Der Vatikan erkennt das Potenzial der digitalen Welt! In Rom trafen sich über 1.000 katholische Influencer. Was die Wiener Teilnehmer wie P. Sandesh Manuel, Gabriele Eder-Cakl, Anne Fleck und Johannes Schwarz von diesem Treffen mitnahmen? Die Kirche ist im digitalen Zeitalter angekommen – und das war höchste Zeit.
Stell dir vor: 1.000 Menschen, die sich bisher nur virtuell kannten, stehen sich plötzlich von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Statt der üblichen hitzigen Kommentare herrscht pure Begeisterung. Die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), Gabriele Eder-Cakl, schwärmt von der Atmosphäre. Sie spricht von einer „großen Bandbreite an Zugängen“, die sich nicht in Streit verloren hat, sondern in ein „Miteinander“ verwandelte. Man spürte, dass trotz der Verschiedenheit alle das gemeinsames Ziel eint: „authentisch das Christ-Sein zu leben“. Beeindruckt zeigt sie sich aber auch von der perfekten Organisation durch das vatikanische Dikasterium für Kommunikation und den qualitativ hochwertigen Inhalten der Beiträge.
P. Sandesh Manuel, bekannt für seine viralen Clips und sein Crossover-Talent, kann es noch immer kaum fassen. Auch er berichtet von einer „sehr guten Stimmung, weil alle mit Feuer für Jesus da waren“. Sandesh, der sich in manchen kirchlichen Kreisen zuhause als „Außenseiter“ erfährt und auch mit Hasskommentaren zu kämpfen hat, erfuhr in Rom eine enorme Bestätigung und Kraft. Endlich ein Ort, wo seine kreativen Ideen nicht nur verstanden, sondern gefeiert wurden! Er kommt mit dem Gefühl zurück, auf dem richtigen Weg zu sein und dass seine Arbeit Früchte tragen wird. Anne Fleck von Missio Österreich beschreibt dieselbe Erfahrung schlicht so: „Es war unglaublich ermutigend, das zu sehen.“
Die Vielfalt der Gruppe war beeindruckend. Johannes Schwarz, Leiter von Young Missio, knüpfte viele neue Kontakte. Ob Priester aus Chile oder eine TikTok-erfahrene Ordensschwester aus Argentinien: Alle seien überraschend bescheiden und offen für den Austausch gewesen. Die Vernetzung war kein leeres Schlagwort, sondern geschah hier in der realen Welt, bevor sie in der digitalen weitergeführt wird. Die Teilnehmer gingen nicht als Konkurrenten auseinander, sondern als ein Team, so Schwarz.
Vom „Change“ zur „Chance“: Der Vatikan am Puls der Zeit
Die österreichischen Influencer zeigen sich alle davon beeindruckt, dass der Vatikan mit seinen ehrwürdigen Mauern ein Ort neuer Ideen ist. Johannes Schwarz fasst es treffend zusammen: „Der Vatikan erkennt, dass dieser digitale Raum ist ein Missionsgebiet.“ Das war keine graue Konferenz, sondern eine mitreißende Show - mit Musik, einem eigenen Song und professionellen Vorträgen. Man merkte, dass die Kirche die digitale Medienwelt nicht in erster Linie als suspektes und gefährliches Terrain betrachte, sondern als eine Chance für die Evangelisierung. „Immerhin 50% von den über 10 000 Erwachsenen, die sich heuer rund um Ostern in Frankreich taufen ließen, hatten ihren Erstkontakt mit dem Christentum über die sozialen Medien“, berichtet Gabriel Eder- Cakl, die in diesen Tagen auch am Treffen von Papst Leo mit den Neugetauften teilgenommen hat.
Hinzufügen könnte man den spektakulären Aufruf - ebenfalls in Frankreich - am Aschermittwoch den Gottesdienst zu besuchen und das Aschenkreuz zu empfangen. Dies führte zu einem unerwarteten Massenansturm auf die Gottesdienste zu Beginn der Fastenzeit.
Eines der Highlights war der überraschende Besuch von Papst Leo im Anschluss an den Gottesdienst mit Kardinal Tagle im Petersdom und seine mehrsprachige Ansprache an die versammelten Influencer. Er sprach nicht nur über den Glauben, sondern auch über künstliche Intelligenz und die Relevanz der digitalen Medien. P. Sandesh Manuel fasste es griffig zusammen: „Sie (die vatikanischen Verantwortlichen) hätten das eigentlich vor sechs, sieben Jahre starten können, aber „better late than never.“
Der Umgang mit dem Hate: Gemeinsam statt einsam
Was nahmen die Wiener Teilnehmer für ihre Arbeit mit? Allen voran die Erkenntnis: Die Digitalität ist nicht die Zukunft, sondern längst die Gegenwart! Gabriele Eder-Cakl bringt es auf den Punkt: „Wir als Christinnen und Christen leben in dieser Gegenwart.“ Es geht nicht darum, ob man Social Media nutzt, sondern wie. Sie wünscht sich eine Vernetzung auf Österreichebene und arbeitet bereits daran. Ihre Inspiration dabei ist Programm des Treffens in Rom: Eine Mischung aus qualitativem, relevanten Content und der persönlichen Begegnung.
Ein großes Thema war auch der Umgang mit Hasskommentaren und Spaltung. Anne Fleck sieht in der Gemeinschaft eine klare Antwort: die geballte Kraft von Menschen, die sich entschieden haben, trotz aller Unterschiede an einem Strang zu ziehen. Besonders begeistert hat sie die Vielfalt der Teilnehmer: von jungen Müttern über Theologie-Podcaster bis hin zu Ordensschwestern auf TikTok – alle mit der gleichen Absicht, Menschen zu erreichen. Die Marienweihe in den vatikanischen Gärten, bei der die 1.000 Influencer ihre Kanäle symbolisch in die Hände der Muttergottes legten, war für sie und viele andere ein bewegender Höhepunkt. Die Botschaft war unmissverständlich: Es geht nicht um Likes oder Selbstdarstellung, sondern darum, die Botschaft des Glaubens zu teilen.
Motivierter denn je wollen die Teilnehmer diese Mission fortsetzen. Auch Johannes Schwarz und Anne Fleck haben sich vorgenommen, das Vernetzungskonzept des Vatikans in Österreich umzusetzen. Sie wollen verstärkt „Collabs“ (gemeinsame Projekte) mit anderen kirchlichen Akteuren starten, um die katholische Präsenz im Netz zu stärken. Schwarz wünscht sich, dass mehr Bischöfe und Priester aktiv in den digitalen Raum eintreten. Fleck ermutigt dazu, authentisch zu sein und die eigenen Begabungen zu nutzen, um den Glauben in einer Weise zu vermitteln, die Menschen wirklich erreicht. P. Sandesh bringt es auf den Punkt: Wir müssen nur einen Buchstaben ändern, um aus dem Wort „Change“ eine „Chance“ zu machen.