mission zu stellen

Lackner: Bischöfe "höchst erfreut und dankbar" über Grünwidl

Salzburger Erzbischof erwartet neue Impulse für Österreichs Kirche durch Seelsorge-Schwerpunkt seines designierten Wiener Amtskollegen

Bischöfe fordern einen starken Sozialstaat sowie Hilfe für die Ukraine und Solidarität

Die Österreichische Bischofskonferenz hat zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung eine klare Botschaft formuliert.

Seit einem halben Jahr ist Leo XIV. Papst

Neues Kirchenoberhaupt zwischen großem Erbe und sorgfältiger Abwägung - Kathpress-Hintergrundbericht von Severina Bartonitschek

Bischof Scheuer: "Der Mensch ist dem Menschen von Natur aus Freund"

Linzer Bischof bei Bischofskonferenz-Festgottesdienst im Wiener Stephansdom über gesellschaftliche Verantwortung, Solidarität und Frieden - Fähigkeit zum Kompromiss "weder faul noch feige, sondern Ausdruck des Willens zum Miteinander und zur Versöhnung"

Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Wien

Die Vollversammlung der Bischofskonferenz ist in Wien eröffnet worden. Im Zentrum stehen Treffen mit Bundespräsident, Caritas und orthodoxen Kirchen.

Kardinal Dominik Duka OP verstorben

Der Dominikaner Duka war das einzige tschechische Mitglied des Kardinalskollegiums und stand im 82. Lebensjahr.

Abt Bernhard Eckerstorfer für theozentrische Wende in der Kirche

Ordensmann mit Auslandserfahrung: "Klöster bleiben Säulen für die Zukunft der Kirche"

Trump, Gott und die Nation: Religion in den USA ein Jahr nach der Wahl

Christlicher Nationalismus auf dem Vormarsch: Theologen warnen vor Aushöhlung der Verfassung und wachsender Polarisierung - Hintergrundbericht von Benedikt Heider/KNA

Katholisch-Theologische Fakultät Wien präsentiert Sammelband „War in Ukraine“

Das neue Werk beleuchtet theologische, ethische und historische Hintergründe des russischen Angriffskriegs und ist kostenlos als Open Access verfügbar.

Synode: Auf dem Weg zu weltweiten Kirchenversammlung 2028

Das letzte Treffen findet statt, wenn die mehrjährige Umsetzung der Ergebnisse der Weltsynoden von 2023 und 2024 in den Ortskirchen abgeschlossen ist.

Balanceakt in der Sakristei: Warum Österreichs Kirchen-Staat-Modell Zukunft hat

Ein Wiener Experte hält das österreichische Konkordat für ein unterschätztes Meisterstück – es sichere Kontrolle, ohne die Religionsfreiheit zu verdrängen.

Nationalfeiertag: Abtsbenediktion von Ludwig Wenzl in Stift Melk

Niederösterreichs Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Innenminister Karner und der designierte Wiener Erzbischof Grünwidl werden unter den Festgästen erwartet.

„Pilger:innen der Hoffnung“: Weltkirche-Konferenz in Wien setzt Zeichen für den Frieden

Friedensarbeit, Trauma und Umweltgerechtigkeit im Globalen Süden – Berichte aus Ecuador, Kenia und den Philippinen.

Oberösterreichs Landeshauptmann Stelzer trifft Papst Leo XIV.

"Es war ein sehr emotionales, wenn auch kurzes Treffen und eine ernsthafte Auseinandersetzung", so der oberösterreichische Landeschef.

"Mit dem Judesein Jesu vertraut werden"

Basisgemeinde Forum 2025 lädt zur Auseinandersetzung mit der jüdischen Verwurzelung Jesu ein.

Job Speed Dating für junge Arbeitssuchende in Wien am 11. November

Junge Menschen, die Starthilfe in die Berufswelt brauchen, können am 11. November 2025 in lockerem Rahmen Bewerbungsgespräche für eine Lehrstelle bei namhaften Unternehmen führen. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Papst Leo XIV. spricht sieben Männer und Frauen heilig

Katholische Kirche feiert sieben neue Heilige: Märtyrer und Wohltäter.

Ein mutiges Herz für den Kongo: Sr. Brigitta Raith kehrt heim

Über drei Jahrzehnten lebte und arbeitete Sr. Brigitta Raith, Missionarin Christi aus der Oststeiermark, in der Demokratischen Republik Kongo.

Caritas: Junge Wohnungslosigkeit ist keine Randerscheinung – Gesamtstrategie gefordert

Junge Wohnungslosigkeit "keine Randerscheinung" - Direktor Schwertner fordert bundesweite Gesamtstrategie 

'Medienbischof' Krautwaschl mit katholischen Medienschaffenden in Rom

"Medienbischof" Krautwaschl mit katholischen Medienschaffenden in Rom

Höhepunkte der Presse- und Informationsreise sind u.a. Begegnungen mit Kurienkardinal Koch, Synoden-Generalsekretär Grech, Kardinalstaatssekretär Parolin sowie im Dikasterium für die integrale Entwicklung des Menschen und Empfang in österreichischer Botschaft beim Heiligen Stuhl.

Luftaufnahme - Blick auf den Stephansdom

Kirchenstatistik 2024: Mehr Gottesdienstbesuche, weniger Austritte

Offizielle Kirchenstatistik für das Jahr 2024 veröffentlicht. 4,56 Mio. Katholikinnen und Katholiken leben in Österreich. Im Vorjahr rund 71.500 Austritte. Steigerungen bei Erwachsenentaufen und Wiedereintritten gegenüber dem Jahr davor.

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